Mittwoch, Dezember 7, 2022
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Nach dem Anschlag auf das Van-Gogh-Werk in London wurde der Klimakleber zu einer Gefängnisstrafe verurteilt

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Um mehr Sichtbarkeit für ihre Anliegen zu erzeugen, greifen Klimaaktivisten zunehmend zu unwillkommenen Formen des Protests. So auch zwei Mitglieder der Gruppe Just Stop Oil, die sich an einem Werk des Malers Van Gogh festhielten. Beide wurden nun von einem Londoner Gericht für schuldig befunden.

Der Protest ist radikal, die Aufmerksamkeit groß: Seit Wochen kleben Klimaaktivisten an Kunstwerken oder bewerfen sie mit Tomatensuppe und Kartoffelpüree. Befürworter sprechen von einer Schocktaktik, um das Bewusstsein für die Klimakrise zu schärfen. Für Gegner hingegen sind dies Vandalismushandlungen an den Kunstwerken, die oft Millionen Euro kosten. Doch die Aktionen von Gruppen wie Just Stop Oil lassen kaum jemanden kalt.

In London standen zwei Jugendliche vor Gericht, weil sie sich Ende Juni in der Courtauld Gallery an den Rahmen von Vincent van Goghs Gemälde „Blühende Pfirsichbäume“ geklebt hatten. Der Schaden: fast 2.000 Pfund (2.300 Euro) – dafür muss Louis McKechnie drei Wochen ins Gefängnis. Emily Brocklebank erhielt die gleiche Strafe, wurde jedoch für sechs Monate ausgesetzt. Sie bereut die Aktion nicht. „Wenn es darum geht zu protestieren, bekommt man mit Reden keine Plattform“, sagte der 24-Jährige vor Gericht. „Durch das Kleben entsteht eine Geschichte, der die Medien folgen wollen.“ Kolumnist George Monbiot stimmte in der britischen Zeitung The Guardian zu: „‚Ernsthafte‘ Proteste werden rundweg ignoriert.“

Während Klimaschützer wie Brocklebank und ihr Mitstreiter Louis McKechnie zunächst an Objekten festhielten, gehen sie nun weiter. Am 23. Oktober schütteten Aktivisten der Gruppe „Last Generation“ im Potsdamer Museum Barberini Kartoffelpüree auf Claude Monets Schutzglas-Gemälde „Getreidehaufen“. Im Wiener Leopold Museum wurde das glasgeschützte Gemälde „Tod und Leben“ von Gustav Klimt mit Öl ausgegossen. Ähnliche Angriffe gab es in berühmten Museen in Rom, Melbourne und Canberra.

Als Initialzündung gilt eine Aktion von Just Stop Oil in der Londoner National Gallery, bei der zwei junge Frauen Tomatensuppe in Richtung von van Goghs berühmtem Werk „Sonnenblumen“ warfen. Sie plädierten vor Gericht auf nicht schuldig, am 13. Dezember soll in der britischen Hauptstadt der Prozess wegen Sachbeschädigung beginnen. In Den Haag gab es bereits ein Richterurteil: Drei Männer wurden zu zwei Monaten Haft verurteilt – einer von ihnen zu einer Haftstrafe Bewährung – wegen eines Angriffs auf das Johannes-Vermeer-Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“.

Museen und Galerien weltweit sind alarmiert. „Die verantwortlichen Aktivisten unterschätzen die Zerbrechlichkeit dieser unersetzlichen Objekte, die als Teil unseres Welterbes erhalten werden müssen, grob“, sagten die Leiter von mehr als 100 Kunstinstitutionen in einer gemeinsamen Erklärung. Doch der sensationelle Protest stieß auf Verständnis.

„Die Klimaaktivisten haben zu 1000 Prozent Recht. Und ich unterstütze sie zu 1000 Prozent“, sagte der irische Rockmusiker und Umweltschützer Bob Geldof der Radio Times. Die Aktivisten sind schlau, die eigentlichen Werke nicht zu beschädigen. Die Attacken nerven einfach. „Und ärgern ist ganz gut“, sagte Geldof. „Guardian“-Kolumnist Monbiot fragte rhetorisch: „Interessieren wir uns wirklich mehr für van Goghs Sonnenblumen als für echte?“ Auch Aileen Getty, Enkelin des Ölmagnaten J. Paul Getty, lobte im Guardian die Klimaaktivisten: „Gewaltfreier, ziviler Widerstand funktioniert.“

In London sagte die Aktivistin Brocklebank, sie sei sich sicher, dass der Besitzer des Gemäldes dem Protest zugestimmt hätte. „Jeder gute Mensch würde dem Versuch zustimmen, das Leben auf der Erde zu erhalten.“ Sie haben nicht viel Schaden angerichtet: „Kleber geht wieder ab.“ Ihr Mitstreiter McKechnie sagte während der Kampagne, dass er und sein Vater die Arbeit bewunderten, an der er nun als Kind festhielt. „Ich liebe dieses Gemälde immer noch, aber ich liebe meine Freunde und Familie mehr, ich liebe die Natur mehr“, sagte der 22-Jährige damals.

Vorwürfe gegen einen 21-jährigen Aktivisten, der Sicherheitskräfte abgelenkt haben soll, wurden fallen gelassen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur PA wurde er jedoch zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er nicht vor Gericht erschienen war.

(Dieser Artikel wurde erstmals am Dienstag, den 22. November 2022 veröffentlicht.)

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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