Sonntag, Oktober 17, 2021
StartNACHRICHTENMeeresspiegel im Senegal: Der Kampf um Afrikas Venedig

Meeresspiegel im Senegal: Der Kampf um Afrikas Venedig

- Anzeige -


Der steigende Meeresspiegel bedroht die Küsten vieler westafrikanischer Staaten. Der senegalesische Fischerort Saint-Louis gilt als das Venedig Afrikas – die langgestreckte, vom Festland getrennte Insel wird nun ausgebaggert, um den Ozean einzudämmen.

Als dünne Inselzunge gehört sie zur Küstenstadt St. Louis im Norden Senegals. Wellen rauschen zum Strand. Bagger graben, reißen tiefe Löcher in den Boden, türmen Sandberge auf. In der Nähe türmen sich große schwarze Steinblöcke auf – ein kilometerlanger Damm soll St. Louis vor dem Ruin bewahren.

Maguette Bèye Séne ist eine Bewohnerin der langgestreckten Insel, die vom Festland getrennt ist. Er ist zuversichtlich, was die Arbeit angeht, sagt er der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Es ist ein Kampf gegen die Zeit – und gegen das Wasser. Saint-Louis liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Dass sie steigt und steigt, beunruhigt die Küstenstadt. Es erstreckt sich auf beiden Seiten auf einem langen, dünnen Sandstreifen, der als Langue de Barbarie bekannt ist und im Westen und Osten parallel zum Festland verläuft. Mitte des 17. Jahrhunderts von den Franzosen gegründet, wurde Saint-Louis zu einem Zentrum für europäische Händler und spielte eine wichtige wirtschaftliche und kulturelle Rolle in der Region.

Aufgrund ihrer geografischen Besonderheit wird die Inselstadt als Venedig Afrikas bezeichnet und ist bekannt für Architektur aus der Kolonialzeit: bunte Balkonhäuser, zweistöckige Villen – der Fischerort und ehemalige Hauptstadt der französischen Kolonie Senegal gehört zum UNESCO-Welterbe Seite? ˅.

Das ist einer der Gründe, warum St. Louis nicht untergehen sollte. Vizebürgermeisterin Alioune Badara Diop erklärt: „Ziel ist es, mindestens 20 Meter an der Küste zu gewinnen, indem 20 Meter Häuser ab der Schutzmauer abgerissen und dann vier Meter aufgeforstet und den Bewohnern für Freizeitaktivitäten zur Verfügung gestellt werden verlassen, aber nicht bewohnt.“

St. Louis hat über 230.000 Einwohner – darunter Abdourakhmane Guèye. Für seine Heimatstadt sieht er eine düstere Zukunft.

Überschwemmungen und Küstenerosion zehren an der Stadt. Vielen Bewohnern blieb keine andere Wahl, sie mussten angesichts bröckelnder Böden unter ihren Häusern fliehen – viele Bewohner hatten beispielsweise zuvor die Türen und Fenster ihrer Häuser entfernt, um während des Hochwassers nicht eingesperrt zu werden. Thioane Fallhat erklärt, dass viele von ihnen nachts nicht mehr schlafen können, weil sie Angst vor dem Wasser haben.

Wie viele andere lebt sie jetzt in einem der alternativen Camps im Landesinneren. Das Wasser hat hier bereits mehr als 3.200 Menschen obdachlos gemacht – rund 1.500 von ihnen leben inzwischen in einem Vertriebenenlager außerhalb.

Dies bringt weitere Probleme für die oft einkommensschwachen Fischer mit sich. Neben der ohnehin schon körperlich anstrengenden Arbeit müssen sie morgens früher aufstehen, um ans Meer zu kommen.

Für das 100 Millionen Euro teure Staudammprojekt sollen bis zu 15.000 Menschen gezielt umgesiedelt werden. Selbst mit einer Schutzmauer wird St. Louis nur für weniger Menschen bewohnbar sein. Der Geographieprofessor Boubou Aldiouma Sy von der Gaston Berger University der Stadt sagt, Saint-Louis sei ein besonders akutes Beispiel für Probleme, die in mehreren Küstenmetropolen Westafrikas auftreten. Er kritisiert das Bauvorhaben.

Die Seebarriere ist der Versuch Senegals, dem steigenden Meeresspiegel den Krieg zu erklären. Experten wie Professor Boubou Aldiouma Sy fordern alternative Maßnahmen wie mehr Bepflanzung der Küsten und den Bau von Strukturen vor der Küste, um die Erosion umzukehren. Die senegalesische Regierung hat angekündigt, weiter nachhaltigere Lösungen zu prüfen – die aber auch deutlich teurer sind.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare