Freitag, Juni 24, 2022
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Im Schatten des Ukraine-Krieges: Erdogans Angriffspläne in Nordsyrien

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Die Nato verurteilt Putins Angriffskrieg mit Ausnahme der Türkei. Erdogan akzeptiert keine Sanktionen gegen Russland, sondern vermittelt lieber. Und es hat auch seine eigenen Angriffspläne.

Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, weitere Teile Nordsyriens unter türkische Kontrolle zu bringen. Kurdisch geführte Verbände haben dort eine Selbstverwaltungszone eingerichtet, die vom Assad-Regime und seiner russischen Schutzmacht akzeptiert wird.

Für Erdogan sind das PKK-Terroristen, die er zurückdrängen will. Russland sollte es im Austausch für die Gunst der Türkei im Krieg in der Ukraine decken. Doch Erdoğan hat eine ganz andere Baustelle: Den Menschen in der Türkei geht es nach seiner Politik nicht gut, seine Umfragewerte fliegen tief.

Für Erdogan ist klar: Die Sicherheit der Türkei ist in Gefahr. Die PKK-Terroristen lauern an ihrer Grenze und müssen beseitigt werden. Aus diesem Projekt macht er kein Geheimnis, im Gegenteil:

Scheinbarer Alltag in der nordsyrischen Stadt Qamischli: Überfüllte Straßen, Tumult in den Markthallen und eine große Angst: die Angst, jeden Moment angegriffen zu werden.

Gemüsehändler Shams Eldin Hamouda sagt:

Die Kurden hier wissen, wie fragil ihr Autonomiebereich ist, für den sie gegen IS-Terroristen, Assads Handlanger und türkische Soldaten gekämpft haben. Besonders groß ist die Angst unter der christlichen Minderheit. Die sogenannte Syrische Nationalarmee, die mit den Türken verbündet ist, umfasst zahlreiche islamistische Milizen, die für ihre Jagd auf Christen berühmt sind.

„Wir beten für unser Land und nicht vertrieben zu werden, um unsere Kirchen zu erhalten. Aber viele sind schon nach Europa abgereist. Wir wollen in Sicherheit leben!“, sagt der Christ Shoghik Hamoyan.

Kritische Beobachter der Regierung wie „BirGün“-Reporter sehen keine akute Bedrohung durch syrische Kurdenmilizen. Obwohl dort gegen die türkische Besatzung gekämpft wird, wird kein türkisches Territorium angegriffen.

Die Gründe für Erdogans Säbelrasseln dürften eher in der Heimat liegen als in Syrien. Es läuft nicht gut. Seine Geldpolitik mit künstlich niedrigen Zinsen schadet den türkischen Verbrauchern. Damit liegen Erdogan und seine Partei ein Jahr vor der Wahl auf einem Allzeittief in den Umfragen.

„Die Leute können die Miete nicht mehr bezahlen. Die Inflation nähert sich 100 Prozent – Hyperinflation. Das Land geht bankrott und versucht, die Aufmerksamkeit abzulenken“, sagte Ibrahim Varli, Chefredakteur von Bir Gun.

Dann gibt es den Krieg in der Ukraine. Erdogan will die neue Situation nutzen, um sowohl von Russland als auch von Nato-Verbündeten grünes Licht für seinen Angriff in Nordsyrien zu bekommen. Sein Hebel: die Linie zu Wladimir Putin.

In einem Telefonat mit Erdogan in der vergangenen Woche sagte der Kremlchef, seine Regierung sei bereit, mit Ankara zusammenzuarbeiten, um den freien Warenverkehr im Schwarzen Meer zu ermöglichen, das gilt auch für Getreideexporte aus ukrainischen Häfen.

Eine solche Vermittlung wäre für fast alle Teile der Welt von immenser Bedeutung. Es ist berechtigt zu fragen, ob diesen Worten die Fakten folgen werden: Am Mittwoch endet ein Treffen zwischen Moskau und Ankara ohne Lösung.

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