Freitag, Juni 24, 2022
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Italiens Fischer streiken aus Sorge um ihre Zukunft

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Viele Fischer in Italien weigern sich zu fischen. Weil die Spritpreise um 50 Prozent gestiegen sind, verdienen sie kaum noch und fürchten um ihre Existenz. Importe aus anderen EU-Ländern verschärfen das Problem.

Für die Römer ist das Fischrestaurant „Amelindo“ am Strand von Fiumicino eine feste Größe. Ohne Reservierung ist es am Sonntag nicht möglich, einen Tisch zu bekommen. Der Andrang ist immer groß, denn 80 Prozent des hier servierten Fischs stammt aus heimischem Fang. Barsch, Dorade oder „Gamberi Rossi“ kommen direkt aus dem Tyrrhenischen Meer vor die Tür.

Seit seiner Eröffnung vor über 50 Jahren ist das Familienrestaurant für viele ein Garant für Qualität. Das geht aber nur in Zusammenarbeit mit der Fischereiflotte, die hier in Fiumicino vor Anker liegt.

Massimo Mazzuca, der das Restaurant mit Blick auf die Strandpromenade betreibt, wusste in den vergangenen Tagen oft nicht mehr, was er seinen Gästen bieten sollte. Um nicht zu einem vollständigen Schluss zu kommen, lautete seine Devise: Bieten Sie importierten Fisch an, der tiefgekühlt gekauft wird. „So etwas haben wir noch nie gesehen“, sagt er empört. Denn die Fischer streiken. „Durch den Krieg in der Ukraine ist für uns alles teurer geworden. Strom, Gas, Nudeln und jetzt sogar Fisch.“

Massimo Mazzuca beschreibt kurz eine Situation, mit der Restaurantbetreiber im ganzen Land zu kämpfen haben. Und jetzt verschärft der Fischereistreik aufgrund der gestiegenen Treibstoffpreise die Situation.

Deshalb brodelt die Fischerzunft seit März vor sich hin. Der Preis für Dieselkraftstoff hat sich in den vergangenen Monaten von steuerlich absetzbaren 60 Cent fast verdoppelt. Verschiedene Flotten im ganzen Land hatten wochenlang ihre Arbeit eingestellt.

Besonders spürbar ist die Wut der Fischer in Manfredonia, einem wichtigen Handelsplatz für Fisch an der Adriaküste. In der Kleinstadt mit rund 55.000 Einwohnern lebt rund ein Drittel der Einwohner direkt oder indirekt von den Einnahmen aus der Fischerei. Die Fischereiflotte besteht aus etwa 250 mittelgroßen Booten.

Aus Protest hatten die Fischer zu Beginn ihrer Proteste die Hafeneinfahrt mit ihren Booten für mehrere Tage blockiert. „Nur so kann die italienische Regierung auf diese dramatische Situation aufmerksam gemacht werden“, sagt Luigi di Nuovo, selbst Fischer und Vorsitzender des Fischmarktes in Manfredonia. „Für uns lohnt es sich einfach nicht mehr, zur See zu fahren.“

Folgt man seiner Rechnung, klingt es logisch: Ein Fischkutter braucht rund 1.500 Liter Treibstoff pro Fahrt. Bei einem Preis von 1,20 Euro pro Liter sind das knapp 2000 Euro pro Ausfahrt. Rechnet man einen Fang von 2500 bis 3000 Euro hinzu, bleibt für eine vierköpfige Crew und ihre Familien an Bord wirklich nicht mehr viel übrig. Ganz zu schweigen von den Kosten für die Führung eines Unternehmens.

In Manfredonia geben die Fischer nicht so leicht auf. Zu den Forderungen der Fischer gehören konkrete Erleichterungen bei gestiegenen Dieselpreisen, Hilfe bei wetterbedingten Ausfällen und vor allem eine schnellere Zahlung von Entschädigungszahlungen.

Zurück am Strand von Fiumicino bei Rom: Restaurantbesitzer Massimo Mazzuca fasst die Situation so zusammen: „Wir können unsere Speisekarte nicht jeden Tag neu auspreisen. Deshalb sitzen wir derzeit meist auf unserem eigenen Geld oder sorgen nur dafür, dass wir gut einkaufen .“ Gut einkaufen heißt derzeit wohl vor allem eines: auf importierten Fisch verzichten.



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