Donnerstag, August 11, 2022
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Kann die EZB so ihr Italien-Problem lösen?

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Die Europäische Zentralbank hat offenbar Italien und andere südliche Euro-Staaten mit Anleihekäufen in Milliardenhöhe unterstützt. Aber reicht das, um die Märkte zu beruhigen?

Für viele Marktbeobachter war der jüngste Rückgang der Risikoprämien italienischer Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen ein Rätsel. Der sogenannte Spread hatte sich in den vergangenen Wochen zeitweise von knapp 2,5 Prozentpunkten auf rund 2,1 Prozentpunkte reduziert.

Inzwischen scheint klar, dass dafür in erster Linie die Europäische Zentralbank (EZB) verantwortlich war. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg haben die Währungshüter um Christine Lagarde offenbar Anleihekäufe in Milliardenhöhe getätigt, um Italien, Griechenland, Spanien und Portugal zu stützen.

Insgesamt beliefen sich die Nettokäufe von Anleihen aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland dann auf 17,3 Milliarden Euro. Allein für den Kauf italienischer Anleihen soll die EZB 9,8 Milliarden Euro ausgegeben haben.

„Gut möglich, dass der Spread für die EZB zu hoch geworden ist, sodass sie eingreifen musste. Sie könnte auch dem Markt signalisieren, dass sie mitspielt und bereit ist zu handeln“, kommentiert die Commerzbank Devisen Analyst Antje Praefcke auf Anfrage von Theaktuellenews.com.

Die EZB dürfte das Instrument eingesetzt haben, das die Zentralbank als erste Reaktion auf Marktturbulenzen vorgesehen hatte: Das Pandemieprogramm, im Zentralbankerjargon kurz PEPP, ist die erste Verteidigungslinie der EZB gegen ein Auseinanderdriften der Zinsen im Euro Bereich.

Ein plötzlicher Anstieg der Spreads, also der Risikoaufschläge, italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen hatte EZB-Chefin Lagarde im Juni zu einer Dringlichkeitssitzung gezwungen. Sie hatte ein neues Kriseninstrument angekündigt, das der Zersplitterung im Euroraum entgegenwirken soll.

Vor zwei Wochen wurde dieses dann auf der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung offiziell vorgestellt: Es heißt Transmission Protection Instrument – ​​kurz TPI.

Dieses Instrument soll verhindern, dass die Zinsen für Staatsanleihen zwischen den einzelnen Ländern des Euroraums zu stark auseinanderdriften. TPI ermöglicht gezielte und vor allem unbegrenzte Anleihekäufe einzelner hochverschuldeter Länder und reduziert so deren Finanzierungskosten.

„Der TPI stellt eine Möglichkeit dar, den Markt zu beruhigen, damit auch hochverschuldete Länder höhere Leitzinsen verkraften können. Im EZB-Rat dominieren jedoch weiterhin Tauben. Die Vertreter der hochverschuldeten Länder dürften – TPI hin oder her – auch in Zukunft auf niedrige Leitzinsen zu drängen“, erklärt Commerzbank-Analyst Praefcke.

Ob ein Land das Kriseninstrument nutzen kann, entscheidet der EZB-Rat. Er nannte dafür verschiedene Bedingungen, die sich im Wesentlichen auf eine solide Haushaltspolitik und eine nachhaltige makroökonomische Politik der Länder beziehen.

Allerdings sind diese recht vage und weit gefasst, wie Ökonomen beklagen. „Die EZB hat die Messlatte für die Anwendung des TPI sehr niedrig gelegt“, sagt Devisenexperte Praefcke.

Gut möglich also, dass TPI schon bald seinen ersten Auftritt hat. Schließlich steht Italien weiterhin im Fokus der Anleiheinvestoren. Nach dem Rücktritt von Mario Draghi als Ministerpräsident befindet sich das Land erneut mitten in einer politischen Krise. Neuwahlen sind für den 25. September geplant. Eine nachhaltige Beruhigung an den Rentenmärkten ist vorab nicht zu erwarten.

Auch über den 25. September hinaus dürfte es mit Blick auf Italien spannend bleiben. Die Experten der Helaba sind skeptisch, dass es unwahrscheinlich erscheint, dass es wieder zu einer parteiübergreifenden Einigung kommt. Allerdings spiegelt der Rentenmarkt noch keine Staatsschuldenkrise 2.0 oder gar einen „Italexit“, also den Austritt Italiens aus dem europäischen Währungsraum, wider.

Fakt ist aber auch, dass der Italien-Deutschland-Spread auch nach dem Eingreifen der EZB immer noch auf einem erhöhten Niveau von rund 220 Basispunkten liegt. Zum Vergleich: Im Sommer vor einem Jahr pendelte er sich noch zwischen 100 und 120 Basispunkten ein.

„Angesichts der Unsicherheit über die Kriterien für den TPI könnte der Markt die Einsatzbereitschaft der EZB testen“, sagt Jari Stehn, Europaökonom bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Dies gilt insbesondere in Bezug auf Italien.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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