Montag, September 26, 2022
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Jahrestag des US-Afghanistan-Abzugs: Ein Debakel für Biden

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Heute vor einem Jahr verließen die letzten US-Soldaten Afghanistan. In der Folge brach der Zustimmungswert von US-Präsident Biden ein. Und hat sich bis heute nicht erholt – nicht nur wegen seiner Afghanistan-Politik.

Sie können Joe Biden für vieles verantwortlich machen. Aber nicht, dass er seine Fahne in den Wind dreht. Der US-Präsident betont immer wieder, dass er seine Entscheidung, den Afghanistan-Einsatz zu beenden, voll und ganz mittrage.

Nach 20 Jahren musste er auf die harte Tour lernen, dass es für US-Truppen nie einen guten Zeitpunkt gab, sich zurückzuziehen. Aber nicht sein Rückzug ging seinen Landsleuten wirklich unter die Haut, sondern wie er sich zurückzog.

„Es war eine komplette Katastrophe von monumentalen Ausmaßen“, sagte der republikanische Kongressabgeordnete Michael McCaul. Eine bedingungslose Kapitulation vor den Taliban hätte er sich nie vorstellen können.

Zum Jubiläum waren sie wieder auf allen Kanälen zu sehen, die Bilder der Verzweifelten am Flughafen Kabul. Sie haben sich in das kollektive Gedächtnis der Amerikaner eingebrannt.

Bidens verpatzter Rückzug aus Afghanistan sei der erstaunlichste Ausdruck von Inkompetenz, den er je gesehen habe, ätzt Bidens Vorgänger Donald Trump bei jeder Gelegenheit, „die größte nationale Demütigung aller Zeiten“.

Doch Trumps Stimmungsmache ist zum Teil heuchlerisch: Ihm selbst konnte der Abzug nicht schnell genug gehen. Den Grundstein legte die Trump-Administration im Februar 2020 mit ihrem Doha-Abkommen: ein Abkommen zwischen den USA und den Taliban ohne Beteiligung der damaligen afghanischen Regierung.

Bidens Außenminister Anthony Blinken betont, es sei die Trump-Administration gewesen, die die radikalen Islamisten salonfähig gemacht habe. Als Biden im Januar 2021 sein Amt antrat, erbte er Trumps Verpflichtung gegenüber den Taliban, bis Mai 2021 draußen zu sein.

Dennoch hätte Biden nach seinem Amtsantritt zu einer anderen Einschätzung der Sicherheitslage kommen und den Plan ändern können. Der damalige Oberbefehlshaber General Kenneth McKenzie räumt im Nachhinein Fehler ein: „Wir hätten viel früher mit der Evakuierung beginnen sollen“, sagte General McKenzie in einem NPR-Radiointerview, „und nicht ganz am Ende!“ Der lang erwartete Untersuchungsbericht der Biden-Administration zu solchen strategischen Fehlern steht noch aus.

Regierungsmitglieder, wie hier der Sprecher des Außenministeriums, Ned Price, versuchen vorerst, dem Schlussstrich vor einem Jahr eine positive Wendung zu geben: „Dadurch können wir uns jetzt auf die neuen globalen Herausforderungen konzentrieren“, argumentiert Price „vor allem auf die russische Aggression in der Ukraine und die Spannungen mit China“.

Auch die Hoffnung der Republikaner, bei den Zwischenwahlen im November mit dem Thema Afghanistan-Katastrophe punkten zu können, scheint nicht aufzugehen. In jüngsten Umfragen nennen die Amerikaner die wichtigsten Wahlkampfthemen: Wirtschaft, Kriminalität, Umwelt und Einwanderung. Terrorismus und Krieg finden sich an abgelegenen Orten wieder.



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Abgel T
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Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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