Samstag, Juni 25, 2022
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IG-Metall-Chef fordert mindestens sechs Prozent mehr Lohn

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IG-Metall-Chef Hofmann fordert eine Lohnerhöhung von mehr als sechs Prozent für Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie. Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale sehe er angesichts der hohen Inflation nicht, sagte der Gewerkschafter.

Die IG Metall will in der anstehenden Tarifrunde im Herbst eine Lohnerhöhung von mehr als sechs Prozent fordern. „Wir brauchen eine kräftige Lohnerhöhung“, sagte Jörg Hofmann der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). „Der Tarifvertrag muss zwei Jahre umfassen, 2022 und 2023. Wenn die Verhandlungen gut laufen, haben wir im November ein Ergebnis.“

Hofmann erläuterte, dass die Forderung dadurch zustande gekommen sei, dass man zur Produktivitätssteigerung (1,1 Prozent) für zwei Jahre das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent hinzurechnete. Wenn man nicht die zwei Prozent EZB-Zielinflation als Maßstab nehmen würde, sondern die aktuelle Inflation von knapp acht Prozent, „dann wäre unser Bedarf zweistellig“, sagte Hofmann. Die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale sieht er daher nicht.

Allerdings bezeichnete der Gewerkschafter auch eine „Umverteilungskomponente“ als zwingend, weil die Unternehmen derzeit so hohe Gewinne machen. Auf den Einwand im Zeitungsinterview, dass sich das auf mindestens sieben Prozent Lohnerhöhung summiere, sagte Hofmann: „Oder darüber … mal sehen.“

Die Verträge für rund 3,7 Millionen Beschäftigte in den Kernbranchen der deutschen Industrie laufen Ende September aus. Auf bundesweiten Sitzungen der Landestarifkommissionen beraten die Gewerkschaften derzeit über die Höhe ihrer Forderungen für die neue Tarifrunde.

Bereits in der vergangenen Woche zeichnete sich ab, dass die IG Metall angesichts der hohen Inflation in den anstehenden Tarifverhandlungen eine deutliche Lohnerhöhung für ihre Mitglieder durchsetzen will. Eine genaue Tarifforderung muss dann vom Bundesvorstand der Gewerkschaft bestätigt werden. Laut IG Metall soll dies am 11. Juli geschehen.

In gesonderten Tarifverhandlungen in der nordwestdeutschen Stahlindustrie fordert die Gewerkschaft unter anderem 8,2 Prozent mehr Lohn für die 68.000 Beschäftigten. Sie erklärt, dass die Stahlindustrie trotz Ukrainekrieg und Lieferkettenengpässen wirtschaftlich gut dasteht. Die Auftragsbücher vieler Stahlhersteller sind bis Herbst voll.

Auch in der Debatte um eine Überschusssteuer für Unternehmen, die durch Inflation Zusatzgewinne erwirtschaften, bezog der IG-Metall-Chef Stellung. „Ich bin dafür, die Mehrgewinne in allen Branchen abzuschöpfen, die in den letzten Jahren krisenbedingt überdurchschnittlich verdient haben. Das sind nicht nur die Ölmultis“, sagte Hofmann. „Auch Chemieunternehmen, Autohersteller und Maschinenbauer freuen sich über Sondergewinne.“

Die Einführung einer möglichen Sondersteuer wie in Italien oder Großbritannien wird unter Ökonomen und in der Ampelkoalition sehr kontrovers diskutiert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sprach sich ebenso wie Politiker von SPD und Grünen für eine solche Steuer aus.

Andere Ökonomen warnen jedoch davor. Der frühere Chef der Wirtschaftsexperten, Lars Feld, nannte die Diskussion „populistisch“. Die Steuer wäre kaum verfassungskonform. Auch Bundesfinanzminister Christian Lindner von der FDP hat eine Überschusssteuer kategorisch abgelehnt.

Vor wenigen Tagen warnte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf, die IG Metall vor zu hohen Lohnforderungen. „Wir müssen mit der IG Metall darüber sprechen, wie wir das Thema Lohnkosten in den Griff bekommen.“ Jede weitere Erhöhung führt zu massiven Belastungen“, sagte er mehreren Regionalzeitungen. Es hilft niemandem, wenn Unternehmen überfordert sind und Arbeitsplätze in Deutschland nicht halten können.

„Wir werden alle Abstriche machen müssen“, sagte Wolf den Zeitungen. Auch die IG Metall muss erkennen, dass es nicht immer nur um Wachstum geht. Gleiches gilt für Unternehmen.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat kürzlich im Bundestag angekündigt, gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über ein koordiniertes Vorgehen gegen die hohe Inflation zu diskutieren – in einer sogenannten „Konzertierten Aktion“.



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