Sonntag, November 28, 2021
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Merz, Röttgen, Braun – wer macht das Rennen?

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Als letzter der drei Bewerber um den CDU-Vorsitz beantwortete Bundeskanzler Braun Fragen der Mitglieder. Erstens – wie konnte er nach so langer Zeit an Merkels Seite einen neuen Aufbruch signalisieren? – er musste oft antworten.

Wie halten Sie mit der Ampel Schritt? Als Helge Braun gestern Abend im Konrad-Adenauer-Haus den Vorstellungsring betrat, hatte er einen klaren Wettbewerbsvorteil. Die Ampelkoalition ist sich einig. Ihre Ideen für die Zukunft liegen auf dem Tisch. Das war bei der Vorstellungsrunde von Friedrich Merz am Montag nicht der Fall. Und jetzt konnte Helge Braun so richtig loslegen, die Ampel fest anfassen.

Bei Braun klingt das so: „Unsere Werte sind nicht nur gefragt, sondern wir müssen dafür kämpfen, weil gesellschaftspolitische Veränderungen anstehen, die wir nicht akzeptieren können.“ Mit Sorge beobachtete er, dass die Ampel das Werbeverbot für Abtreibungen aufheben wollte. Zum geplanten Umbau der Sozialsysteme, etwa der Ablösung von Hartz IV durch Bürgergeld, sagt Braun: Das ist noch kein bedingungsloses Grundeinkommen, aber das kommt dem schon sehr nahe.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist seit jeher eine Forderung der Linkspartei. Der Unions-Fraktionschef hatte den künftigen Koalitionsvertrag der Ampel daher bereits am Mittwoch als links-gelbes Programm bezeichnet, ebenso der Chef der CSU-Landesgruppe Alexander Dobrindt. Darauf war sich die Fraktion schnell einig. Opposition bedeutet, manchmal verbal scharf zu schießen.

Man merkt, dass Braun nicht seinem Temperament entspricht. Gruppenleiter will er sowieso nicht sein. Doch der Weg an die Spitze der Partei dürfte ihm schwer fallen. Seine Anhänger schätzen seine ruhige Art. Doch Braun muss immer wieder die Frage beantworten, wie er nach so langer Zeit an Merkels Seite einen Aufbruch signalisieren kann. Das ist ein Problem für Braun. Wer dagegen Kontinuität will, ist hier genau richtig.

Braun gelang vor allem, was der Konkurrenz nicht gelang, zwei bekannte Frauen aus der CDU in sein Team zu holen. Mit Serap Güler, dem ehemaligen Staatssekretär für Integration im Kabinett von Armin Laschet, und Nadine Schön, Bundestagsabgeordnete, hat Braun zwei erfahrene Politiker an seiner Seite, die durchaus für Aufbruch und Modernisierung stehen. Dennoch scheinen seine Chancen eher gering. Die neuesten Zahlen der ARD sehen Braun hinter Merz und Röttgen geschlagen.

Am Mittwochabend musste es sich erst einmal selbst aussortieren. Wo ist die richtige Kamera? Eine ungewöhnliche Situation, sieht man Röttgen doch meist als schlagfertigen Redner in Talkshows. In der Vorstellungsrunde im Adenauer-Haus schien er von einigen Fragen etwas überfordert. An den Fragen der Mitglieder in allen drei Einführungsrunden merkt man, dass sie konkrete Antworten wollen. Keine blumigen Eide.

In Sachen Klimaschutz und Atomkraft ist Röttgen wieder in seinem Element und gibt in Migrationsfragen aus. Sie wollte die Spur wechseln. Abgelehnte Asylbewerber könnten auf diese Weise dennoch den Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt finden. Auf diese Weise fügt Röttgen geschickt hinzu, was in seinem Profil in der öffentlichen Wahrnehmung noch fehlte. Mit ihm hat Merz wohl den härtesten Konkurrenten. Röttgen könnte vor allem bei der jüngeren Generation und den Frauen in der Partei punkten. Der CDU-Außenexperte gilt als eloquent und kann einen Modernisierungskurs glaubwürdig vermitteln.

Friedrich Merz will es wie Röttgen noch einmal versuchen. Für ihn ist es bereits der dritte Anlauf. Eine ältere Dame fragt ihn, warum er sich das wieder antun soll? Merz räumt ein, dass es eine gewisse Irrationalität gibt. Der ehemalige Fraktionschef will es trotz aller Untergangsprophezeiungen noch einmal wissen. Und Merz weiß, was die Mitglieder von ihm hören wollen. Ob es eine Obergrenze für die Zuwanderung geben muss, wird er im digitalen Rathaus gefragt. Wie steht er zu Festung Europa? Von Isolation hält er nichts. Eine Obergrenze will er auch nicht nennen.

Doch Merz macht unmissverständlich klar, wohin die Reise mit ihm gehen wird: „Die CDU muss ohne Zweifel die Partei für die innere Sicherheit sein.“ Die meisten Mitglieder erwarten solche Sätze von ihm. Merz soll der Partei wieder mehr Profil verleihen, wünschen sich einige. Die anderen sehen in ihm keinen Neuanfang. Vor allem aber trauen ihm seine Kritiker nicht zu, dass er eigentlich ein Teamplayer ist. Der Kandidat für den CDU-Vorsitz betont dabei immer wieder, dass Teamgeist wichtig ist.

Und Merz weiß auch, was man ihm in der eigenen Partei nicht zuschreibt, nämlich Arbeitnehmervertreter zu sein. Merz will das ändern. Sein Stellvertreter heißt Mario Czaja. Czaja war bereits in Berlin in Regierungsverantwortung. Merz will ihn zum Generalsekretär machen, wenn er Parteivorsitzender wird. Die Chancen sind da.

Merz ist auch nach dem Jüngsten ARD-Umfrage den Favoriten der Basis. Ab heute würden 48 Prozent für ihn stimmen, 20 Prozent Röttgen und 14 Prozent Braun. In der allgemeinen Bevölkerung ist die Reihenfolge gleich. 36 Prozent wollen sich jedoch auf keinen der drei Bewerber festlegen – auch eine Botschaft der potenziellen Wähler. Bis jetzt haben sie mit keinem der drei Kandidaten wirklich Feuer gefangen.



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