Freitag, Juni 24, 2022
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Motivation zur Bewegung "Einfrieren für den Frieden" ist auch gesünder

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Wenn weniger Gas aus Russland kommt, wird das Heizen teurer und möglicherweise schwieriger. Aus gesundheitlicher Sicht sind kühlere Wohnungen auch bei niedrigeren Temperaturen kein Problem – im Gegenteil.

Bei sommerlichen Temperaturen diskutiert Deutschland über kühlere Wohnungen im Winter. Weil nicht klar ist, wie es mit den Gaslieferungen aus Russland weitergeht, gibt es den Vorschlag, dass Mietwohnungen künftig etwas kälter bleiben sollen. Wer sich bei 30 Grad absolut wohlfühlt, dem dürfte die Aussicht auf weniger als 20 Grad im Wohnzimmer einen Schauer über den Rücken jagen. Aber welche Temperatur ist gesund?

Das Umweltbundesamt (UBA) rät den Deutschen seit langem, die Innentemperaturen kühler zu halten: „Die Raumtemperatur im Wohnbereich sollte nicht mehr als 20 Grad Celsius betragen“, so das UBA. Das UBA empfiehlt 18 Grad in der Küche und 17 Grad im Schlafzimmer, schränkt aber ein: „Entscheidend ist in jedem Fall die individuelle Wohlfühltemperatur.“ «Die Temperatur, die wir subjektiv als angenehm empfinden, ist fast immer höher als gut und gesund», sagt Prof. Stephan Vavricka, Facharzt für Innere Medizin am Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie in Zürich.

Etwas zu frieren sei nicht schlimm, im Gegenteil: „Eigentlich wäre es gesund, wenn wir jeden Tag vor Kälte zittern würden, denn das baut Fettgewebe ab.“ Dass der eine bei 25 Grad zittert und der andere bei 20 Grad schwitzt, liegt laut Vavricka an der unterschiedlichen Thermogenese. Dies ist die Fähigkeit, selbst Wärme zu erzeugen. Es entsteht als Nebenprodukt von Stoffwechselprozessen wie der Verdauung oder der Muskelaktivität. Generell gilt, dass dicke Menschen leichter Wärme produzieren könnten als dünne, sagt Vavricka. Daher sind sie in der Regel weniger kälteempfindlich.

Doch das Temperaturempfinden ist unterschiedlich, wie Leonard Fraunberger von der Universität Erlangen-Nürnberg erklärt. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Vizepräsident des Bayerischen Sportärztebundes. Was wie ein Klischee klingt, ist wissenschaftlich bewiesen: Frauen frieren häufiger als Männer. Denn ob einem kalt ist oder nicht, hängt in erster Linie von der Muskelmasse ab: „Mehr Muskeln produzieren mehr Wärme.“

Der eine zieht sich auf dem Sofa die Decke über, der andere zieht den Pullover aus – das liegt laut Fraunberger auch an Faktoren, die man selbst in der Hand hat. Einen großen Einfluss hat zum Beispiel, ob Sie gut geschlafen, genug gegessen und sich ausreichend bewegt haben. „Aus medizinischer Sicht wäre eine niedrigere Raumtemperatur für viele Menschen gut“, sagt die Internistin und Sportmedizinerin Fraunberger: Sie könne die Menschen zu mehr Bewegung und gesünderer Ernährung motivieren. „Sie schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie tun etwas für das Klima und für Ihr Immunsystem, denn regelmäßige Bewegung stärkt das Immunsystem.“

Die optimale Außentemperatur für sportliche Höchstleistungen des Körpers liegt unter 20 Grad, wie der Sportmediziner erklärt. Wenn es kühler ist, verengen sich die Blutgefäße zu den Extremitäten und der Körper gibt weniger Wärme ab. „Andererseits laufen die Prozesse bei Temperaturen über 30 Grad nicht mehr optimal.“ Dass wir wärmere Temperaturen meist als angenehmer empfinden, sehen Fraunberger und Vavricka vor allem als Gewohnheitssache an. In Italien gibt es kaum eine Heizung, in England läuft sie durch jede Ritze – jedem Reisenden fallen Beispiele ein.

Der individuelle „Komfortkorridor“ könne jederzeit nach oben oder unten verschoben werden, sagt Fraunberger. Wer jedoch 25 Grad im Wohnzimmer gewohnt ist, sollte nicht gleich auf 15 umschalten, sondern die Heizung schrittweise um ein Grad herunterregeln. Der Deutsche Wetterdienst sagt nicht nur die Temperatur voraus, sondern gibt auch die „gefühlte Temperatur“ an. Sie wird unter anderem von der Sonneneinstrahlung, der Windstärke und der Luftfeuchtigkeit beeinflusst, wie Andreas Matzarakis vom Zentrum für Medizinische Meteorologische Forschung des DWD erklärt: „Es gibt bis zu 70 Faktoren, die das beeinflussen unser Wärmeempfinden beeinflussen.“

Neben Müdigkeit und Hunger gehören auch Stress und Krankheit dazu, erklärt der Medizinmeteorologe. „26 Grad ist die Temperatur, bei der der Mensch am wenigsten Energie verbraucht“, sagt der Medizinmeteorologe. Dennoch rät auch der DWD zu kühleren Raumtemperaturen – auch aus Gründen des Klimaschutzes. „Mit jedem Grad, das ich die Raumtemperatur absenke, spare ich sechs Prozent Energie“, rechnet Matzarakis vor.

Der Klimawandel macht uns im Sommer ein Problem mit der Kühlung von Häusern, und die drohende Energiekrise kann uns kühlere Winter zu Hause bringen – „aber beides hängt zusammen“. Mit einem Unterschied: Im Gegensatz zum Hitzestress im Sommer lässt sich im Winter leichter etwas gegen das Frieren unternehmen. Sportmediziner Fraunberger empfiehlt, „einfach um den Block zu laufen, dann wirkt die Wohnung gleich viel wärmer“. Internist Vavricka rät, „eine Schicht mehr aufzulegen“. Wer seiner Gesundheit etwas Gutes tun möchte, kann auch vor dem Fernseher Liegestütze machen.

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