Samstag, Oktober 1, 2022
StartNACHRICHTENKarte zur Situation in der Ukraine Dammangriff bedroht Cherson-Front

Karte zur Situation in der Ukraine Dammangriff bedroht Cherson-Front

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Russland beschießt zivile Anlagen im ukrainischen Hinterland. Ein massiver Luftangriff trifft den Damm bei Kryvyj Rih, das Sperrfeuer wird beschädigt. Die aufgestauten Wassermassen überschwemmen das Tal des Inhulez – und bringen auch russische Truppen in Schwierigkeiten.

Der russische Angriff mit Marschflugkörpern auf den Damm bei Kryvyi Rih könnte sich als katastrophaler Fehlschlag erweisen. Nach ukrainischen Angaben beschädigte der Einschlag der russischen Granaten in der Nacht zum Donnerstag Teile der Staumauer des Karatschuniwka-Stausees. Die austretenden Wassermassen führten zu Überschwemmungen unterhalb der Staustufe im Tal des Inhulez. Die Flutwelle ließ den Pegel des Inhulez-Flusses stark ansteigen.

Der Stausee liegt in unmittelbarer Nähe der 600.000 Einwohner zählenden Regionalmetropole Krywyj Rih und dient unter anderem der Trinkwasserversorgung. Der Damm, der das Wasser des Dnipro-Nebenflusses Inhulets aufstaut, ist eindeutig Teil der zivilen Infrastruktur. Auch die Straße, die über den Damm führt, hat offensichtlich keine überregionale Bedeutung. Ein Eisenbahnviadukt in der Nähe wurde bei dem Angriff offenbar nicht beschädigt. Ein direkter militärischer Nutzen des Luftangriffs ist nicht erkennbar. Wollten die Strategen des Kreml bewusst die Versorgung der Stadt Krywyj Rih zerstören?

Die ukrainische Seite wertet den massiven Luftangriff als Terroranschlag gegen die Zivilbevölkerung. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der aus Kryvyi Rih stammt, sagte, russische Streitkräfte hätten die hydrotechnische Infrastruktur angegriffen, um seine Heimatstadt zu „überfluten“. In den Stunden nach den Explosionen am Staudamm bestand im Stadtzentrum, insbesondere in den an den Inhulez angrenzenden Wohngebieten, Überschwemmungsgefahr.

Ein zufälliger Treffer scheint unmöglich: Der Damm wurde von einer ganzen Salve superschwerer Projektile getroffen. Der Gouverneur der Region Dnipropetrowsk, Valentin Resnichenko, sprach von einem Angriff mit insgesamt sieben bis acht Marschflugkörpern, die russische Bomber auf die Stadt abgefeuert hätten. Neben dem Staudamm wurden auch andere Infrastruktureinrichtungen beschädigt.

Die ersten Bilder von Kryvyi Rih zeigen Anzeichen massiver Explosionen, aber keine tiefen Krater. Der tatsächlich angerichtete Schaden scheint begrenzt zu sein. Unterhalb des Damms seien in dieser Nacht 112 Häuser überflutet worden, sagte der Chef der örtlichen Militärverwaltung, Olexander Wilkul, am Morgen nach dem Angriff. Bisher gab es keine Berichte über Verletzte oder gar Todesfälle.

Die Arbeiten zur Reparatur des Damms begannen in der Nacht. Der Damm selbst hielt dem russischen Angriff stand. Rettungskräfte konnten das Sperrfeuer vorübergehend reparieren. Die Wasserstände des Inhulez waren Berichten zufolge bereits rückläufig. Die Flutwelle könnte jedoch weiter flussabwärts Folgen haben: Der Inhulez fließt von Kryvyi Rih nach Süden in Richtung des Kampfgebiets. Der stark gewundene Flusslauf bildet in der Region Cherson über weite Strecken die Frontlinie zwischen ukrainischen und russischen Truppen.

Die Wassermassen, die aus dem Stausee bei Kryvyi Rih ausgetreten sind, könnten die Überquerung der Inhulets erschweren. Beide Seiten nutzen auch Pontonbrücken auf dem Inhulez, die größeren Flutwellen kaum standhalten können. Für die ukrainische Seite wäre dies besonders problematisch in der Stadt Davydiv Brid, wo die Nachschubrouten für einen der Hauptstöße der Cherson-Offensive über die Inhulets verlaufen.

Doch auch ein großes Hochwasser am Inhulez könnte den russischen Truppen gefährlich werden. Die Inhulets teilen die Front bei Cherson kurz vor dem Zusammenfluss mit dem Dnipro in zwei Abschnitte. Bis vor wenigen Wochen stand die Brücke bei Darjiwka den Russen noch für große Transportverbindungen zur Verfügung – bis ukrainische Präzisionsangriffe sie zerstörten. Seitdem überquert eine russische Pontonbrücke den Inhulez. Die Flutwelle im Inhulez-Tal bei Cherson gefährdet damit auch russische Einheiten.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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