Mittwoch, Oktober 27, 2021
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Istanbuler Straßenhund Boji Pendler auf vier Pfoten Boji ist ein Straßenhund. Und Boji liebt Istanbuls öffentliche Verkehrsmittel: Er liebt es, in Straßenbahnen und Fähren unter den anderen Fahrgästen Platz zu nehmen, im Internet kursieren tausende Fotos von ihm. Die Stadt verfolgt ihre Routen mit GPS. Von K.Senz.

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Boji ist ein Straßenhund. Und Boji liebt Istanbuls öffentliche Verkehrsmittel: Er liebt es, in Straßenbahnen und Fähren unter den anderen Fahrgästen Platz zu nehmen, im Internet kursieren tausende Fotos von ihm. Die Stadt verfolgt ihre Routen mit GPS.

Boji bellt nicht, Boji beißt nicht. Der große, schlanke Hund mit dem beigefarbenen Kurzhaar liegt entspannt mitten im Boden einer Straßenbahn, die durch den asiatischen Teil Istanbuls fährt. Er hat lässig die Vorderpfoten gekreuzt, die schwarze Schnauze sanft aufgesetzt. Ein paar Schüler steigen vorsichtig über ihn hinweg. Boji hebt nicht einmal den Kopf mit den dunklen Schlappohren.

„Wir sind gerade erst eingestiegen und waren erstaunt über den Anblick“, sagt einer der Studenten. „An der Station, an der wir eingestiegen sind, ist er aus dem Bus gestiegen und hat frische Luft geholt. Dann ist er wieder drin. Wir haben so lange auf ihn gewartet. Jetzt ist es drinnen voll. Die Leute müssen über ihn klettern, um“ zusteigen, einsteigen, vorwärtskommen. „

Irgendwann wird ein Platz am Fenster frei. Der Kangal-Mischling springt auf die Holzbank, mit dem Rücken zum Gang schaut er nach draußen. Bisher habe es keine Beschwerden anderer Fahrgäste gegeben, erklärt Aylin Erol von der Istanbuler Stadtverwaltung: „Er ist ein riesiger Hund, ja, aber er ist nicht so anders als wir, wie du und ich Leute zuerst. Er springt auch nicht auf sie. Deshalb haben sie keine Angst vor ihm. „

Ein junger Student sitzt in sicherem Abstand zu dem streunenden Hund. Bei ihr hält sich die Begeisterung in Grenzen. „Nun, da ich das nicht gewohnt bin, habe ich Angst“, sagt sie. „Aber im Moment macht er gar nichts. Wenn er weiterhin so gut ist, ist das kein Problem.“

Bisher gibt es keine Berichte, dass Boji jemanden angegriffen oder gebissen hat, aber es gibt Tausende von Fotos und Videos online von Passagieren, die ihre Wege durch Istanbul gekreuzt haben: Boji schläft lässig auf zwei Straßenbahnsitzen, Boji schläft durch die langen Gänge von die Istanbuler Metrostation trabt, Boji, wie er mit treuem Blick einen Fahrgast zum Streicheln animiert, oder auf der Bosporus-Fähre, wie er die Nase in den Wind hält. Inzwischen ist er ein kleiner Star mit eigenem Twitter-Account und 60.000 Followern.

Die Stadt Istanbul sei vor rund zwei Monaten auf den blinden Passagier auf vier Pfoten aufmerksam geworden, als er versuchte, in eine Straßenbahn einzusteigen, sagt Erol:

Du hast ihm ein Halsband mit einem Chip drauf gegeben. So kannst du Boji nun jederzeit per GPS orten und seinem Weg folgen. Allerdings ist er kein Frühaufsteher. „Er ist ab zehn Uhr in der Straßenbahn“, sagt Erol. „Das wissen wir. Dann fährt er den größten Teil des Tages bis neun Uhr abends. Dann verbringt er die Nacht auf der asiatischen Seite. Das liebt er.“

Die GPS-Daten zeigen, dass er an einem Tag 30 bis 40 Kilometer zurücklegen kann. Aber er hat auch Tage, an denen er sich nicht wie die Menge in Bussen und Bahnen fühlt. Dann spielt er irgendwo in Istanbul mit anderen Hunden.

Wenn er auf Tour ist, lassen ihn seine Artgenossen eher kalt. Er will bei den Leuten sein. Der Tierarzt hat Boji durchgecheckt: er ist fit und geimpft.

Aber Aylin Erol von der Stadtverwaltung hat ihre Gedanken so: „Ich vermute, dass ihn etwas stört“, sagt sie. „Vielleicht sucht er jemanden. Ich hoffe, es steckt keine traurige Geschichte dahinter. Aber in der Straßenbahn mit den Leuten ist er wirklich glücklich. Das können wir spüren.“

Boji steigt an der nächsten Haltestelle aus und schlendert zum Pier. Kurz darauf legt eine Bosporus-Fähre in den europäischen Teil der Stadt über.

Als wäre es das Normalste der Welt, geht der Hund an Bord, springt mit einem Sprung hinein auf eine der breiten roten Bänke und räkelt sich über die ganze Länge, das Heck in Richtung des Passagiers neben ihm. Er sieht einen Moment verwirrt aus. Boji gähnt genüsslich, legt seinen Kopf auf die Armlehne, bis sich seine Augen endlich schließen.

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