Montag, November 29, 2021
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Intensivstationen stark belastet Vorfall in Sachsen knackt 1000er-Marke

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Die Coronavirus-Pandemie erreicht beispiellose Höchststände. In Sachsen überschreitet die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals die 1000er-Marke. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bleibt ein Hotspot, wo Covid-19-Erkrankte mehr als 75 Prozent der Patienten auf Intensivstationen ausmachen.

Erstmals in einem Bundesland stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf über 1000. Für Sachsen meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) an diesem Donnerstag einen Wert von 1074,6, am Mittwoch die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb eine Woche im Staat war 935,8.

Innerhalb eines Tages zählten die Gesundheitsämter in Sachsen 11.581 neue Corona-Infektionen plus 42 Todesfälle. Bundesweit beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz 419,7 (Vortag: 404,5).

Bundesweit weisen neun der zehn Landkreise in Sachsen einen Inzidenzwert von über 1000 auf. Darunter liegen nur die Städte Dresden (630,3), Leipzig (869,1) und Chemnitz (972,2) sowie der Landkreis Görlitz (735,6). Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bleibt mit 1688,0 der bundesweite Hotspot, dicht gefolgt vom Erzgebirgskreis mit 1657.9.

Gerade jüngere Menschen sind derzeit besonders betroffen. Die höchste Inzidenz liegt bei den 0- bis 14-Jährigen, im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge lag die Inzidenz am Mittwoch bei 2289,5. Im Vergleich dazu ist die Inzidenz bei den über 80-Jährigen am niedrigsten, liegt aber immer noch beim sehr hohen Wert von 817,0.

Sachsen ist das Bundesland mit der niedrigsten Impfrate in Deutschland. Nur 57,8 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Erfahrungsberichte zeigen, dass der Staat mit der Organisation von Impfangeboten überfordert ist. Die Leute stehen stundenlang an, wo sie geimpft werden. Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte der „Sächsischen Zeitung“: „Auch für mich sind das schreckliche Bilder, die mich sehr ärgern. Das Gesundheitsministerium arbeitet mit Hochdruck daran, die Situation zu verbessern.“ Gespräche mit Ärzten würden geführt. „Ich habe vom Präsidenten der Kassenärztlichen Vereinigung die Zusage bekommen, dass sie zwischen einhundert und zweihunderttausend Impfungen pro Woche ermöglichen wollen“, sagte der CDU-Politiker.

Die Auslastung der Intensivstationen im Land ist hoch. 37 Prozent der Patienten haben Covid-19. Aktuell sind 521 Menschen betroffen, insgesamt stehen nur 114 Betten auf Intensivstationen zur Verfügung. November 2020, vor einem Jahr, lagen in Sachsen 345 Corona-Patienten auf Intensivstationen, 316 Betten waren frei. Im Hotspot Sächsische Schweiz-Osterzgebirge machen Covid-19-Patienten mehr als 75 Prozent der Intensivpatienten aus und belegen mehr als 70 Prozent der verfügbaren Betten.

Sachsen hat aufgrund der kritischen Lage bereits die Anwendung des Kleeblattkonzeptes beantragt, wonach Patienten auf Intensivstationen in anderen Bundesländern verlegt werden. Dies soll zunächst bei 20 Intensivpatienten der Fall sein. Derzeit werde geklärt, welche Erkrankten in Frage kommen, am besten aus dem Klinikcluster Chemnitz, teilte das Gesundheitsministerium mit. „Diese Möglichkeit besteht nach wie vor. Wir werden sie nutzen, um Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Wir können die aktuelle Entwicklung kaum beeinflussen“, sagte Kretschmer der „Sächsischen Zeitung“.

Sachsen gehört mit Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg zum Kleeblatt-Osten – und auch dort sind vielerorts schon die Kapazitätsgrenzen erreicht. Wie in Sachsen gibt es in Berlin und Sachsen-Anhalt derzeit weniger als jedes zehnte Intensivbett. Thüringen meldet in einigen Kreisen noch freie Intensivbetten – diese müssten aber auch freigehalten werden, um Unfallpatienten weiterhin versorgen zu können. Ist die Auslastung im gesamten Kleeblatt für eine Umsiedlung aus Sachsen zu hoch, kann die Umsiedlung in andere Gebiete auch im Austausch mit dem gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz organisiert werden Hilfe (BBK) musste.

Aufgrund der dramatischen Lage schließt Kretschmer einen Lockdown vor Weihnachten in Sachsen nicht mehr aus. „Die Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Sie kann nur verhindert werden, wenn es ein gemeinsames Verständnis und gemeinsames Bewusstsein gibt, Kontakte zu vermeiden und die Maßnahmen einzuhalten“, sagte er der „Sächsischen Zeitung“. Sollte sich in der kommenden Woche kein positiver Effekt einstellen, „müssen wir diese Diskussion führen“.

Große Teile des öffentlichen Lebens werden bereits eingeschränkt. Alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Bars, Clubs und Diskotheken sind bis auf Weiteres geschlossen. Gleiches gilt für Weihnachtsmärkte. Die Unterbringung von Touristen ist verboten. Ausgenommen sind derzeit Bibliotheken und Geschäfte mit Grundversorgung. Die Gastronomie darf mit der 2G-Regel auch bis 20 Uhr öffnen. Für den Zugang zum Arbeitsplatz gilt die 3G-Regel.

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