Freitag, Juni 24, 2022
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Kurz vor der Tat in der Psychiatrie fühlte sich der Messerangreifer aus Hamm verfolgt

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Ein 34-Jähriger hat an der Hochschule Hamm-Lippstadt Menschen mit einem Messer angegriffen. Für einen 30-Jährigen haben die Ärzte keine Hoffnung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft befand sich der Mann am Tattag noch in einer psychiatrischen Anstalt. Er leidet unter schweren psychischen Problemen.

Nach der Messerattacke in einer Hochschule in Hamm wurde der mutmaßliche Täter in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Der 34-Jährige leide seit längerem unter psychischen Problemen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund, Henner Kruse, auf einer Pressekonferenz. Der Mann hat am Freitag offenbar wahllos vier Personen angegriffen und zum Teil schwer verletzt. Laut Kruse wird ein 30-Jähriger wohl nicht überleben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der 34-Jährige am Vormittag von einem psychiatrischen Gutachter untersucht. Dementsprechend leidet er an paranoider Schizophrenie und Wahnvorstellungen. Nach der Untersuchung wurde eine vorübergehende Unterbringung in einem Fachkrankenhaus angeordnet. Während der Tat war er möglicherweise unschuldig.

Wie Kruse weiter erklärte, verließ der 34-Jährige die psychiatrische Abteilung eines Krankenhauses am Freitag erst auf eigenen Wunsch. Er war dort wegen eines Suizidversuchs. Der Verdächtige war seit langem in psychotherapeutischer Behandlung, bei einer Durchsuchung seiner Wohnung im Studentenwohnheim seien „zahlreiche Psychopharmaka“ entdeckt worden.

Der Mann fühlte sich demnach von einer Gruppe von Menschen verfolgt, die seiner Meinung nach versuchten, ihn zu töten. Deshalb habe er es der Polizei gemeldet. Laut Hamms Polizeipräsident Thomas Kubera war der letzte Kontakt Anfang April. Auch an der Uni waren die psychischen Probleme des Langzeitstudenten bekannt, auch seine Eltern wussten davon. Die Polizei geht „von einer psychischen Erkrankung als Tatursache“ aus. Es gibt keine Hinweise auf eine politische oder religiöse Motivation.

Nach bisherigen Ermittlungen war der 34-Jährige am Freitagnachmittag in ein Gebäude der Hochschule Hamm-Lippstadt eingedrungen. Laut Kruse hatte er zwei kürzlich gekaufte Küchenmesser. Der Mann griff dann im Foyer eine 22-jährige Frau an, dann einen 22-jährigen Mann und dann eine weitere 22-jährige Frau. Die ersten beiden Opfer erlitten Verletzungen, darunter Nackenverletzungen. Die dritte angegriffene Frau erlitt laut Staatsanwaltschaft acht Stiche im Unterleib und musste notoperiert werden. Das Leben ist nicht mehr in Gefahr.

Der 34-Jährige betrat daraufhin einen Hörsaal und stach auf einen 30-jährigen Dozenten der Universität ein, der einem Gastvortrag zuhörte. Zuvor soll er gesagt haben: „Jetzt bist du dran.“ Die Frau habe durch Stiche im Brustbereich „sehr schwere innere Verletzungen“ erlitten, sagte Kruse. Die Frau wurde mit einem Hubschrauber in eine Universitätsklinik gebracht und ebenfalls notoperiert. Allerdings hätten die Ärzte nun keine Hoffnung mehr für sie, sagte die Staatsanwaltschaft.

Der mutmaßliche Täter wurde im Hörsaal von Studenten überwältigt und anschließend von der Polizei festgenommen. Er habe die Tat gestanden und erklärt, er sehe keinen anderen Ausweg, sagte Kruse. Demnach ging der Mann davon aus, dass die im Universitätsgebäude Anwesenden einer Gruppe angehörten, die ihn töten wollte. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei allen Verletzten um Unfallopfer handelte.

Der Dortmunder Polizeipräsident Ralf Ziegler würdigte die Überwältigung des Täters durch die Schüler. Sie hätten „sehr mutig und sehr, sehr schlagfertig“ gehandelt. Mit ihrem Eingreifen hätten sie „sicherlich unzählige weitere Opfer verhindert“. Die Hochschule hat den Lehrbetrieb in Hamm für Montag abgesagt. Der Campus werde den Studierenden aber „als Ort des Austauschs und Innehaltens“ offenstehen.

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