Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Johannesburg wählt zum ersten Mal eine Frau zur Bürgermeisterin

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Mit Mpho Phalatse ist erstmals eine Frau zur Bürgermeisterin von Johannesburg gewählt worden. Viele sehen es als politischen Aufbruch und hoffen auf ein besseres Leben in Südafrikas Metropole.

Die Goldstadt, wie Johannesburg aufgrund ihrer Geschichte genannt wird, hat erstmals einen Bürgermeister. Mpho Phalatse wurde am Montagabend ins Amt gewählt. Es war eine Überraschung – für sie selbst, für ihre Partei und auch für ihre Gegner.

Phalatses Reaktion klang jedoch geerdet. Es bedurfte einer Mehrheitsentscheidung, um in diese Position zu gelangen, sagte sie. „Ich hätte nicht gedacht, dass das passieren würde, aber ich kann Gott nur loben. Er war wirklich sehr zuverlässig und hat es geschafft. Ich bin sehr aufgeregt“, sagte Phalatse.

„Ich denke, dass dies ein Zeichen für eine neue Ära für die Stadt Johannesburg ist, aber auch für eine neue Ära in der Politik“, sagte der gewählte Bürgermeister. „Wir hatten keine Koalitionsverträge. Das zeigt, dass unsere Demokratie gereift ist und wir uns als Land und sicherlich auch als Stadt in eine positive Richtung bewegen.“

Die Ergebnisse der Kommunalwahlen sind für diese Aussage von grundlegender Bedeutung. Phalatses Partei, die Democratic Alliance DA, ist die landesweit größte Oppositionspartei. Anfang November erhielt die DA in Johannesburg jedoch nur rund 26,5 Prozent der Stimmen. Der African National Congress ANC war mit 33,6 Prozent die stärkste Fraktion im Parlament. Unerwarteterweise wurde Phalatse auch von den linkspopulistischen Economic Freedom Fighters EFF unterstützt.

„Wir machen uns keine Illusionen über die Stabilität dieser Regierung in ihrer jetzigen Form. Ich denke, es ist jedem klar, dass die EFF mehr gegen den ANC als für die DA gestimmt hat“, sagte der Vorsitzende der DA, John Steenhuisen. A. „Sie haben uns nicht gebeten, Zugeständnisse zu machen, und sie werden auch keine bekommen.“

Das bedeutet, dass diese Regierungen nur für kurze Zeit bestehen konnten. „Ob fünf Jahre oder fünf Tage dauert, ich kann Ihnen versichern, dass die Staatsanwaltschaft ihre Amtszeit ganz im Dienste der Bewohner dieser Metropole widmen wird“, sagte Steenhuisen.

Anfang des Monats feierte Phalatse ihren 44. Geburtstag. Das Amt des Bürgermeisters ist ohne Zweifel ihr bisher größtes Projekt, aber nicht ihr erstes. Von 2016 bis 2019 war sie Mitglied eines Bürgermeisterausschusses für Gesundheit und soziale Entwicklung. Dieser Bereich liegt ihr schon immer am Herzen, da sie selbst Ärztin ist. Sie behandelte auch Opfer sexueller Übergriffe. Gewalt gegen Frauen ist in Südafrika ein massives Problem. Deshalb fördert sie nach ihrer Wahl auch die Frauen insgesamt.

„Ich bin sehr stolz, die erste weibliche Bürgermeisterin von Johannesburg zu sein. Es ist eine große Ehre und ich nehme sie nicht als selbstverständlich hin“, sagte Phalatse. Johannesburg ist das wirtschaftliche Zentrum Südafrikas und in vielerlei Hinsicht auch des Kontinents. Als Frau mit einer so großen Aufgabe betraut zu werden, bedeutet für viele Frauen da draußen, dass sie es können und dass man ihnen auch vertrauen kann. „Ihr seid nicht die anderen, ihr seid gut genug. Ich hoffe, dass ich ein Wegbereiter für viele weitere Frauen sein werde, die nach mir kommen und für alle möglichen Aufgaben ihre Hüte in den Ring werfen“, sagte Phalatse.

Sie war mehrere Jahre im Bereich der Grundversorgung tätig, zeitweise sogar selbstständig. Nicht zuletzt weil sie oft in Armensiedlungen unterwegs war, ist es ihr wichtig, dass die Strom- und Wasserversorgung ausgebaut und die Straßen verbessert werden. Das habe sie im Wahlkampf immer wieder betont.

Die Aufgabe von Phalatse könnte darin bestehen, eine komplexe Minderheitsregierung zu führen – denn noch gibt es keinen Koalitionspartner. Partyfreunde bestätigen, dass sie das Zeug dazu hat.

Neben ihrem Beruf als Politikerin ist Phalatse auch Familienvater. Laut ihrer Partei ist sie alleinerziehend und hat drei Kinder: fünf, elf und 18 Jahre alt. In ihrer Freizeit wandert sie gerne in der freien Natur und schöpft Kraft aus Meditation in ruhiger Umgebung.

Auch in der Metropolgemeinde Ekuhurleni wurde eine Frau ins Bürgermeisteramt gewählt: Tania Campbell ist ebenfalls Mitglied der DA. Die Probleme sind bei beiden Frauen ähnlich. Beide Städte erleben einen ständigen Zuzug. Aber es mangelt an Wohnraum und Arbeit, die Infrastruktur muss auf Vordermann gebracht werden, die Kriminalitätsrate ist hoch und es gibt immer wieder Korruptionsskandale.

Insbesondere Johannesburg befindet sich in einem kritischen Zustand. Die Strom- und Wasserversorgung ist ebenso marode wie das Straßennetz. Die Kriminalitätsstatistik ist ernüchternd: Alle drei Monate steigt die Zahl der Straftaten in der Innenstadt um einen zweistelligen Prozentsatz. Nach wie vor erwirtschaftet die Stadt jedoch 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Südafrikas.

Viele Menschen wünschen sich Stabilität nach einem turbulenten Jahr in der Kommunalpolitik. Der frühere Bürgermeister Geoff Makhubo (ANC) starb Anfang Juli an den Folgen einer COVID19-Infektion. Sein Nachfolger Jolidee Matongo (ANC) kam nur einen Monat nach seiner Wahl bei einem Autounfall ums Leben. Dann übernahm Mpho Moerane (ANC) das Amt, das nun durch den DA-Kandidaten abgelöst wurde.

Das Stadtbild ist heute völlig normal, es gibt weder Freudentänze noch Protestmärsche. Die Menschen in Johannesburg wollen in den sozialen Netzwerken eine intakte, sichere und friedliche Stadt. Phalatse ist eine echte Chance, ist zu lesen. Viele Menschen äußern die Hoffnung, dass sich mit ihr als Bürgermeisterin der Alltag verbessert.



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