Donnerstag, Dezember 1, 2022
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Mobilmachung auf der Flucht: Russen in Georgien: Flüchtlinge geduldet

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Um einer Mobilisierung in Russland zu entgehen, fliehen viele Russen von allen Seiten nach Georgien. Ein Land, das nach dem Krieg zu einem russischen Migrationszentrum geworden ist.

„Die Wahrheit ist mit uns. Russland ist mit uns“, sagte Wladimir Putin am Ende seiner Rede, die er am Freitag vor der Unterzeichnung des Abkommens über die Annexion der vier ukrainischen Regionen gehalten hatte. Da die Teilmobilmachung jedoch am 21. September angekündigt wurde, ist es zweifelhaft, dass tatsächlich ganz Russland hinter Putin steht. Etwa 250.000 Menschen haben das Land aus Angst vor der Einberufung verlassen.

Eines der Hauptziele dieser Flüchtlingsbewegung ist ausgerechnet Georgien geworden. Das Land des Kaukasus, in das Russland 2008 selbst einmarschiert ist und das seit 30 Jahren auch die Schutzmacht der von Georgien losgelösten Gebiete Abchasiens und Südossetiens ist. Etwa 60.000 russische Staatsbürger sind seit der Ankündigung der Teilmobilisierung in das Land eingereist. Zuletzt waren es 10.000 pro Tag.

Allerdings ist es nicht die erste Migrationswelle, die Georgien seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine erlebt. Bereits in den ersten Kriegsmonaten kamen allein bis Juli mehr als 30.000 russische Staatsbürger nach Georgien. Sie hatten schon damals keine Angst vor der Mobilisierung oder Schließung der Grenzen.

Auf diese Weise entging ein Teil der russischen Migranten der Strafverfolgung in ihrer Heimat, die sie wegen ihrer oppositionellen Aktivitäten oder kritischen Äußerungen zum Krieg bedrohte. Was dazu geführt hat, dass Georgien in den letzten Monaten zu einem der Zentren der russischen Opposition geworden ist. Auch der bekannte Oppositionssender TV Rain hat im Land eine neue Heimat gefunden.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Georgier den russischen Einmarsch in die Ukraine neutral oder gar sympathisch mit Russland sehen. „Die Solidarität mit der Ukraine steht hier an erster Stelle“, sagte der deutsch-russische Journalist Maxim Kireev gegenüber ZDFheute. „Sie lesen weiterhin Graffitis an Hauswänden mit Inhalten wie ‚Kaufen Sie keine russischen Produkte‘, ‚Nicht alle Russen sind willkommen‘ oder einfach die aus der Ukraine bekannte Beleidigung ‚Putin Chuilo‘“, fährt der fort Journalist, der derzeit selbst in Georgien ist.

Und auch was die eigenen Erfahrungen betrifft, stehen die Georgier ihrem großen Nachbarn im Norden skeptisch gegenüber. Laut einer im April dieses Jahres durchgeführten Umfrage sehen 90 Prozent der Georgier in Russland die größte politische Bedrohung für ihr Land.

Auch wirtschaftlich sehen 83 % der Georgier Russland als Bedrohung an. Eine weitere Umfrage ergab, dass 66 % der Georgier die Einführung der Visumspflicht befürworten, da die Zahl der russischen Staatsbürger, die in das Land einreisen, zugenommen hat. Das fehlt bisher und ist einer der Hauptgründe, warum Georgien zu einem Reiseziel für Russen geworden ist.

Kritisch zeigte sich auch die Bank of Georgia, die in den ersten Kriegswochen von russischen Kunden, die bei ihr ein Konto eröffnen wollten, die Unterzeichnung einer Erklärung verlangte, in der sie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Putin verurteilte.

„Die meisten Georgier verstehen schon, warum Menschen hier sind. Jeder, der kommen kann und will, soll kommen, aber diese Menschen hier werden nicht als hilfsbedürftige Flüchtlinge behandelt“, resümiert der Reporter.

„Außerdem sehen viele Russen Georgien nur als Durchgangsstation“, sagt Kireev. Die große Frage ist, wie lange Moskau diese Flüchtlingsbewegung toleriert. Noch sind die Grenzen nicht geschlossen, aber der Kreml hat Reservisten zumindest die Ausreise erschwert.

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Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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