Freitag, August 12, 2022
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Kühldecken und Homeoffice: Wie Unternehmen Energie sparen

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In Deutschland versuchen Unternehmen derzeit, durch viele kleine Maßnahmen Energie einzusparen. Andere profitieren von bereits umgesetzten energetischen Verbesserungen.

Von Antonia Mannweiler, Theaktuellenews.com

Jede eingesparte Kilowattstunde Energie zählt für den kommenden Winter, der einen Versorgungsnotstand bringen könnte. In vielen deutschen Haushalten wird deshalb bereits Strom oder Warmwasser eingespart. Aber auch in den wegen der Sommerferien oder Corona derzeit spärlich besetzten Ämtern der Bundesrepublik muss in den kommenden Wochen und Monaten viel budgetiert werden.

Wie wird in den Büros von Deutschlands größtem Wohnungskonzern Energie gespart? Immerhin hatte Vonovia bereits angekündigt, die Temperaturen in seinen mehr als 500.000 Wohnungen nachts schrittweise zu senken. Zwischen 23 und 6 Uhr wird dann die Heizleistung reduziert. „Durch das Absenken der Heizung können wir bis zu acht Prozent der Heizkosten einsparen“, sagt Vonovia-Chef Rolf Buch Theaktuellenews.com.

Nach eigenen Angaben prüft die Wohnungsbaugruppe derzeit, wie in den eigenen Büros Energie eingespart werden kann. Vorleistungen hat das Unternehmen bereits erbracht: Im Laufe der Jahre sei die Energieversorgung im Immobilienbestand sukzessive auf Ökostrom umgestellt worden, so Vonovia. Dank der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Firmensitzes kann sich das Unternehmen weitgehend selbst mit Energie versorgen.

Auch in den Frankfurter Bankentürmen, wo bis spät in die Nacht Licht brennt, gibt es Anregungen, wo noch Energie gespart werden kann. Es gibt noch viele Ideen, was man tun könnte, so Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut, die Commerzbank. Allerdings profitiert man immer noch von energischen Maßnahmen, die vor einiger Zeit umgesetzt wurden.

In der Commerzbank-Zentrale gibt es beispielsweise Kühldecken, die wie Umkehrheizungen funktionieren. Durch die Decken wird gekühltes Wasser geleitet mit dem Ziel, das Gebäude fast sechs Grad unter die Außentemperatur zu kühlen. Die Modernisierung der Ventilatoren im Service-Center in Frankfurt spart nach Angaben der Bank rund eine Million Kilowattstunden (kWh). Vor drei Jahren wurden im Commerzbank-Tower moderne LED-Leuchten installiert. Das spart rund 800.000 kWh pro Jahr. Laut Statistischem Bundesamt liegt der durchschnittliche jährliche Energieverbrauch pro Haushalt in Deutschland bei rund 17.700 kWh pro Jahr. Mit einer Einsparung von 1,8 Millionen kWh könnte der Energiebedarf von fast 100 Haushalten in Deutschland gedeckt werden.

Die Bank weist auch darauf hin, dass das Geldhaus in den meisten Sanitärräumen in Deutschland auf heißes Wasser beim Händewaschen verzichtet. Aufbereitete Abwässer aus den Kühltürmen werden für die Toilettenspülung im Commerzbank-Tower verwendet.

Der Druck auf Unternehmen, schnell Energiesparmaßnahmen umzusetzen, steigt – auch seitens der Politik. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte im vergangenen Monat in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass es nicht möglich sei, ganze Bürotürme auf über 20 Grad aufzuheizen, wenn nur drei Personen darin sitzen würden. Es wäre fatal, Büros bis 23 Uhr zu beheizen und gleichzeitig ganze Industriezweige zu zerstören. Auch die verstärkte Nutzung des Homeoffice wird als mögliche Maßnahme zur Energieeinsparung in den Büros gesehen.

Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur (dena) lag der Gesamtenergieverbrauch aller Büro- und Verwaltungsgebäude für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung und Kühlung im Jahr 2018 bei rund 65 Terawattstunden pro Jahr. Der durchschnittliche Energieverbrauch in Bürogebäuden liegt bei 136 kWh pro Quadratmeter. Noch 2013 wurde der Großteil der Energie in den Büros für die Raumheizung verbraucht – mit einem Anteil von 70 Prozent. 13 Prozent des Energiebedarfs entfielen auf Beleuchtung und elf Prozent auf Informations- und Kommunikationstechnik.

Im letzteren Bereich arbeitet der schwäbische Softwarehersteller TeamViewer. Das Programm des Unternehmens kann für den Fernzugriff auf andere Bildschirme verwendet werden. Im Zuge der drohenden Versorgungskrise mit Energie und Gas will das Unternehmen laut TeamViewer seinen Teil zur Einsparung beitragen Theaktuellenews.com.

Derzeit werden eine Reihe von Maßnahmen geprüft, mit denen akute Einsparungen erzielt werden können. Dazu gehören zum Beispiel reduzierte Regelbarkeit von Klimaanlagen, Lichtsparmaßnahmen und die Anpassung der maximalen Heizleistung. Auch mit Vermietern, Verwaltern und Haustechnikern stehe das Unternehmen in engem Kontakt, um „unseren Energieverbrauch weiter zu senken“.

Mit dem hybriden Arbeitsmodell und bis zu 50 Prozent Homeoffice trägt es laut TeamViewer auch dazu bei, den Energieverbrauch durch weniger Pendeln zu senken. Allerdings misst und reduziert das Unternehmen seit Jahren den eigenen CO2-Fußabdruck und den Energieverbrauch. Allein im vergangenen Jahr konnten die direkt den Bürogebäuden und Mitarbeitern zuzurechnenden Emissionen im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel reduziert werden.

Je nach Baujahr der Büroimmobilie kann der Energiebedarf aus fossilen Quellen stark variieren. Ältere Büro- und Verwaltungsimmobilien, die vor 2005 gebaut wurden, werden noch überwiegend mit Öl und Gas betrieben (77 Prozent). Bei den neueren Objekten ist der Anteil fossiler Brennstoffe jedoch auf fast die Hälfte gesunken. Insgesamt gab es 2015 in Deutschland rund 324.000 Büro- und Verwaltungsgebäude mit einer Gesamtnutzfläche von 382 Millionen Quadratmetern.

Die Deutsche Bank hat zudem einen Maßnahmenkatalog definiert, der je nach Szenario umgesetzt werden kann. Hierauf hätten die Entscheidungen der Bundesnetzagentur einen wesentlichen Einfluss. „Wir unterstützen die Bundesregierung in ihren Bemühungen, kurz- und langfristig Energie einzusparen und haben unseren Immobilienbestand bereits in den vergangenen Monaten an die veränderten Anforderungen angepasst“, so die Bank. Dies gilt insbesondere im Bereich des mobilen Arbeitens.

Der Münchner Automobilkonzern BMW bereitet sich derzeit auf eine mögliche Gasknappheit vor, die die deutsche Industrie hart treffen würde. Dabei geht es nach Angaben des DAX-Konzerns sowohl um die eigenen Standorte als auch um das Lieferantennetzwerk. Grundsätzlich sind weitere Einsparungen beim Gasverbrauch zeitlich begrenzt unter bestimmten Voraussetzungen möglich – ohne die Versorgungssicherheit der deutschen Standorte zu gefährden. Was die eigenen Ämter betrifft, hielt sich BMW eher zurück. Es gab viele interne Diskussionen darüber. „Aber unabhängig davon haben wir die Mitarbeiter natürlich für die Notwendigkeit des Energiesparens sensibilisiert.“

Ein Unternehmen erzählt Theaktuellenews.comdass viele betriebliche Maßnahmen der Zustimmung des Betriebsrats bedürfen. Einfach die Temperatur zu reduzieren geht also nicht immer so schnell und einfach.

Unternehmen wie der Flughafenbetreiber Fraport werden konkreter. Pressesprecher Christian Engel sagt, dass derzeit an zahlreichen Maßnahmen gearbeitet werde, um kurz- bis mittelfristig Energie einzusparen. Dadurch soll der Gesamtenergieverbrauch um rund 15 Prozent gesenkt werden. Einige Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Die Umluftzufuhr in den Terminals wurde bereits reduziert. „Dadurch dringt im Sommer weniger warme Luft ein, was den Aufwand für die Klimatisierung reduziert.“ Auch die für den Flugbetrieb nicht unbedingt notwendigen Systeme werden laut Engel abgeschaltet.

Der kommende Winter ist jedoch bereits fest in Sicht. Dann konzentrieren sich die Maßnahmen darauf, weniger Heizenergie zu verbrauchen. Dazu wird die Raumtemperatur in den Terminals und Büros abgesenkt. Allerdings orientiert man sich an den Mindestanforderungen aus der geltenden Arbeitsstättenrichtlinie. Die Temperatur sollte daher den Mindestwert von 20 Grad nicht unterschreiten.

In den Räumlichkeiten der Industrie- und Handelskammer zu Frankfurt, zu denen auch die Frankfurter Wertpapierbörse gehört, wurde die Kühlung des Gebäudes mit einem neuen Kühlkonzept geplant. Die Umsetzung ist für Mitte des Monats geplant. „Alle installierten Kälteanlagen werden in einer zentralen Verteilung zusammengeführt und dann zu den Verbrauchern zurückgeführt.“ Dies führt zu einer Energieeinsparung der verfügbaren Leistung von 300 kW.

In den kommenden Monaten hat die IHK weitere Energiesparmaßnahmen geplant. Dazu gehören der Umbau der Lüftungsanlagen und eine neue Gebäudeleittechnik zur Optimierung der Lüftungs- und Kühlanlagen. Im Winter sollten die Lüftungsanlagen nur nach Bedarf betrieben werden, beispielsweise in großen Veranstaltungsräumen. Geplant ist eine Reduzierung der Grundleistung um 300 kW.

Auch beim Energiesparen setzt der Mobilitätskonzern Deutsche Bahn auf die Motivation seiner Mitarbeiter. Als Anreiz erhalten die Mitarbeiter jeweils einen Energiebonus von 100 Euro – wird mehr Energie eingespart, stockt die Bahn die Extrazahlung auf 150 Euro auf. Die Energiespaß-Maßnahmen können das Heizen, die Nutzung der Klimaanlage oder das Tanken betreffen.

Der jährliche Strombedarf der Deutschen Bahn liegt nach eigenen Angaben bei zehn Milliarden kWh, womit der Konzern der größte einzelne Stromverbraucher in Deutschland ist. Der Anteil von Erdgas am Strommix betrug sechs Prozent, der von Kohle mehr als 20 Prozent. Erneuerbare Energien machten im vergangenen Jahr rund 62 Prozent aus.



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Abgel T
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Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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