Montag, August 15, 2022
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Leihräder in Stockholm: mit E-Bikes für die Verkehrswende

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Bis 2030 will Stockholm klimaneutral sein. Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, setzt die Stadt nun auch auf Leih-E-Bikes. Sie sind überraschend günstig zu mieten und sollen das Auto ersetzen. Kann das funktionieren?

Von Lea Busch, ARD-Studio Stockholm

Axel Andrén ist begeistert: „Ich habe die App auf mein Handy geladen, ein Benutzerkonto eingerichtet und dann die Tageskarte gekauft“, sagt der Stockholmer. „Jetzt scanne ich meinen Barcode und schließe das Fahrrad auf – ganz einfach“, erklärt er und schiebt das Fahrrad aus der Rad Station in der Stockholmer Innenstadt.

„Stockholm E-Bikes“ steht in weißen Lettern auf dem dicken schwarzen Rahmen. Andrén nutzt heute zum ersten Mal eines der E-Bikes, die die Stadt seit einigen Wochen zur Miete anbietet. „Das kostet nur elf Kronen am Tag – das ist unvorstellbar!“ Elf Kronen, das entspricht etwa einem Euro Grundgebühr. Für einen Tag 90 Freiminuten inklusive. Danach zahlen Sie pro Stunde. Das Jahresabonnement kostet 16 Euro.

Ein paar Räder weiter schließt auch Taylor Noor aus Stockholm eines der E-Bikes auf. Er benutzt sie fast jeden Tag. „Man muss kein eigenes Rad mehr haben, um das man sich dann kümmern muss. Ich habe mein Büro direkt da oben.

Derzeit gibt es in Stockholm rund 750 solcher Fahrräder, verteilt auf rund 70 Parkstationen. Im Laufe der nächsten Monate sollen es noch deutlich mehr werden. Vor allem in den Vororten. Lasten-E-Bikes sollen ebenfalls hinzukommen. Im Winter wird das Angebot etwas abgespeckt, dafür bekommen die Reifen dann Spikes, damit man trotz Eis und Straßenglätte fahren kann.

Die Stadt Stockholm initiierte das Projekt. Denn die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt – also die Busse, U-Bahnen und Züge – sind oft überfüllt und eng. „Deshalb entscheiden sich viele für das Auto. E-Bikes sind also eine Ergänzung zum ÖPNV“, sagt Daniel Helldén von den Grünen. Er ist für den Verkehr in Stockholm zuständig.

Das Konzept wurde in Kopenhagen kopiert. Dort gibt es schon lange E-Bikes zum Ausleihen. Laut der Website von Copenhagen City Bikes sind sie Teil der Verkehrswende hin zu weniger CO2-Emissionen. Die Mietpreise liegen deutlich über denen in Stockholm.

Die Stockholmer E-Bikes, also eine echte Erfolgsgeschichte? Ja und nein. Denn neben dem Ausbau und den niedrigen Preisen gab es große Startschwierigkeiten. Zu wenige Räder, dann waren sie kaputt und die App funktionierte auch nicht immer. Es gingen Beschwerden von verärgerten Benutzern ein.

An der E-Bike-Station im Zentrum von Stockholm schimpfen Tina und Steve aus England, die mit den E-Bikes die Stadt erkundet haben, sie aber wegen einer Fehlermeldung in der App nicht abstellen können. „Wir haben es wahrscheinlich acht Mal versucht“, sagt Steve. „Es hat fünf bis zehn Minuten gedauert. Jetzt bin ich über meinem Limit und muss noch eine Stunde bezahlen, weil ich das Rad nicht abstellen und die Tour beenden konnte.“

Verkehrspolitiker Helldén weiß um die Probleme, auch dass sie bis heute nicht alle gelöst sind. Trotzdem betont er, dass das Konzept an sich stimmt und die Technik noch im Griff sein wird. „Dies wird ein sehr wichtiges Puzzleteil für intelligente urbane Mobilität sein.“

Es gibt bereits E-Scooter, die von privaten Unternehmen betrieben werden. Dann gibt es die Elektrofahrräder und natürlich alle privaten Fahrräder. „Dies wird zu einem deutlichen Anstieg des Radverkehrs in Stockholm führen. Wir sehen heute bereits einen starken Anstieg, aber wir erwarten, dass er in den nächsten 15 Jahren um 100 Prozent zunehmen wird“, sagt Helldén.

Das dürfte auch nötig sein, denn Stockholm hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030 will die Stadt klimaneutral sein.

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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