Donnerstag, August 11, 2022
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Im Kampf gegen die Gaskrise zeigt sich Scholz offen für den Weiterbetrieb deutscher Atomreaktoren

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Angesichts der sich abzeichnenden Gasengpässe hält Bundeskanzler Scholz die erweiterte Nutzung der Kernenergie für eine Option. Auch wenn der Beitrag zur Stromversorgung nur gering ist, kann dies „sinnvoll“ sein. Zuvor muss allerdings das Ergebnis des aktuellen Stresstests abgewartet werden.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich offen gezeigt für längere Laufzeiten der letzten drei noch am Netz befindlichen Kernkraftwerke (AKW) in Deutschland – Isar 2, Neckarwestheim und Emsland. Mit Blick auf die Gaskrise sagte Scholz, diese Atomkraftwerke seien nur für einen kleinen Teil der Stromerzeugung relevant. „Aber es kann trotzdem Sinn machen“, sagte der SPD-Politiker auf die Frage nach Laufzeitverlängerungen für die Kernreaktoren, deren Betrieb eigentlich Ende des Jahres endet.

Entscheidungen werden laut Kanzlerin auf Basis eines Stresstests für die Stromversorgung getroffen, dessen Ergebnisse in Kürze vorliegen. Zur Begründung verwies er unter anderem darauf, dass „insbesondere in Bayern der Ausbau der Windenergie nur sehr langsam vorankommt“. Auch der Ausbau des Übertragungsnetzes nach Süden ist nicht so schnell vorangekommen wie geplant. Dem wird im „sehr, sehr strengen Stresstest“ für die Stromerzeugung in Deutschland Rechnung getragen. Dieser Stresstest ist bald vorbei. Die Bundesregierung wird daraus dann ihre eigenen Schlüsse ziehen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plant bereits, das Kernkraftwerk Isar 2 weiter zu betreiben. Bei einem Streckbetrieb würde die Kernkraftwerksleistung zunächst gedrosselt, um die Brennelemente dann einige Monate länger in der Anlage nutzen zu können. Dies könnte helfen, Engpässe im Winter zu lindern, argumentieren Befürworter.

Die Worte von Scholz dürften einem Koalitionspartner auffallen: Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger von der FDP bekräftigte kürzlich die Forderungen ihrer Partei, die Atomkraftwerke bis 2024 am Laufen zu halten. „Ein paar Monate längerer Betrieb der Atomkraftwerke geht nicht genug sein“, sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Vielmehr solle man „weltanschaulich über einen Weiterbetrieb bis 2024 reden“. Der Minister wies Sicherheitsbedenken zurück.

CDU-Generalsekretär Mario Czaja forderte Scholz in der „Rheinischen Post“ auf, für Klarheit in der Debatte zu sorgen. „Angesichts der sich von Tag zu Tag verschärfenden Energiekrise wäre es fahrlässig und unverantwortlich, auf klimafreundliche Atomkraft zu verzichten“, sagte der CDU-Politiker. Die Bundesregierung will vor einer Entscheidung das Ergebnis eines laufenden, erneuten Stresstests zur Energieversorgungssicherheit abwarten.

Der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) warnte jedoch davor, dass die Debatte um längere Laufzeiten von Atomkraftwerken die notwendige Umsetzung der Energiewende behindert. „Die Debatte um die Lebensdauerverlängerung lenkt von der Notwendigkeit konsequenter Einsparungen ab und blockiert die Energiewende“, erklärte DNR-Präsident Kai Niebert. In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Deutschen Bundesjugendring hat sich der DNR erneut gegen eine Abkehr vom Atomausstieg ausgesprochen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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