Montag, Februar 6, 2023
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Migration: Die Vereinigten Staaten und ihr lateinamerikanisches Dilemma

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Erstmals in seiner Amtszeit reiste der US-Präsident an die Grenze und nach Mexiko. Joe Biden will die illegale Einwanderung abschaffen. Seine Kritiker sind skeptisch.

Schon vor der Reise hatte das Weiße Haus neue Maßnahmen gegen die illegale Einwanderung angekündigt. Bis zu 30.000 Migranten aus Haiti, Kuba, Nicaragua und Venezuela dürfen jeden Monat offiziell in die Vereinigten Staaten einreisen. Gleichzeitig müssen Migranten, die illegal an der Grenze ankommen, in Absprache mit den mexikanischen Behörden abgewiesen werden. Menschenrechtsgruppen haben diese Pläne kritisiert.

Auch bei seinem Besuch an der Südgrenze und in Mexiko wurde dem US-Präsidenten nicht nur Wohlwollen entgegengebracht. Der Gouverneur von Texas überreichte ihm einen Brief, in dem er der Regierung schwerwiegende Mängel in ihrer Einwanderungspolitik vorwarf. Und der mexikanische Präsident forderte auch Joe Biden auf, „das Vergessen, die Vernachlässigung und die Arroganz gegenüber Lateinamerika und der Karibik zu beenden“.

Die Pressekonferenz nach dem „Nordamerika-Gipfel“ wirkte etwas einvernehmlicher. Unter anderem haben die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko ihre Bereitschaft unterstrichen, zusammenzuarbeiten, um das wirtschaftliche und politische Gewicht Nordamerikas weiter zu stärken.

In vielen Ländern Lateinamerikas und der Karibik sehen Millionen Menschen keine Perspektive mehr. Klimawandel, Korruption, Gewalt: Laut einer Studie wandert nur jeder Sechste aus Guatemala in die USA aus. Und so gibt es auch in den betroffenen Ländern Initiativen, um das Leben der Menschen zu verbessern. In der Stadt Santa María Visitación besuchen wir den Sozialarbeiter Marcos Ixtamer. Der Schlüssel liegt für ihn in der Jugend. Sein Herzensprojekt: jungen Menschen zeigen, wie sie im eigenen Land erfolgreich sein können.

Der 42-Jährige leitet das „Centre Quédate“, übersetzt: Das „Zentrum Bleiben Sie hier“. In verschiedenen Klassen lernen junge Menschen Fähigkeiten, die ihnen helfen, hier in ihrem Heimatland einen Job zu finden. Marcos ist überzeugt:

Für viele Jugendliche ist es unmöglich, regelmäßig eine Ausbildungsstätte zu besuchen. Schlechte Infrastruktur, lange Wege. Also sorgte Marcos dafür, dass Lehrer wie in diesem Handwerksbetrieb selbst in die Gemeinden gingen, um sich auszubilden. Immanuel wurde hier zum Schweißer ausgebildet und schließlich auch eingestellt.

Das Quédate Centre läuft so gut, dass die Idee nun auch in andere Gemeinden getragen wird. Unterstützung kommt von den Regierungen Guatemalas und der Vereinigten Staaten. Es ist eines von mehreren Projekten, die darauf abzielen, die Guatemalteken enger an ihr Heimatland zu binden. Und es funktioniert.

Trotz dieser Initiativen suchen vielerorts in Lateinamerika oder der Karibik immer mehr Menschen einen Ausweg oder versinken in der Kriminalität. In vielen Städten dominieren Gangs. Wer stört, stirbt. Und wer sich wehren will, muss wie Juan Sandoval um sein Leben fürchten.

Der 40-Jährige war bis Juli 2021 Antikorruptionsbeauftragter Guatemalas. Er entdeckte die unlauteren Geschäfte des Präsidenten und wurde entlassen. Wir treffen ihn in Washington, DC, wo er im Exil lebt. Während unseres Gesprächs erläutert er seine Sicht auf die Hauptprobleme in seinem Heimatland:

„Die Menschen verstehen, dass korrupte Praktiken Umstände schaffen, die es ihnen unmöglich machen, ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen“, sagte Sandoval.

Die von Juan Sandoval beschriebenen Zustände betreffen viele Länder in Lateinamerika und der Karibik. Und solange diese Probleme nicht an der Wurzel gepackt werden, können selbst die besten Maßnahmen und viel Geld aus den USA nur bedingt helfen, die Notlage von Millionen verzweifelter Menschen zu verbessern.

mmit Material von dpa, ap, AFP, Reuters

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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