Samstag, Dezember 10, 2022
StartNACHRICHTENMuseumsraub in Manching Die Golddiebe waren nach neun Minuten verschwunden

Museumsraub in Manching Die Golddiebe waren nach neun Minuten verschwunden

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Nach dem Diebstahl eines wertvollen Goldschatzes aus dem Keltisch-Römischen Museum im oberbayerischen Manching ermittelt die Polizei in einem Zusammenhang mit den spektakulären Kunstdiebstählen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden und dem Bode-Museum in Berlin. Da ist große Traurigkeit.

Es war eine Sache von nur neun Minuten: Um 1.26 Uhr wurde eine Außenfluchttür des Kelten- und Römermuseums in Manching aufgebrochen, um 1.35 Uhr war der Einbruch in der Nacht zum Dienstag bereits vorbei. Am Tag danach trauert Rupert Gebhard, Sammlungsleiter der Archäologischen Staatssammlung, um die wertvollsten Schätze des Museums: 483 Münzen und eine Goldgusstorte. Der Diebstahl hat Spuren hinterlassen – im Museum und bei den Archäologen. „Es fühlt sich an, als würde man einen alten Freund verlieren“, sagt Gebhard.

Unzählige Glassplitter auf dem Museumsboden am Ausstellungsort der historischen Schätze zeugen von der Tat. Sie stammen aus einer Glasvitrine, die die Täter zerstörten, um an drei weitere, noch größere Münzen zu gelangen. „Es bleibt eine Wunde“, sagt der Obersammlungsdirektor mit trauriger Miene. Bei der Beute handelt es sich um einen Goldschatz von unermesslichem Wert aus dem ersten Jahrhundert vor Christus mit einem Handelswert von rund 1,6 Millionen Euro, wie Gebhard sagt. Dazu die Münzen aus einer weiteren Vitrine.

Die Zeitpunkte des Einbruchs wurden von der Alarmanlage erfasst, wie Vizepräsident des Landeskriminalamts Guido Limmer sagt. Doch der Alarm konnte nicht weitergeleitet werden, weil um 1.17 Uhr – neun Minuten vor dem Einbruch – ein Verteilerknoten für Internet und Telefon nur einen Kilometer vom Museum entfernt sabotiert wurde. In der Folge fielen laut Polizei Telefonie und Internet für rund 13.000 Privathaushalte und Unternehmen in der Umgebung aus. Und vor Ort im Museum gab es nachts keine Wachleute.

Die Sicherheitsmaßnahmen entsprachen den Empfehlungen beim Bau des Museums, betont Limmer. Laut Gebhard gab es nach dem Einbruch im Grünen Gewölbe in Dresden eine weitere Inspektion, um die Qualität der Sicherheitssysteme zu überprüfen. Der Fall aus dem Jahr 2019 spielt in den aktuellen Ermittlungen ebenso eine Rolle wie der Diebstahl einer 100-Kilo-Goldmünze aus dem Bode-Museum in Berlin im Jahr 2017. Man sei mit Kollegen in Berlin und Dresden über die „möglichen Parallelen“ in Kontakt die Fälle, sagte Limmer. Ob es Verbindungen gibt, ist noch unklar.

Gebhard hofft, dass die Münzen wieder auftauchen. Aber sie könnten in einem Hochofen zerstört werden – die „schlechteste Option“, die einen Totalverlust bedeuten würde. Der reine Materialwert des 3,724 Kilo schweren Schatzes wird auf rund eine Viertelmillion Euro geschätzt. Ein Verkauf zu einem viel höheren Handelswert wäre für den oder die Täter nicht einfach: Laut Gebhard sind die Münzen so gut dokumentiert, dass sie jederzeit identifiziert werden könnten.

Sie sind für Archäologen von großem Wert. Der Schatz mit 483 Münzen, der im vergangenen Jahrhundert bei regelmäßigen Ausgrabungen ans Tageslicht kam, ist ein „echtes Schmuckstück“. Laut Gebhard zeigt es die Verbindungen des Manchinger Oppidums zu Böhmen und den Wohlstand seiner Bewohner. Nach diesem Oppidum – der Begriff steht für eine stadtähnliche Siedlung – ist auch die 20-köpfige Sonderkommission benannt, die nun den oder die Täter jagt und wegen Sachbeschädigung und Bandendiebstahl ermittelt. Das LKA geht jedoch nicht davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

Die Ausgangslage ist allerdings schlecht, denn der Einbruch wurde erst Stunden später gegen 9.45 Uhr bemerkt. Nach Internet- und Telefonausfällen wurden noch in der Nacht Streife geschickt. Damals befürchtete die Polizei jedoch noch, dass Banken und Geldautomaten zur Zielscheibe von Kriminellen werden könnten. Dass der Tatort das Museum war, erkannten die Ermittler erst, als dessen Mitarbeiter die Polizei alarmierten. Laut Limmer gibt es derzeit „keine Bilder, die wir für eine Suche verwenden könnten“. Generalstaatsanwalt Nicolas Kaczynski sagte: „Die Ermittlungen stecken noch in den Kinderschuhen.“

Kunstminister Markus Blume bezeichnete den Diebstahl als Angriff auf das bayerische Kulturerbe. Der keltische Schatz sei „von unschätzbarem kulturhistorischen Wert“, sagte der CSU-Politiker. Ende der 1990er Jahre war es ein „Sensationsfund“, der einen Einblick in das Leben der Menschen in Bayern vor mehr als 2000 Jahren gab. „Insofern ist es auch ein Angriff auf unser kulturelles Erbe und auch auf den Kulturstaat“, sagte Blume. „Eines ist klar, in so ein Museum marschiert man nicht einfach rein und nimmt dann diesen Schatz mit.“ Dies sei „hochgradig gesichert und insofern liegt zumindest die Vermutung nahe, dass es sich hier eher um einen Fall organisierter Kriminalität handelt“.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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