Sonntag, September 26, 2021
StartNACHRICHTENNach dem Präsidentenmord - Haitis Premierminister wird angeklagt

Nach dem Präsidentenmord – Haitis Premierminister wird angeklagt

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Die spektakuläre Ermordung des haitianischen Präsidenten ist zwei Monate später noch nicht aufgeklärt. Mit der Anklage gegen den Interims-Premier könnten die Ermittler nun einen großen Schritt machen.

Nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse hat die Staatsanwaltschaft einen Antrag gegen Interims-Premierminister Ariel Henry gestellt. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den zuständigen Richter hervor, aus dem die Medien einstimmig berichteten. In einem weiteren Schreiben an die Einwanderungsbehörde des Karibikstaates wurde Henry daher auch die Ausreise untersagt.

In dem letztgenannten Brief, der in den sozialen Medien verbreitet wurde, dessen Echtheit zunächst nicht bestätigt werden konnte, gibt es schwere Vorwürfe gegen Henry wegen Moïses Ermordung. Was genau ihm vorgeworfen wurde, war zunächst unklar.

Der 53-jährige Moïse wurde in der Nacht zum 7. Juli in seiner Wohnung von einem schwer bewaffneten Kommando angegriffen und erschossen. Seine Frau Martine wurde dabei erschossen, überlebte aber. Nach Angaben der Polizei haben kolumbianische Söldner den Mord begangen. Dahinter sollen ein in den USA lebender haitianischer Arzt und ein ehemaliger Beamter des haitianischen Justizministeriums stehen. Es gab zahlreiche Festnahmen, aber der Fall ist noch nicht geklärt.

Vor wenigen Tagen hatten lokale Medien berichtet, dass Ermittler Henry eingeladen hatten, in der Nacht des Angriffs Telefonate zu kommentieren, die er mit einem der mutmaßlichen Hintermänner geführt haben soll. Ohne die Vorwürfe direkt anzusprechen, verurteilte Henry am Samstag auf Twitter Ablenkungsmanöver, die seiner Meinung nach Verwirrung stiften und die Justiz behindern sollten.

Moïse hatte Henry weniger als 36 Stunden vor seinem Tod zum siebten Regierungschef seiner Amtszeit ernannt. Henry und sein Kabinett wurden einige Wochen später am 20. Juli nach einem Machtkampf um das Amt vereidigt. Da Haiti seit Anfang 2020 kein beschlussfähiges Parlament hat, konnte der 71-jährige Ex-Innenminister und Neurochirurg nicht verfassungsrechtlich im Amt bestätigt werden. Für den 26. September standen im ärmsten Land Amerikas Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an. Diese werden laut Medienberichten auf November verschoben.

Einige Ermittler im Fall Moïse gaben an, Morddrohungen erhalten zu haben und sich daher zu verstecken. Auch der ursprünglich zuständige Richter trat vor einem Monat zurück – er nannte persönliche Gründe. Lokale Medien berichteten kürzlich über Machtkämpfe in der Regierung – insbesondere zwischen Henry und Justizminister Rockfeller Vincent.

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