Samstag, November 26, 2022
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Katastrophenschutz: Das Amt rechnet im Winter mit Stromausfällen

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Deutschlands oberster Zivilschutzbeauftragter prognostiziert, dass es im Winter zu Stromausfällen kommen kann: gezielt, regional, zeitlich begrenzt. Was sind Brownouts.

Die angespannte Lage in der Energieversorgung wird nach Einschätzung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in den kommenden Monaten zu Stromausfällen in Deutschland führen, die das bisherige Niveau übersteigen werden. „Wir müssen davon ausgehen, dass es im Winter zu Blackouts kommt“, sagte BBK-Chef Ralph Tiesler der „Welt am Sonntag“. „Damit meine ich eine regionale und vorübergehende Unterbrechung der Energieversorgung.“

Diese werden technisch auch als Brownouts bezeichnet. Mehrere Energieexperten hatten solche Abschaltungen in dieser Woche auf ZDFheute-Anfrage als möglich, aber eher unwahrscheinlich eingeschätzt.

Grund für die Stromausfälle wäre laut Tiesler nicht nur die Energieknappheit, sondern auch die gezielte und vorübergehende Unterbrechung der Netze durch die Betreiber, um die Netze zu schützen und die Gesamtversorgung nicht zu gefährden. „Das Risiko dafür steigt von Januar bis Februar, daher gehen wir davon aus, dass es danach noch einige Zeit zu Stromausfällen kommen wird“, sagte Tiesler.

Der BBK-Präsident kritisierte in diesem Zusammenhang, dass staatliche Stellen nicht immer ausreichend auf Krisensituationen wie Stromausfälle vorbereitet seien. Einige Kommunen und Behörden seien „wirklich vorbildlich“, planen genau und stellen die Energieversorgung über Notstromaggregate vor Ort sicher. „Anderen geht es viel schlechter, sie sind nicht ausreichend vorbereitet. Das ist sehr unterschiedlich“, sagte der Leiter der Agentur.

Wie funktioniert das Stromnetz? Und welche kritischen Situationen gab es? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Oft im Energiekrisen-Szenario einer Stromausfälle Rede – wird als großflächiger Zusammenbruch des europäischen Übertragungsnetzes definiert. wie Stromausfälle – oder kontrollierter Lastabwurf – bezeichnet stattdessen eine gezielte Sperrung einzelner Regionen und Gebiete, um Strom zu sparen und damit das Netz stabil zu halten.

Dies hat es in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben und gilt als letzter Ausweg der Stromnetzbetreiber, wenn der Strombedarf nicht mehr vollständig gedeckt werden kann. Durch die angespannte Lage auf dem Strommarkt, Probleme mit Kernkraftwerken in Frankreich und die unsichere Versorgung mit Erdgas sind solche Ausfälle etwas wahrscheinlicher geworden.

Stabilität ist der entscheidende Faktor: Die Frequenz im Netz muss stabil bei 50 Hertz liegen. Sinkt oder steigt diese Frequenz zu stark, können angeschlossene elektrische Geräte oder sogar Kraftwerke Schaden nehmen. Und da das Netz Strom nicht speichern kann, muss genau so viel Strom eingespeist werden, wie gerade verbraucht wird.

Energieversorgungsexperte Professor Harald Schwarz von der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg erklärt, wie sensibel das Stromnetz auf kleine Schwankungen der Hertz-Frequenz reagiert: Bereits ein Absinken auf 49,8 Hertz würde alle verfügbaren Reserven aktivieren und alles andere würde Verschwendung verhindern. „Wenn wir auf 49 Hertz heruntergehen, werden die ersten Verbraucher abgeschaltet und landesweit verdunkelt“, sagt Schwarz.

Zudem hat es seit dem Zweiten Weltkrieg keinen Blackout im Sinne eines weltweiten Zusammenbruchs des europäischen Übertragungsnetzes gegeben. Im Januar 2021 sei jedoch eine kritische Situation eingetreten, erklärt Schwarz. Da zu viel Strom über den Balkan nach Nordwesteuropa transportiert werden musste, geriet das System in enorme Schwierigkeiten: Laut Netzbetreiber Amprion sank die Netzfrequenz auf 49,74 Hertz.

In diesem Winter könnte es laut Schwarz noch einmal kritisch werden: Bei einer längeren „Dunkelflaute“, also wenn wenig Strom aus Wind- oder Sonnenenergie produziert wird, muss viel Strom aus dem Ausland zugekauft werden. Es besteht die Möglichkeit, dass es erneut zu einer regionalen Überlastung der Netze kommt, was eine fatale Kettenreaktion auslösen könnte. „Und wenn das passiert, werden wir sehen, ob der Frequenzabfall so stark ist, dass er unter 49 Hertz fällt“, sagt Schwarz.

Auch Energiespezialist Niko Paech von der Universität Siegen hält das zwar für möglich, aber „unwahrscheinlich, es sei denn, es gibt einen besonders strengen Winter“. Die Warnung des BBK wird nun deutlicher – mit Tieslers Hinweis, dass von einem regionalen und vorübergehenden Stromausfall auszugehen sei.

Die Übertragungsnetzbetreiber sind für die Stabilität verantwortlich. In Deutschland gibt es vier große: 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW. Laut Laura Witzenhausen, Elektroingenieurin und Systemmanagement-Beraterin bei Amprion, haben Netzbetreiber verschiedene Sicherheitsmechanismen eingerichtet, um Schwankungen im Stromverbrauch auszugleichen:

Ebenfalls enthalten sind Prognosen für Windstärke, Sonnenstunden, die Kapazität von Kraftwerken im In- und Ausland oder auch planbare Verbrauchssteigerungen, beispielsweise durch niedrigere Temperaturen und damit höheren Energiebedarf für die Heizung.

Stellt sich bei dieser Planung heraus, dass zu wenig Strom zur Verfügung steht, sollte mit Reservekraftwerken gegengesteuert werden – das sind Kraftwerke, die schnell hochgefahren werden können, um die notwendige Energie zu erzeugen. Typischerweise sind dies Gas- oder Wasserkraftwerke, aber auch Batteriespeicher können eine Rolle spielen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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