Dienstag, August 9, 2022
StartNACHRICHTENLehren aus der Flut: Wie Spenden bei Flutopfern ankommen?

Lehren aus der Flut: Wie Spenden bei Flutopfern ankommen?

- Anzeige -

Ein Jahr nach der Flut ist der Wiederaufbau im Gange. Doch die notwendigen Spenden kommen nur schleppend bei den Menschen an. Warum ist das so und was muss sich ändern?

Nach der Jahrhundertflut war die Hilfsbereitschaft enorm. Laut einer Erhebung des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) wurden bisher rund 655 Millionen Euro gespendet, so viele wie noch nie nach einer Katastrophe in Deutschland.

Inzwischen sind viele Betroffene jedoch enttäuscht. Bisher wurde nur ein Bruchteil der privaten Spenden ausgezahlt, viele warten auf Versicherungsgelder oder Hilfen von Bund und Ländern. Ein Betroffener sagte im Juli dem ZDF:

Die Umfrage bestätigt die Probleme mit der Bürokratie. Mehr als die Hälfte der befragten Geberorganisationen – darunter „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ und „Aktion Deutschland Hilft“ – beklagen Abstimmungsprozesse mit anderen Institutionen.

Das mussten auch die Ahrntaler Winzer erfahren. Rund 4,5 Millionen Euro Spendengelder hatten sie mit dem Projekt „Flutwein“ gesammelt. Der dafür zuständige gemeinnützige Verein durfte diese Mittel jedoch nicht an Unternehmer verteilen. Das dringend benötigte Geld blieb ungenutzt auf dem Konto. Erst eine Sondergenehmigung im März dieses Jahres änderte das.

Auch humanitäre Organisationen beschäftigen sich damit, wie Verletzten effektiv geholfen werden kann. Dominique Mann, Geschäftsführer des Aktionsbündnisses für Katastrophenhilfe, bestätigt, dass mehr als die Hälfte der 163 Millionen Euro des Bündnisses bereits ausgegeben oder fest eingeplant sind. „Die Frage, ob Kleinstunternehmen auch Spenden erhalten sollen, kann diskutiert werden. Aber im Moment ist das für uns keine Frage.“

Der Deutsche Fundraising Verband verteidigt derweil Unternehmen und sieht die Politik in der Pflicht. Der DFRV schreibt, dass bürokratische Blockaden und rechtliche Hürden endlich abgebaut werden müssten. Bundesfinanzminister Christian Lindner muss sich fragen, ob er […] dieses Engagement […] er möchte durch die Modernisierung des Gemeinnützigkeitsrechts weiter entschleunigen oder das volle Potenzial der Zivilgesellschaft ausschöpfen“, so Martin Georgi, Präsident.

Das Gemeinnützigkeitsgesetz legt fest, welche Organisationen als gemeinnützig gelten. Die Zwecke hierfür sind derzeit in der sogenannten Abgabenordnung definiert – Katastrophenhilfe ist in dieser Aufzählung jedoch nicht enthalten. Daher müssen in solchen Fällen alle Bundesländer Ausnahmen machen. Der Verein findet sie veraltet und fordert eine grundsätzliche Regelung, damit auch Unternehmen Spenden entgegennehmen können.

Edith Wallmeier, Vorstandsvorsitzende der „Aktion Deutschland Hilft“ stimmt zu:

Unterdessen verweist das rheinland-pfälzische Finanzministerium auf staatliche Hilfen für den Wiederaufbau. Allein in Rheinland-Pfalz stehen 15 Milliarden Euro zur Unterstützung von Unternehmen zur Verfügung. Darüber hinaus bemüht sich die Landessteuerverwaltung um Lösungen für die Auszahlung der eingeworbenen Mittel an Unternehmen.

Das Staatsministerium bezieht sich auf die Bundesregierung. Dort würden sie sich für Steuererleichterungen für Spenden und Fundraising einsetzen. Allerdings soll Bundesgesetz das geltende Spendenrecht ändern.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare