Sonntag, November 28, 2021
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Krankenhauskoordinator beruhigt Triage in Sachsen "noch weit weg"

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Die Triage ist eine Art Gespenst der Krankenhäuser: Kein Arzt entscheidet gerne, ob Patienten leben dürfen oder sterben sollen. Krankenhauskoordinator Albrecht sieht die Situation in Sachsen nicht so dramatisch: Die intensivmedizinische Versorgung in Dresden etwa sei noch lange nicht am Limit.

Von einer Triage ist Sachsen laut Krankenhauskoordinator Michael Albrecht noch weit entfernt. Das Universitätsklinikum Dresden hat in der Nacht zu Montag erst zehn neue Intensivpatienten aufgenommen. „Deshalb organisieren wir die verfügbaren Kapazitäten täglich neu, um die Versorgung zu gewährleisten. Dennoch sind wir weit davon entfernt, die Angebote der intensivmedizinischen Versorgung einzuschränken oder zu triazieren.“

Sachsen müsse sich auf eine Triage vorbereiten, sagte der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck, Anfang der Woche. Triage bedeutet, dass medizinisches Fachpersonal aufgrund knapper Ressourcen entscheiden muss, wem es zuerst hilft.

Die Prognose vom Montagmorgen prognostiziert für den 6. Dezember 669 Intensivpatienten im Freistaat, sagte Albrecht. „Wir sind aktuell bei knapp 350, das bedeutet fast eine Verdoppelung der aktuellen Zahl der Intensivpatienten in 14 Tagen.“ Wenn die neuen Corona-Regeln nicht funktionieren, muss man sich eigentlich überlegen, wie die Patienten optimal versorgt werden können.

Albrecht sagte gleichzeitig, dass kein Krankenhaus zur Triage in die Lage kommen müsse. „Droht ein solcher Fall, wird der Patient in ein Krankenhaus innerhalb des Clusters oder Netzwerks verlegt. Kommen wir ans Limit, wird der Patient bundesweit innerhalb der Kleeblatt-Organisation verlegt.“

Das geschah bereits im Dezember vergangenen Jahres, als 60 Patienten aus Sachsen nach Schleswig-Holstein und Niedersachsen verlegt wurden. „Das heißt, bevor man in der kleinen Welt eines einzigen Krankenhauses mit der Triage beginnt, muss man erst alle Möglichkeiten im Netz, im Land und dann in der Bundesrepublik ausschöpfen“, sagt Albrecht.

Trotzdem hat man mit Bodendieck schon grundsätzlich über das Thema Triage gesprochen. Es ist sinnvoll, nicht erst darüber nachzudenken, wie man in einer absolut eskalierten Situation damit umgeht. „Deshalb sollte man ruhig diskutieren und einen Expertenausschuss zusammenstellen, um in diesem Rahmen Regelungen zu erarbeiten, um sie dann den Ärzten zu übergeben.“ Er hält so etwas grundsätzlich für sinnvoll, „aber nicht, weil wir es diese Woche brauchen“.

Am Nachmittag warnte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach vor einer drohenden Triage und rief die Bundeswehr bei Umzügen um Hilfe. „In vielen Regionen stehen wir zum ersten Mal kurz vor der Triage. Die Bundeswehr soll Verlagerungen koordinieren. Für Covid-Patienten ist Flugzeug wegen Vibrationen, Druckausgleich viel besser als Helikopter. Das kann eine riesige Evakuierung sein. Die Möglichkeiten der Kleeblattverlegung“ schmal sind“, schrieb Lauterbach auf Twitter.

Auch der wissenschaftlich-medizinische Divi-Direktor und Pneumologe Christian Karagiannidis forderte eine frühzeitige Planung und Organisation möglicher Kleeblatt-Umzüge.

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