Montag, September 26, 2022
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Medikamentenengpässe: Über 250 Medikamente können nicht geliefert werden

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Medikamente wie Fiebersirup oder Krebsmedikamente sind zunehmend nicht verfügbar. Die Ausfälle werden immer gravierender, warnt der Deutsche Apothekerverband.

Nach Angaben des Apothekerverbandes sind immer mehr Medikamente in Deutschland nicht erhältlich. „Mehr als 250 Mittel werden derzeit als nicht lieferbar gemeldet“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann, der Nachrichtenagentur dpa. „Das Problem ist sehr wichtig, das muss man deutlich sagen.“

Probleme gibt es nicht nur bei Nischenprodukten, sondern auch bei gängigen Mitteln gegen Bluthochdruck und Diabetes. Außerdem waren Schmerzmittel wie Ibuprofen vorübergehend nicht verfügbar. „Es gibt immer wieder Lieferengpässe, weil ein Produzent ausfällt, aber die Höhe und Länge des Ausfalls ist viel dramatischer geworden“, sagt Hubmann. Vor fünf Jahren waren weniger als halb so viele Produkte betroffen.

Die Liste der Versorgungsengpässe des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArm) listet derzeit 303 Arzneimittel auf. Als mögliche Gründe für die eingeschränkte Verfügbarkeit von Fiebersäften für Kinder mit den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen sieht das BfArm neben dem Rückzug eines Marktteilnehmers auch ein Vertriebsproblem. Zudem ist die Nachfrage nach den betreffenden Medikamenten in diesem Jahr überproportional gestiegen.

Während in vielen Fällen alternative Medikamente mit gleichem oder ähnlichem Wirkstoff gefunden werden können, gibt es manchmal keine Alternative, die den Patienten angeboten werden kann. „Im April und Mai hatten wir einen absoluten Mangel an dem Brustkrebsmedikament Tamoxifen“, sagte Hubmann. Für die betroffenen Frauen sei das ein Risiko, es sei dann „schon gesundheitlich gefährdet“. Als Reaktion auf den Mangel hatten die deutschen Behörden unter anderem empfohlen, kleinere Packungen herauszugeben.

Die Ursachen für die Engpässe sind laut Hubmann vielfältig. Fast alle Anbieter stellten die Produktion von Fiebersaft ein, weil die Produktion aufgrund der Festpreise und des Kassendrucks nicht mehr wirtschaftlich war. „Jetzt gibt es noch einen und er kann mit der Menge nicht umgehen.“

Auch der Branchenverband Pro Generika hatte im Frühjahr vor einer Marktverengung für Paracetamol-Säfte zur Fiebersenkung gewarnt. Während ein Hersteller derzeit fast die gesamte Versorgung in Deutschland sicherstellen muss, gab es vor zwölf Jahren elf Anbieter von flüssigen Paracetamol-Präparaten. Die für die Medikamente bezahlten Festbeträge sind nach Angaben des Branchenverbandes seit zehn Jahren auf dem gleichen Niveau geblieben. Gleichzeitig stiegen jedoch die Preise für Energie, Logistik und Wirkstoffe.

„Die andere Ursache sind Lieferkettenbrüche“, sagt Hubmann. Wirkstoffe werden heute hauptsächlich in Fernost hergestellt, vor allem in China und Indien. Wenn dort wegen Corona Fabriken geschlossen werden oder Frachter die Häfen nicht mehr anlaufen dürfen, kommt es letztlich auch bei Medikamenten, die in Europa hergestellt werden, zu Engpässen. Manchmal konnten Vorräte auch aufgrund von Verunreinigungen nicht verwendet werden.

„Deshalb fordern wir schon lange, dass die Wirkstoffproduktion wieder in Europa stattfinden muss“, sagt Hubmann. Die Politik muss dafür die Voraussetzungen schaffen.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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