Sonntag, November 28, 2021
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Lira auf Rekordtief Politiker raten Türken, beim Essen zu sparen

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Die Reaktionen der türkischen Regierung auf den Kurssturz der Lira sind eher kurios als pragmatisch: Die Notenbank soll die Leitzinsen nicht erhöhen, sondern ihre Unabhängigkeit verlieren. Der Bevölkerung wird geraten, im Monat zwei statt zwei Kilo Tomaten zu essen.

Laut Präsident Recep Tayyip Erdogan ist die türkische Lira zusammengebrochen. Gegenüber Dollar und Euro fiel er auf Rekordtiefs. Gegenüber dem Dollar betrugen die täglichen Verluste zeitweise zehn Prozent. Im Gegenzug stieg der Dollar erstmals über 12 Lira. Der Euro stieg auf 14,06 Lira. Politiker von Erdogans Regierungspartei AKP entfachen derweil mit Spartipps Diskussionen.

Der erneute Absturz der Währung folgt Erdogans Forderungen nach einer „wettbewerbsfähigen“ Lira. Ein noch schwächerer Wechselkurs dürfte Investitionen und Arbeitsplätze ankurbeln. Dies sollte die Inflation weiter anheizen, da importierte Waren teurer werden. Allein in diesem Monat hat die Lira gegenüber Dollar und Euro rund ein Viertel ihres Wertes verloren.

Die AKP-Politikerin Zülfü Demirbag riet den Bürgern, statt zwei Kilogramm Fleisch nur noch einen halben Monat zu essen. Statt zwei Kilo Tomaten könnten auch zwei Stück reichen. Gemüse außerhalb der Saison zu essen ist ohnehin nicht besonders gesund. Anfang des Monats hatte Energieminister Fatih Dönmez geraten, die Heizungen herunterzudrehen, um Geld zu sparen. Die Notenbank hatte zuletzt auf Druck Erdogans den Leitzins gesenkt und damit die Lira auf Tiefststände getrieben.

Erdogan vertritt die Ansicht, dass hohe Zinsen entgegen der gängigen Doktrin die Inflation begünstigen. Der Druck auf die Zentralbank dürfte anhalten. Devlet Bahceli, Chef der ultranationalistischen Partei MHP, forderte eine Diskussion über das Ende der Unabhängigkeit der Zentralbank. Die MHP ist Teil der Regierung Erdogans. „Unabhängige Institutionen können nicht über dem Willen des Volkes stehen“, sagte Bahceli. „Die Türkei sollte frei von der Zinslast sein.“

Außerdem forderte er die Türkei auf, sich dem Internationalen Währungsfonds und der „Zinslobby“ zu widersetzen. Die Aussagen dürften das Vertrauen in die Lira und die türkische Wirtschaft weiter schwächen. Erdogan will durch niedrige Zinsen Kredite und Investitionen ankurbeln und könnte vor dem Hintergrund des starken Wirtschaftswachstums 2023 als Präsident wiedergewählt werden.

Nach Ansicht der herrschenden Ökonomen ist der Leitzins hingegen ein wichtiges Instrument im Kampf gegen die hohe Inflation: Zentralbanken erhöhen dann meist den Leitzins, den die Banken in der Regel an ihre Kunden weitergeben. Die beabsichtigte Konsequenz: Die Zahl der Kredite und damit der Geldumlauf sinkt. Die Türkei stöhnt derzeit unter einem hohen Preisanstieg – zuletzt erreichte die Inflation offiziell rund 20 Prozent und gehört damit zu den höchsten der Welt.

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