Donnerstag, Dezember 8, 2022
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Julias Kosmos Chemnitz: „Ich werde keine Angst haben“

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Viele junge Ostdeutsche bleiben bewusst zu Hause, um etwas zum Besseren zu verändern. Als 26-jährige Chemnitzerin möchte sie die Menschen ihrer Stadt zusammenbringen.

Drehen Sie die Zigarette, starten Sie den Laptop, besprechen Sie die letzten Details mit dem Team. Chemnitz, Anfang Juni. Julia Voigt hat noch zehn Tage bis zum Start des Kosmos Festivals. Der 26-Jährige ist für das ambitionierte Event verantwortlich. Ihr Ziel: die Gesellschaft der geteilten Stadt zusammenzubringen, von den Studenten bis zu den alten Bewohnern von Karl Marx. Auf Plätzen und Straßen, vor Logen und auf Podesten. „Wir versuchen, für jeden etwas zu schaffen“, sagt Julia. „Vielleicht ist der Hauptdarsteller Marteria nichts für manche, aber vielleicht freut man sich, wenn die längste Bratwurst der Welt gebraten wird.“ Das bestätigte auch Skisprung-Legende Jens Weißflog.

Konzentriert geht Julia mit ihrem Team die To-Do-Listen durch: Müssen die Stände Plastikbecher anbieten oder dürfen es Glasflaschen sein? Sollten Bandtexte von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt werden, um Gehörlose nicht auszugrenzen? Der Kosmos ist Julias Herz, es muss ein Erfolg werden.

Warum es das Gegenteil sein soll, was seine Heimatstadt im Sommer 2018 erlebt hat: Nachdem ein Asylbewerber einen Chemnitzer niedergestochen hatte, kam es zu Ausschreitungen und rechtsextremen Demonstrationen. Tausende Bürger schlossen sich an. Nicht zuletzt deshalb erlangte seine Geliebte Chemnitz bundesweit einen zweifelhaften Ruf und ist seither ein Synonym für „orientalisches Braun“.

Julia sagt: „Ich denke, es hat nur die Netzwerke und Strukturen gezeigt, die hier existieren.“ In und um Chemnitz gibt es Freiräume, in denen sich rechtsextreme Netzwerke professionalisiert haben. Der Kulturmanager ist überzeugt, dass es kein Zufall ist, dass sich der NSU hier etabliert hat und Unterstützer hat. Sie selbst beschäftigt sich seit ihrer Jugend mit dem Thema.

Wenn er über seine Stadt spricht, ist er von den Möglichkeiten begeistert. „Hier ist nicht alles wie in Leipzig oder Berlin, man hat viel Raum, um neue Ideen einzubringen, sie zu entwickeln. Das ist das Reizvolle an der Stadt, dass man unter all dem Grau viel Aufmerksamkeit bekommt ein bisschen Farbe.“

Zehn Tage später: Kosmos Festival beginnt – mit Absagen. Nicht einmal Marteria kommt. Krankheitsbedingt. Julia hat nicht viel Zeit für Frustration. Der Rest muss funktionieren. Immerhin leitet sie mit gerade einmal 26 Jahren die 50.000-Besucher-Veranstaltung. Als in den 1990er und 1990er Jahren viele junge Menschen die Stadt scharenweise verließen, schrumpfte Julias Generation. Eine Chance für junge Menschen, die jetzt bleiben, um schnell interessante Jobs zu finden. „Es gab nur eine Option: Mach es jetzt oder lass es bleiben“, erinnert sich Julia an das Angebot als Festivalleiterin.

Am Abend ist Julia erleichtert und glücklich: Auch ohne Marteria ist sie wie erhofft satt geworden. „Ich glaube, heute haben wir hier ganz unterschiedliche Menschen erreicht“, sagt er zufrieden. Was wird Julia in zehn Jahren machen? Sie ist begeistert davon. „Ich bin definitiv offen für das, was kommt. Aber ich werde definitiv hier sein. In dieser Stadt. Wenn du also in zehn Jahren wiederkommst, wirst du mich hier finden.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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