Sonntag, Oktober 17, 2021
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Inflation wird wieder sinken

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Deutschlands Wirtschaftsforscher erwarten im nächsten Jahr einen geringeren Preisanstieg. Die Wirtschaft erholt sich, aber die neue Bundesregierung muss dringend Reformen angehen

Lieferschwierigkeiten bremsen den Aufschwung nach der Corona-Krise zwar noch, dennoch dürfte die Konjunktur im kommenden Jahr kräftig anziehen. Wie der Internationale Währungsfonds erwarten auch die führenden Wirtschaftsinstitute in Deutschland, dass die Binnenwirtschaft in diesem Jahr weniger wächst als bisher angenommen. In ihrer Herbstprognose gehen die Forschungsinstitute in diesem Jahr nur von einem Wachstum von 2,4 Prozent aus. Im Frühjahr hatten sie 3,7 Prozent prognostiziert. Im Gegenzug erwarten Ökonomen für 2022 einen stärkeren Aufschwung als zuvor. Bei der Inflation geben sie Entwarnung: Der Preisanstieg wird in den kommenden Jahren wieder geringer ausfallen.

Insgesamt erholt sich die deutsche Wirtschaft deutlich von der Corona-Krise. Die fünf Wirtschaftsinstitute geben an, dass die Unternehmen wieder stark einstellen. Viele Unternehmen leiden jedoch darunter, dass Mikrochips und andere Vorprodukte fehlen, auch als Folge des weltweiten Aufschwungs nach Corona. Die Branche produziert weniger als zu Jahresbeginn. Deshalb senken die Forscher ihre Konjunkturprognose. „Im Frühjahr waren wir zu optimistisch in Bezug auf die Lieferkettenprobleme“, räumte Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) ein.

Auch im Winter wird die Pandemie das Wachstum wieder drosseln. Restaurants und andere Dienstleister werden in normalen Zeiten wahrscheinlich nicht so viele Kunden empfangen, wie sie können. Experten gehen davon aus, dass das Auftauchen neuer Virusvarianten die Weltwirtschaft belasten würde.

Die Pandemie wird erst im Frühjahr 2022 nennenswerte Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Die Forscher erwarten, dass sich auch die Lieferschwierigkeiten im Laufe des Jahres lösen. Sie gehen auch davon aus, dass die Verbraucher dann deutlich mehr Geld ausgeben werden: einen Teil der Ersparnisse, die sie in der Corona-Krise zwangsläufig angesammelt haben, als Geschäfte und Restaurants geschlossen wurden. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 4,8 Prozent wachsen – statt wie bisher prognostiziert knapp vier Prozent.

Ökonomen teilen die Sorge vieler Bundesbürger nicht, dass die Preise weiter stark steigen. „Wir können Entwarnung für den akuten Inflationsdruck geben“, sagt Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Im September lag der Preisanstieg vor allem aufgrund der Energiekosten mit 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr so ​​hoch wie seit dreißig Jahren nicht mehr. Für das Gesamtjahr 2021 gehen die Institute allerdings nur von drei Prozent Inflation aus. Timo Wollmershäuser vom ifo Institut führt dies zur Hälfte darauf zurück, dass die Mehrwertsteuer in diesem Jahr wieder auf das gewohnte Niveau angehoben wurde – und dass Energie während der Corona-Krise billiger und nun entsprechend teurer geworden ist.

„Bei vielen Gütern und Dienstleistungen jenseits der Energie entwickeln sich die Preise bereits wieder normal“, sagte Wollmershäuser. Die Forscher sagen voraus, dass die Energie den Preisanstieg langsam abklingen lässt. Im kommenden Jahr erwarten sie eine Inflation von 2,5 Prozent. In den Folgejahren ging der Preisanstieg wieder auf Werte von rund zwei Prozent zurück.

Die Ökonomen warnen vor Eingriffen in den Gaspreis – das löst das Problem nicht. Ein Preiserhöhungsrisiko wären aus ihrer Sicht hohe Tarifabschlüsse von mehr als vier Prozent. Das erwarten sie jedoch nicht. Die Inflationserwartungen der Verbraucher für die Zukunft sind leicht gestiegen, aber nur leicht, so Oliver Holtemöller vom IWH. „Deshalb gibt es keine Signale, dass wir dauerhaft höhere Inflation bekommen.“

Risiken für höhere Preise sehen die Forscher eher, wenn man einige Jahre in die Zukunft blickt. Aufgrund der schrumpfenden und alternden Bevölkerung werden Unternehmen weniger Arbeitskräfte zur Verfügung haben. Zudem sind hohe Ausgaben notwendig, um Deutschland wie geplant klimaneutral zu machen. Beides führt zu Kostendruck, der sich auf die Preise auswirken kann – je nachdem, wie sich Politik, Mitarbeiter und Unternehmen verhalten.

Die Ökonomen fordern von der neuen Bundesregierung radikale Reformen. Klimaschutz muss so effizient wie möglich erreicht werden, ohne blind in neue Technologien einzusteigen. Bürger mit niedrigem Einkommen brauchen einen Ausgleich für steigende Kosten. Zudem müssten Staat und Unternehmen in die Digitalisierung des Landes investieren.

Die Regierung sollte auch die Alterung der Bevölkerung angehen. „Unser aktuelles Alterssystem ist nicht nachhaltig“, sagt Oliver Holtemöller. „Die Regierung sollte die Leistungen der Rentenversicherung nicht ausbauen, sondern das System auf eine stabile Basis stellen.“ Dies gelingt am besten, wenn mehrere Maßnahmen kombiniert werden: ein niedrigeres Rentenniveau, ein höheres Rentenalter, höhere Sozialbeiträge und Steuervergünstigungen sowie mehr Finanzierung.

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