Sonntag, Mai 22, 2022
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Lufthansa entschuldigt sich bei jüdischen Passagieren, die vom Flug ausgeschlossen wurden

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Auf einem Lufthansa-Flug nach Frankfurt halten sich manche Gäste nicht an die Maskenpflicht. In der Mainmetropole angekommen, wird eine Gruppe jüdischer Fahrgäste an der Weiterfahrt gehindert. Lufthansa entschuldigt sich nun und bedauert die Kollektivstrafe.

Die Lufthansa hat sich dafür entschuldigt, dass sie einer Gruppe orthodoxer Juden in der vergangenen Woche den Weiterflug von Frankfurt nach Budapest verweigert hatte. „Lufthansa entschuldigt sich ausdrücklich bei den Gästen“, teilte die Airline in einem veröffentlichten Tweet mit. „Die Ereignisse entsprechen nicht unseren Werten.“ Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker forderte die Lufthansa-Führung auf, Stellung zu beziehen.

Der Vorfall ereignete sich am vergangenen Mittwoch in Frankfurt/Main. Vorausgegangen sei die wiederholte Absage einiger Passagiere auf dem Flug von New York nach Frankfurt, auch nachdem die Besatzung sie aufgefordert habe, Masken zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu tragen, teilte die Lufthansa am Freitag auf Anfrage mit.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schrieb unter Berufung auf einen Passagier der Lufthansa-Maschine aus New York, dass alle Reisenden, die an Hut und Schläfenlocken als Juden erkennbar seien, von der Weiterbeförderung ausgeschlossen seien – und nicht speziell die Passagiere, die sich daneben benommen hätten.

„Es waren etwa 150 jüdische Passagiere an Bord – 149 trugen eine Maske, einer nicht. Und das hat zu Problemen geführt“, sagte Passagier Itsy Helpern der „Bild“-Zeitung. Laut der Zeitung konfrontierte Helpern einen Lufthansa-Mitarbeiter mit anderen Passagieren in Frankfurt. Ein Video des Gesprächs ist online gelandet. Nach Angaben des Mitarbeiters waren es Juden, die ein Chaos angerichtet hatten. Ein Passagier fragt dann zurück: „Jüdische Menschen haben Probleme auf dem Flug verursacht, also sind alle jüdischen Menschen vom Flug ausgeschlossen?“ Die Antwort: „Nur von diesem Flug.“

In der Lufthansa-Stellungnahme heißt es weiter, dass der Vorfall sehr ernst genommen und intensiv an der Aufklärung des Sachverhalts gearbeitet werde. „Trotzdem bedauern wir, dass die größere Gruppe ihre Reise nicht fortsetzen durfte, anstatt diese Entscheidung auf Einzelpersonen zu beschränken.“

Der hessische Antisemitismusbeauftragte teilte mit, dass offenbar eine ganze Gruppe von Menschen allein wegen ihres erkennbaren Glaubens für etwas verantwortlich gemacht worden sei, das offensichtlich nur einzelne Reisende betreffe. „Das ist diskriminierend und nicht trivial, umso wichtiger ist es, dass sich die Unternehmensspitze persönlich dafür verantwortlich fühlt, sich für diesen Vorfall zu entschuldigen und klar und unmissverständlich Stellung zu beziehen“, sagte Becker. Über ein Gespräch mit der Lufthansa würde er sich freuen. „So etwas darf sich nicht wiederholen.“

(Dieser Artikel wurde erstmals am Mittwoch, den 11. Mai 2022 veröffentlicht.)

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