Freitag, Juni 24, 2022
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Krieg im Donbass: "Es ist unmöglich, den Beschuss zu zählen"

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Siewerodonezk steht immer noch unter schwerem Beschuss der russischen Armee. Laut ukrainischen Quellen sollen Hunderte Zivilisten im Chemiewerk Azot Schutz suchen. Im gesamten Donbass werden Wohnviertel angegriffen.

Das Chemiewerk Azot in der umkämpften Industriestadt Siewerodonezk ist nach Angaben der Regionalregierung noch immer unter ukrainischer Kontrolle. „Azot ist nicht blockiert. Auf den Straßen neben der Fabrik finden Kämpfe statt“, sagte der Gouverneur von Lugansk, Serhij Hajdaj, im ukrainischen Fernsehen.

Hunderte Zivilisten haben laut ukrainischen Quellen in den Bunkern der Anlage Unterschlupf gefunden, weil Russland mit schwerer Artillerie auf Wohngebiete schießen soll. „Wahrscheinlich wollen jetzt alle fliehen, aber eine solche Möglichkeit gibt es derzeit nicht“, sagte Hajdaj.

Siewerodonezk ist die letzte größere Stadt im Gebiet Lugansk, die noch nicht vollständig von russischen Truppen oder prorussischen Separatisten erobert wurde. Laut Bürgermeister Olexandr Strjuk kontrollieren ukrainische Truppen ein Drittel des Gebiets. Die Stadt sei seit rund zwei Monaten ohne Strom- und Wasserversorgung, betonte er.

Die Situation dort sei die schlimmste im Land, sagte Gouverneur Hajdaj in einer Videoansprache. „Es ist unmöglich, den Beschuss zu zählen.“ Viele Orte in der Region Luhansk stehen unter Beschuss. Besonders schwierig ist die Situation in Toshkivka. Dort versuchten die russischen Angreifer, eine Verteidigungslinie zu durchbrechen. Teilweise gelang es den ukrainischen Streitkräften, den Feind aufzuhalten.

Der ukrainische Generalstab berichtete, das russische Militär habe die zivile Infrastruktur in der Nachbarstadt Lysychansk beschossen. Die dort stationierten Einheiten hätten russischen Angriffen aus mehreren Richtungen standgehalten. Auch aus anderen Teilen des Donbass wurden schwere Kämpfe gemeldet. Das Oberkommando in Kiew teilte mit, russische Truppen seien im Bereich des wichtigen Verkehrsknotenpunkts Bachmut in der Region Donezk zurückgedrängt worden.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in seiner nächtlichen Videobotschaft, er sei stolz auf die ukrainischen Verteidiger im Donbass, die seit Wochen russische Vorstöße zurückhalten. „Jetzt ist schon der 108. Kriegstag, schon Juni. Donbass hält.“ Die Ukraine werde jedoch alles tun, damit die Russen „alles bereuen, was sie getan haben, und sich für jeden Mord und jeden Angriff auf unser schönes Land verantworten müssen“.

Selenskyj sagte in seiner Rede, dass die Kiewer Streitkräfte im Südosten des Landes Erfolge erzielt hätten. Die russischen Invasoren wurden in der Region Cherson zurückgedrängt. Nach ukrainischen und westlichen Schätzungen leiden Russlands Truppen immer noch unter schweren Verlusten. Doch der Konflikt in der Ostukraine entwickelt sich zu einem Artillerie-Duell.

Die russische Armee nutzt nun ihre Überlegenheit bei Artillerie und Munition, um Land zu gewinnen. Selenskyj und andere ukrainische Politiker haben deshalb in den vergangenen Tagen an die westlichen Verbündeten appelliert, möglichst schnell mehr schwere Waffen und Raketen zu schicken.



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