Mittwoch, Dezember 7, 2022
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Kurioser Trend in Ägypten Kairos Autofahrer lieben deutsche Nummernschilder

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Wer in Kairo Auto fährt, braucht ein ägyptisches Nummernschild. Einige Verkehrsteilnehmer bringen aber auch ein deutsches Kennzeichen an ihrem Fahrzeug an. Wieso den? Das erklärt einige der Nummernschild-Fans.

Salim Warda hat in seinem Autozubehör-Shop einiges im Angebot: Scheibenwischerblätter, Deckel für Tanköffnungen oder Lithium-Knopfzellen-Batterien. Zwischen all den Waren aus dem großen Reich der Kraftfahrzeuge hängen an einer Regalwand auch ein paar Nummernschilder, die dem deutschen Auge bekannt vorkommen: links ein blauer Balken mit einem „D“ unterhalb des Sternenkreises für die Europäische Union. Dann die Buchstaben „ME“ für Mettmann, Kreis in Nordrhein-Westfalen im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Warda ist weder Nummernschildsammler noch wurde Mettmann in den Großraum Kairo eingemeindet. In der ägyptischen Hauptstadt sind die deutschen Nummernschilder eher ein Accessoire, ein schickes Extra, um das eigene Auto zu verschönern. An Taxis, Transportern oder Kleinbussen sieht man deutsche Nummernschilder. Im Zinnmeer von Kairo sieht man oft einen im Minutentakt. „Die Nachfrage ist groß, die Leute mögen es“, sagt Warda. Ein deutsches Nummernschild wird zur Dekoration verwendet, egal ob auf einem BMW oder einem Mitsubishi.

Auf Al-Taufikaija, Kairos Markt für neue und gebrauchte Autoteile, stapelt sich alles. „GI“ (Gießen) und „HR“ (Homberg/Hessen) sind ebenso im Angebot wie „EIC“ (Eichsfeld/Thüringen), „KUS“ (Kusel/Rheinland-Pfalz), „B“ (Berlin) oder „BN “ (Bonne). Autobesitzer montieren die Nummernschilder normalerweise unter oder neben den ägyptischen, sodass der blaue Balken neben den arabischen Ziffern und Buchstaben erscheint. „Stilvoll“, so beschreibt ein Taxifahrer die Praxis.

Ägyptische Verkehrspolizisten tolerieren deutschen Autoschmuck, solange das örtliche Nummernschild richtig zu sehen ist. Aus deutscher Sicht gebe es keine Bedenken, solange das bisher in Deutschland zugelassene Fahrzeug abgemeldet sei, sagt Sprecher Stephan Immen vom Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. Mit diesem Schritt wird das Kennzeichen entwertet und verliert seine Gültigkeit. Ob es in der Mülltonne, bei Ebay oder auf den Straßen von Kairo landet, sei für die Behörden „relativ wenig relevant“.

Für Aiman ​​Gab aus Giseh, der seit 16 Jahren Taxi fährt und selbst eine deutsche Nummer nutzt, steckt mehr dahinter. „Die Deutschen sind Genies. Ich bewundere sie. Sie sind sehr gut organisiert und leidenschaftlich bei der Arbeit.“ Einer der Kennzeichenhändler beschreibt es ähnlich: „Ägypter lieben deutsche Autos und Deutschland im Allgemeinen.“ Gelegentlich taucht im Verkehr ein „F“ (Frankreich) oder ein „E“ (Spanien) auf, aber das „D“ scheint besonders häufig zu sein.

Auch ägyptische und sogar chinesische Hersteller verdienen mit Fälschungen mittlerweile an dem Trend. Das Mettmann-Kennzeichen „ME-4444“ von Salim Warda hat eine (offensichtlich falsche) TÜV-Plakette, ein Siegel des Landratsamtes Hohenlohe in Baden-Württemberg – und es kommt aus China. Das „D“ und die EU-Sterne sind auch auf ägyptischen Imitationen zu finden, allerdings weichen Schrift und Farben deutlich von den Originalen ab. Ein gefälschtes Schild aus China kostet 25 Pfund (1,30 Euro), ein altes deutsches Original rund 75 Pfund (3,90 Euro). Wie die Schilder von Deutschland nach Kairo gelangen, lässt sich nicht immer genau nachvollziehen.

Einige davon würden in Kisten bei den Straßenverkehrsämtern landen, sagt Autoverwerter Hagen Hamm. „Da greift der ein oder andere rein.“ Laut ADAC werden in Deutschland jedes Jahr rund 160.000 Kennzeichen gestohlen. Es ist nicht auszuschließen, dass einige davon zum Rohstoffpreis von Aluminium ins Ausland gehen. Kai Berkau vom Autodienstleister PS Team sagt: „Es gibt keinen legalen Weg, alte Nummernschilder zu kaufen.“ Dass die Ägypter die mitunter verbeulten Nummernschilder an Autos asiatischer Hersteller anbringen, scheint dem Trend nachgeordnet zu sein. „Es geht darum, anzugeben“, sagt Salim Warda. „Ob er wirklich einen Mercedes fährt, interessiert niemanden.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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