Dienstag, Januar 25, 2022
StartNACHRICHTENItalien: Sexuelle Übergriffe wecken Erinnerungen an Silvester am Kölner Dom

Italien: Sexuelle Übergriffe wecken Erinnerungen an Silvester am Kölner Dom

- Anzeige -


EEs sind schreckliche Szenen, die Hilflosigkeit der Frauen und die Ausweglosigkeit ihrer Lage schnürt dem Betrachter die Kehle zu: Ein Video von der Silvesternacht auf dem Mailänder Domplatz zeigt, wie zwei junge Frauen in beigen Winterjacken von einer Horde junger Männer belästigt werden.

Die Frauen drücken sich gegen eine Barriere und versuchen sich gegenseitig zu schützen. Die Männer schieben und schubsen, sie rufen sich auf Arabisch etwas zu, ihre Hände sind überall. Erst nach wenigen Minuten gelingt es den Frauen, seitlich aus der Gruppe auszubrechen und sich in Kampfmontur wenige Meter vor der Polizei in Sicherheit zu bringen. Sie werden von einem Schrei gefolgt. Die Frauen baten um Hilfe und suchten nach ihren Handys.

Diese Aufnahmen aus Italien wecken Erinnerungen an Silvester 2015 in Deutschland, als Hunderte junge Frauen auf der Kölner Domplatte sexuell missbraucht wurden. Damals wurden in der Öffentlichkeit ausländische Täter als Täter identifiziert, im Laufe der Zeit wurde klar, dass auch einige Deutsche darunter waren.

Damals beschäftigte sich die Öffentlichkeit mit der Aufarbeitung der Ereignisse: Es gab über 1200 Anzeigen, 43 Gerichtsverfahren, aber nur 36 Verurteilungen. Die meisten Angeklagten waren Algerier, Marokkaner und Iraker.

Die Vorfälle entfachten eine Debatte über die Grenzen der Willkommenskultur in Deutschland nach der Flüchtlingskrise 2015 und die Arbeit der Polizei, die zu spät interveniert wurde.

Auch die auf dem Video zu sehenden Frauen aus Mailand – zwei 20-jährige Touristen aus Mannheim – werfen der Polizei vor, ihnen zu spät geholfen zu haben. Sie teilten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa mit, das Video zeige nur die letzten Minuten des Angriffs, der über zehn Minuten gedauert habe – ohne Eingreifen der Polizei.

Nun wird klar, dass das Video kein Einzelfall ist. Es gibt mindestens ein Video eines ähnlichen Vorfalls, der sich in derselben Nacht nur wenige Meter entfernt ereignete. Unterdessen gehen die italienischen Behörden laut der Zeitung „La Repubblica“ davon aus, dass in der Silvesternacht in Mailand neun junge Frauen von „italienisch nordafrikanischen Herkunft zweiter Generation“ angegriffen wurden. Neben den beiden Deutschen sind die anderen Opfer junge Italiener.

Bisher war über die sexuellen Übergriffe hauptsächlich in den lokalen Medien berichtet worden, doch jetzt, da das volle Ausmaß der Gewalt rund zehn Tage später ans Licht kommt, werden die Angriffe zu einem Thema von nationaler Relevanz. Innenministerin Luciana Lamorgese bezeichnete die Vorfälle als „äußerst schwerwiegend“ und sagte, die Staatsanwaltschaft habe sofort ermittelt, um die Verantwortlichen zu ermitteln. Es wird davon ausgegangen, dass es sich nicht um koordinierte Angriffe handelt, sondern dass verschiedene Gruppen unabhängig voneinander gehandelt haben.

In der Nacht zum Dienstag zeigten diese Ermittlungen erste Erfolge: Die Polizei durchsuchte zwischen Mailand und Turin 18 Wohnungen von Verdächtigen und beschlagnahmte Beweismittel. Den Männern werden sexuelle Gewalt in einer Gruppe, Raub und schwere Körperverletzung vorgeworfen und sie sind zwischen 21 und 15 Jahre alt, drei sind minderjährig.

„La Repubblica“ berichtet, dass zehn von ihnen „Italiener der zweiten oder dritten Generation“ und acht Ausländer sind. Die Ermittler konnten sie dank der Video- und Videoüberwachung identifizieren. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Angeklagten weiter steigen wird.

Neben der Ermittlungsarbeit entfaltet der Vorfall eine politische Dimension: Die Opposition wirft Giuseppe Sala, dem linken Bürgermeister von Mailand, vor, die Aggression nicht schnell genug ernst genommen zu haben.

Matteo Salvini, Chef der nationalkonservativen Partei Lega, schrieb auf Twitter zu den Anschlägen: „Ernsthaft, schäbig, inakzeptabel. Ich hoffe, dass die Ermittler die Verantwortlichen ausfindig machen. Mai 2022 bringt weniger Kriminelle, weniger Verbrechen, weniger Schiffsanlandungen durch illegale Einwanderer, mehr Sicherheit und Seelenfrieden für die Italiener. „

Im Mailänder Stadtrat forderte seine Partei jedoch aus Sicherheitsgründen den Rücktritt des Stadtrats und will wegen der unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen in der Silvesternacht einen Misstrauensantrag stellen.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare