Sonntag, September 25, 2022
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Krieg in der Ukraine: Angespannte Lage im Kernkraftwerk Saporischschja

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Russland hat große Gebiete in der Südukraine erobert und will sie sich einverleiben. Unterdessen verschlechtert sich die Lage im Kernkraftwerk Saporischschja, das von russischen Truppen besetzt ist, weiter.

Die Situation im von Russland besetzten Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine verschlechtert sich weiter. Berichten zufolge sind am Sonntagabend mehrere Artilleriegeschosse in der Stadt Enerhodar gefallen, in der die Mitarbeiter des Kraftwerks leben.

Wie in den Tagen zuvor machten sich die russische und die ukrainische Seite gegenseitig für den Beschuss verantwortlich. Videos von beiden Seiten zeigten, dass zahlreiche Autos in Wohngebieten brannten. Wenige Stunden zuvor sollen russische Truppen direkt über einem der sechs Reaktoren eine bewaffnete ukrainische Drohne abgeschossen haben.

Bei dem nächtlichen Beschuss der Stadt seien neun Menschen verletzt worden, zwei davon schwer, sagte Wladimir Rogow, ein Mitglied der Besatzungsverwaltung, am Montagabend. Mit solchen Schritten will die Ukraine verhindern, dass Experten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) das Atomkraftwerk besuchen.

Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Der geflüchtete ukrainische Bürgermeister von Enerhodar, Dmytro Orlow, sprach von einer Provokation: Russische Truppen hätten geschossen. Er warf Moskau „nukleare Erpressung“ vor, weil russische Truppen im Atomkraftwerk verschanzt seien.

Die internationale Gemeinschaft befürchtet einen möglichen nuklearen Unfall, der durch die Kämpfe in Europas größtem Atomkraftwerk verursacht wurde. Zwei Reaktoren gingen letzte Woche in die Notabschaltung, weil die Stromversorgung unterbrochen war. Für die erwartete Reise der IAEO-Experten gibt es noch keine Sicherheitsgarantien.

Am Sonntag wurden russische Angriffe entlang der Front und aus mehreren Regionen im ukrainischen Hinterland gemeldet. Präsident Wolodymyr Selenskyj besprach mit dem Militär- und Sicherheitsapparat die nächsten Schritte zur Abwehr der Invasion. Details nannte er nicht, kündigte aber an: „Die Besatzer werden die Konsequenzen im weiteren Vorgehen unserer Verteidiger zu spüren bekommen.“ Am Montag war es 187 Tage her, seit Russland den Krieg gegen das Nachbarland begonnen hatte.

Kein Angriff auf ukrainische Städte werde unbeantwortet bleiben, sagte Präsident Selenskyj nach der Beratung mit dem Militär: „Saporischschja, Orikhiw, Charkiw, Donbass – sie werden für alle eine Antwort bekommen.“ Bei dem Treffen ging es nach Angaben des Präsidialamtes um die Lage an der Front, die Bedürfnisse der Armee und die Abstimmung mit internationalen Partnern.

Nach Angaben der Behörden wurde am Sonntagabend die Region Riwne im Norden der Ukraine mit russischen Raketen angegriffen. Aktivisten aus dem benachbarten Weißrussland brachten den Angriff mit mehreren russischen Kampfflugzeugen in Verbindung, die von Flugplätzen in Weißrussland starteten. Der dortige Machthaber Alexander Lukaschenko stellte sein Land den russischen Truppen als Aufmarschgebiet gegen die Ukraine zur Verfügung. Zwei Raketen trafen am Sonntagabend auch das Zentrum der ostukrainischen Stadt Charkiw, wie Bürgermeister Ihor Terekhov mitteilte. Ein Verwaltungsgebäude wurde zerstört.

Dutzende Orte entlang der mehr als 2.000 Kilometer langen Frontlinie seien von russischen Panzern, Rohr- und Raketenartillerie beschossen worden, teilte der ukrainische Generalstab mit. Russische Angriffe wurden an mehreren Stellen im Donbass abgewehrt. Der Kreml bereitet den Boden für Referenden über die Annexion der besetzten Gebiete. Der hochrangige Kremlbeamte Sergej Kirijenko legte eine Zahl vor, die besagte, dass in den prorussischen Separatistengebieten Donezk und Luhansk 91 bis 92 Prozent der Bevölkerung für einen Beitritt zu Russland seien. In den seit Februar eroberten Gebieten Cherson und Zaporizhia sind es 75 bis 77 Prozent. Kiriyenko zitierte Umfragen in der Region, die angeblich diese Ergebnisse zeigten.

„Die Entscheidung steht noch aus“, sagte der stellvertretende Leiter des Präsidialamts. Präsident Wladimir Putin hat immer gesagt, dass die Entscheidung bei den Menschen in der Region liegt und dass Russland ihre Entscheidung respektieren wird. Russische und ukrainische Medien haben wiederholt über Referenden in den besetzten Gebieten im September spekuliert. Das russische Online-Portal Medusa, das von Lettland aus operiert, berichtete unter Berufung auf Quellen im Kreml, dass die Unterstützung für einen Beitritt viel geringer sei.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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