Donnerstag, Januar 20, 2022
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Keine Verwendung, nur Entsorgung Bundeswehrraketenschweiß und Schimmel

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Die Bundeswehr verfügt offenbar über mehrere tausend unbrauchbare Raketen. Einem Bericht zufolge stoßen sie hochexplosive Substanzen aus und beginnen manchmal zu schimmeln. Darunter soll auch das Personal leiden, Anfragen hätten aber nicht dazu führen können, „dass der Entsorgungsprozess beschleunigt wurde“.

In den Beständen der Bundeswehr setzen noch mehr alte Raketen hochexplosives Material frei als bisher angenommen. In einem vertraulichen Bericht des Verteidigungsministeriums von Anfang November hieß es, bei Schleppflugkörpern des Typs DM59 seien „Nitroglycerinausscheidungen“ festgestellt worden, berichtet der „Spiegel“. Sie wurden für die Verwendung gesperrt.

Demnach verfügt die Bundeswehr über mehr als 4000 dieser Flugkörper. Sobald die technischen Untersuchungen abgeschlossen seien, werde die Entsorgung „unverzüglich“ eingeleitet, zitiert das Nachrichtenmagazin aus dem Schreiben.

In einem Lager im baden-württembergischen Wermutshausen lagern zudem rund 2.500 „Strela“-Raketen in Holzkisten. Die Munition würde „mit teilweiser Schimmelbildung oxidieren / korrodieren, was zu Schäden an den Munitionslagern sowie zu Unannehmlichkeiten für das Personal führen könnte“. Die Entsorgung der Raketen sei „ins Stocken geraten“, und selbst Anfragen hätten „den Entsorgungsprozess nicht beschleunigen können“.

Schließlich gibt es dem Bericht zufolge 139 Raketen des Typs „Lockvogel“. Diese seien zwar „grundsätzlich den gleichen Alterungsproblemen unterworfen“ wie die LAR-Raketen, Anomalien seien aber noch nicht festgestellt worden.

Der „Spiegel“ hatte bereits vor einer Woche über die LAR-110-Millimeter-Raketen berichtet. Diese sollen auch den hochexplosiven Stoff Nitroglycerin absondern. Alle betroffenen Munitionslager seien bis auf weiteres geschlossen und „jeder Umgang mit dieser Munition ist untersagt“, zitierte das Magazin damals aus einem vertraulichen Sachstandsbericht des Verteidigungsministeriums vom September.

Demnach sind es etwa 32.641 Raketen, die bereits über 30 Jahre alt sind und ausgemustert werden sollten. Das Problem ist seit Frühjahr 2019 bekannt und immer noch nicht gelöst.

Nach dem ersten „Spiegel“-Bericht veröffentlichte das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr eine Stellungnahme, wonach es „aufgrund des Alters“ der Raketen zu „nitroglyzerinhaltigen Ausscheidungen aus den Raketenmotoren“ kommen könne . Eine Selbstentzündung ist jedoch ausgeschlossen. Auch für die Lagerung der Raketen gebe es strenge Sicherheitsauflagen – daher seien „Gefährdungen für die benachbarte Bevölkerung und das Personal der Bundeswehr beim Umgang mit der Munition ausgeschlossen, wenn diese Auflagen eingehalten werden“.

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