Sonntag, September 25, 2022
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Lawinengefahr am Hochkalter Bergsteiger bei Berchtesgaden fehlt

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Trotz heftigen Schneefalls bricht ein junger Niedersachse zu einer hochalpinen Tour auf den Hochkalter auf. Als er am Samstag einen Notruf absetzt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Wegen der Lawinengefahr ist die Bergrettung Berchtesgaden machtlos.

Die Bedingungen sind selbst für die erfahrenen Retter lebensgefährlich: Anhaltender Schneefall, starker Wind, Lawinengefahr und absturzgefährdetes Gelände haben die Suche nach einem verunfallten Bergsteiger am Hochkalter unmöglich gemacht. Der 24-Jährige setzte am Samstag einen Notruf ab, nachdem er ausgerutscht war und nicht mehr zurückkommen konnte. Seitdem bricht der Kontakt zu ihm ab – ohne dass die Retter genau wissen, wo sie nach ihm suchen müssen. Nach den ersten Versuchen in den Tagen zuvor mussten sie nur noch bis zum Nachmittag warten.

Alle Hoffnung ruht daher darauf, dass der junge Mann eine Schneehöhle graben kann, um sich vor dem kühlenden Wind zu schützen – und dass das Wetter baldmöglichst einen Helikopterflug zulässt, um ihn mit einem Sonargerät zu orten. Denn zu Fuß kann die Bergrettung derzeit nichts ausrichten. „Auf dem Boden kann man sich nicht sicher bewegen, auf dem blanken Eis liegt Schnee, da muss jeder Schritt gut durchdacht und gut gesichert sein“, sagte ein Sprecher. „Und dann gehst du fünf Meter weiter und siehst es nicht einmal, weil es eingeschneit ist.“

Der 24-jährige Niedersachse startete am Samstag bei Schneefall am Hochkalter in Ramsau bei Berchtesgaden zu einer hochalpinen Tour. Nach einem Sturz auf der schon im Sommer schwierigen Normalroute mit leichteren Kletterpassagen setzte er auf rund 2500 Metern Höhe einen Notruf ab. Darin sagte er nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes, dem die Bergrettung angehört, zunächst aus, er habe sich beide Arme gebrochen und sich am Kopf verletzt, später aber am Telefon erklärt, er sei nicht schwer verletzt. Aber er ist in absturzgefährdetem Gelände und es ist so steil und rutschig, dass er kaum stehen kann.

Nach dem Notruf begann ein Großeinsatz mit Schneefall, Glatteis, Starkregen, Wind und Nebel bei bis zu minus sechs Grad. Die Bergretter suchten mit mehreren Hubschraubern und zu Fuß nach dem Anrufer. Er konnte den Anweisungen zum Klettern auf den Kamm nicht folgen, wo ihm die Retter leichter hätten helfen können. „Er hat gesagt, er kann nicht mehr, weil ihm so kalt ist“, sagte der Sprecher der Bergrettung. „Die Kälte ist das Hauptproblem. Das ist das A und O, raus aus dem Wind.“

Am Montagabend konnten die Einsatzkräfte dank des günstigen Wetters mit einem Hubschrauber und einem Fernglas rund eine Stunde lang die Steilwände und Schluchten nach der vermissten Person absuchen. Spezialisten werteten die Bilder des Suchfluges die halbe Nacht aus, konnten aber keine Spur des Verunglückten finden. Seit Samstag sei viel Neuschnee gefallen, der in den Rinnen schätzungsweise bis zu drei Meter hoch sei und die Sicht erschwere, erklärte der Sprecher.

Die Einsatzkräfte erwarten für Mittwoch besseres Wetter, sodass die Suche mit Hubschraubern und Drohnen vielleicht fortgesetzt werden könnte. Am Donnerstag soll es sonnig werden. Dann könnte auch eine sogenannte Recco-Boje zum Einsatz kommen, mit der sich auch Halbleiter von elektronischen Geräten wie Handys oder Laptops orten ließen, selbst wenn deren Akkus leer wären. Darauf würden derzeit die größten Hoffnungen gesetzt, sagte der Bergrettungssprecher. Mit Blick auf die Naturgewalten fügte er niedergeschlagen hinzu: „Bei schönem Wetter wäre die gleiche Mission in einer Stunde vorbei.“ Doch diese vermeintliche Sicherheit erweist sich bei schlechtem Wetter als trügerisch. „Dann ist es eine Mission wie vor 100 Jahren.“ Und der Bedürftige am Berg ist allein seinem Schicksal ausgesetzt.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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