Samstag, September 24, 2022
StartNACHRICHTENKenias neuer Präsident: Armut bekämpfen, Reichtum verschweigen

Kenias neuer Präsident: Armut bekämpfen, Reichtum verschweigen

- Anzeige -


Kenias neuer Präsident Ruto tritt sein Amt mit großen Erwartungen an – er soll die Armut im Land verringern. Er selbst tritt als Mann aus einfachen Verhältnissen auf, aber das ist nur ein Teil seiner Geschichte.

Eine Frage mag Kenias künftiger Präsident William Ruto überhaupt nicht: die Frage, wie er zu seinem Reichtum gekommen ist. Vor allem nicht, wenn sie von einem Interviewer im kenianischen Fernsehen gefragt wird.

Der Journalist Ken Mijungu konfrontierte den damaligen Vizepräsidenten einige Zeit vor der Wahl mit den Ergebnissen einer Meinungsumfrage. Danach wurde er als der korrupteste Politiker des Landes eingestuft. Eine Aussage, die an Ruto abprallt. Genauso wie alle anderen Fragen zu seinem Vermögen, das ihn zu einem der reichsten Männer Kenias machen soll.

Stattdessen reagiert er – wie so oft – nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. „Ist Ihre eigentliche Frage nicht: Wie können Sie es wagen, für das Präsidentenamt zu kandidieren, wenn Sie nur der Sohn eines bescheidenen Bauern sind?“ entgegnete er.

Diese Aufstiegsgeschichte wiederholte Ruto im Wahlkampf immer wieder: Wie er es schaffte, sich trotz bescheidener Verhältnisse an die Spitze zu arbeiten. Er verkaufte Hühner auf der Straße, um sein Studium zu finanzieren, und trug Second-Hand-Kleidung.

Die Botschaft an seine Wähler: Wer mich wählt, kann auch so eine Karriere machen.

Ein weiteres Thema, dem Ruto gerne aus dem Weg geht: seine Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Nach den Wahlen von 2007 war Kenia wochenlang von Gewalt und Chaos geprägt. Ruto wurde vorgeworfen, an Morden und Vertreibungen mitverantwortlich zu sein.

Doch statt im Gerichtssaal verteidigte sich der Angeklagte vor allem in der Kirche. „Ich bitte euch, für mich zu beten“, rief er in dieser Zeit in einer von vielen Messen seinen Anhängern zu. Gottes Wille soll geschehen.

Das Verfahren platzte dann jedoch durch weltliche Eingriffe. Zeugen der Anklage verweigerten die Aussage. Viele von ihnen sollen bedroht oder bestochen worden sein.

Kirche und Politik gehören für Ruto seit jeher zusammen. Als Junge war er Ministrant. Er hat sogar während seiner Zeit an der Universität gepredigt. Gleichzeitig begann seine politische Karriere in der Jugendorganisation der Partei des damaligen Diktators Daniel Arap Moi.

Es dauerte nicht lange, bis Ruto ins Parlament gewählt wurde. Seine nächsten politischen Ämter umfassten das Amt des Landwirtschaftsministers und schließlich des Vizepräsidenten.

Mit 55 hat seine politische Karriere nun ihren Höhepunkt erreicht. Die Kenianer haben hohe Erwartungen an ihn.

Ein Mann auf der Straße sagt, er solle hart arbeiten, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern, und eine Frau fordert, dass Ruto Jobs für junge Leute schafft. Aber sie ist auch überzeugt: „Ich glaube, er wird das Land verändern.“

Im Wahlkampf versprach Ruto unter anderem, umgerechnet mehr als 400 Millionen Euro an die Armen des Landes zu verteilen. Doch woher dieses Geld kommen soll, wenn Kenia bis über die Ohren verschuldet ist, bleibt ebenso unklar wie die Herkunft von Rutos Vermögen.



Quelllink

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare