Samstag, Dezember 10, 2022
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Karte der Lage bei Cherson Ukrainer rücken am Dnipro vor

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In der Südukraine droht Putins Invasionsarmee das nächste militärische Debakel: Bei Cherson wackeln die russischen Linien, die Ukrainer bauen die jüngsten Frontdurchbrüche aus. Details aus Kiew erlauben eine neue Perspektive auf den Frontverlauf.

An der Front bei Cherson im Südwesten der Ukraine ist das russische Militär massiv unter Druck geraten: Ukrainische Einheiten rücken auf breiter Front vor, die russischen Streitkräfte müssen sich auf die Stadt Cherson zurückziehen.

Nach dem Fall von Isjum, Kupjansk und Lyman im Osten des Landes sehen sich die Kreml-Truppen nun mit einer immer schwierigeren Lage am Westufer des Dnjepr konfrontiert. In der Region Cherson kämpfen russische Einheiten seit Wochen mit dem Rücken zum Dnipro. Die russischen Versorgungswege über den mächtigen Strom sind weitgehend abgeschnitten. Die Chancen auf schnelle Verstärkung sind gering.

„Die ukrainische Armee schreitet bei der aktuellen Verteidigungsoperation im Süden unseres Landes ziemlich schnell und kraftvoll voran“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Rede am Abend des 4. Oktober. Abweichend von der bisherigen Geheimhaltungspraxis zählte er eine ganze Reihe auf der kürzlich befreiten Siedlungen, darunter strategisch wichtige Städte wie Davydiv Brid am Fluss Inhulets, die beiden Nachbardörfer Mala und Welyka Oleksandrivka sowie die Stadt Solota Balka am Westufer des Dnipro.

Damit bestätigt sich offiziell, was westliche Beobachter seit Tagen vermuten: Nach wochenlanger Vorbereitung ist es den Ukrainern offenbar gelungen, die russischen Frontlinien in der Region Cherson zu durchbrechen und die russischen Einheiten in die Flucht zu schlagen. Damit gewinnt die Ende August breit angekündigte Cherson-Offensive der Ukrainer an Fahrt. Russland muss sich auf eine weitere Einkreisungsschlacht vorbereiten.

Militärisch erscheint die Lage für die russischen Besatzer bei Cherson fast ausweglos: Schon ein Blick auf die Karte zeigt, wie bedrohlich sich die Lage im Raum Cherson für Putins Soldaten entwickelt. Ihre Versorgungs- und Rückzugsrouten über den Fluss Dnipro sind blockiert. Starke russische Einheiten, die im August zur Abwehr der ukrainischen Cherson-Offensive in die Region entsandt worden waren, drängen in das Cherson-Gebiet. Dank westlicher Militärtechnik können die Ukrainer die wenigen verbliebenen Fährverbindungen über den Dnipro ins Visier nehmen.

An der Frontlinie westlich, nördlich und nordöstlich von Cherson konnten die Russen dem Vordringen der Ukrainer bisher weitgehend standhalten. Übereinstimmenden Berichten zufolge haben die Kämpfe der vergangenen Wochen für beide Seiten zu Verlusten geführt. Ein ukrainischer Vorsprung am Fluss Inhulez südlich von Davydiv Brid wurde vorübergehend zurückgedrängt. Auch auf der Autobahn von Cherson nach Mykolajiw kam die Offensive kaum voran.

Die plötzlichen ukrainischen Gewinne bei Davydiv Brid und an den Ufern des Dnipro deuten jedoch auf einen großen Zusammenbruch der russischen Verteidigung hin. Innerhalb weniger Tage wurden Dutzende Dörfer in der Region befreit. Die Front wirkt plötzlich sehr mobil. Tatsächlich begünstigen die örtlichen Gegebenheiten schnelle Bewegungen der Angreifer: Die Landschaft am Westufer des Dnjepr ist weitgehend flach.

In der von Ackerland geprägten Region gibt es nur wenige natürliche Hindernisse und kaum größere Städte, in denen sich die Russen etablieren könnten. Hinzu kommen die ständigen Bedrohungen in der Flanke: Auf dem flachen Land können die motorisierten Einheiten der Ukrainer die russischen Stellungen schnell umgehen.

Um die Gefahr einer Einkreisung zu vermeiden, zogen sich die russischen Streitkräfte in Richtung der Stadt Cherson zurück. Möglicherweise versuchen die Russen, die ukrainischen Vorstöße am Unterlauf des Inhulez aufzuhalten. Von Norden kommend zieht sich der stark gewundene Flusslauf wie eine natürliche Barriere quer durch das Kampfgebiet bis zur Mündung in den Dnipro. Die Stadt Cherson selbst und der Flughafen am westlichen Stadtrand scheinen fest in russischer Hand zu bleiben.

Noch ist unklar, wie lange die russischen Besatzungstruppen in der Stadt nahe der Dnjepr-Mündung noch durchhalten können. Die Versorgung aus der Luft scheint schwierig. Weitreichendere Verstärkungen sind nicht in Aussicht: Der mächtige Fluss Dnipro kann derzeit nur mit Pontonfähren überquert werden. Der Fluss hindert die russischen Soldaten auch daran, sich weiter ins sichere Hinterland zurückzuziehen. Ein bedeutender Teil der einfallenden russischen Armee ist bei Cherson gefangen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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