Donnerstag, August 11, 2022
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Nach dem Tod eines Arztes in Österreich: "Das ist gezielter Terror"

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Hasskampagnen zielten darauf ab, sie zum Schweigen zu bringen – bis der Arzt Kellermayr tot aufgefunden wurde. Der Autor Brodnig spricht von „Terror“. Das dahinter stehende systemische Problem wird oft nicht ernst genug genommen.

„Gezielter Terror durch radikale Impfgegner und Rechtsextremisten, der einen zermürbt“ – so beschreibt die Autorin Ingrid Brodnig, was die österreichische Ärztin Dr. Kellermayr mit Hass, Hetze und massiven Drohungen erreichte.

Diese Schmutzkampagnen zielen darauf ab, die zum Feind erklärte Person zum Schweigen zu bringen oder sogar zu vernichten. Dahinter stecke ein systemisches Problem, das oft nicht ernst genug genommen werde, so Brodnig. Im unglaublich tragischen Fall von Lisa-Marie Kellermayr endete dieser „Terror“ tödlich.

Es geht darum zu sagen: „Wir wissen, wo du wohnst, und wenn du weitermachst, kann es schlimmer werden“, erklärt Pia Lamberty, Geschäftsführerin des Center for Monitoring, Analysis and Strategy (CeMAS). Die Strategie, Menschen konsequent anzugreifen, wird vom Querdenker-Milieu sehr gezielt angewendet – und zeigt leider in vielen Fällen die gewünschte Wirkung. Viele der Angegriffenen ziehen sich zurück oder äußern sich nicht mehr, da die Gefährdungslage gerade für den Einzelnen schwer einzuschätzen und sehr bedrohlich sein kann.

Es gibt eine Mischung aus Menschen, die zielgerichtet agieren, ständig Drohungen gegen Andersdenkende aussprechen, und Menschen, die ihrem Hass freien Lauf lassen, aber weniger strategisch vorgehen. Lamberty sagte, die Kombination sei „sehr beunruhigend“.

Die österreichische Ärztin Kellermayr hatte monatelang massive Drohungen erhalten: Nachrichten, in denen detailliert beschrieben wurde, wie Kellermayr und ihre Mitarbeiter gefoltert und ermordet werden sollten. Darin steht unter anderem „Ich werde euch hinrichten“ oder „Kreaturen“, da sie vor „Volkstribunale“ gestellt werden.

Sowohl online als auch offline war die Bedrohungslage für die Ärztin so hoch, dass sie auf eigene Kosten Sicherheitsmaßnahmen ergreifen und schließlich ihre Praxis schließen musste. Laut „puls24“ wurden mutmaßliche Patienten immer wieder mit Schmetterlingsmessern vom Sicherheitsdienst abgeführt.

Kellermayr suchte Hilfe bei der Polizei, erstattete Anzeige und machte die Drohungen gegen sie öffentlich. Doch ihre Situation wurde von den Sicherheitsbehörden offenbar nicht ernst genug genommen. Die Polizei in Oberösterreich teilte mit, dass „alle rechtlichen Maßnahmen ausgeschöpft sind“. Ob wirklich genug getan wurde, um Kellermayr zu schützen, muss noch geklärt werden.

„Wenn jemand online die massivsten Drohungen erhält, finde ich die tägliche Patrouille für den Betroffenen wenig beruhigend“, sagt Autor Brodnig. Es wäre ein großer Zufall, genau in diesem Moment dort einen Täter zu finden.

Aus Sicht der Politologin Natascha Strobl haben die Behörden eindeutig versagt. „Sie hat sich an die Polizei gewandt und sie hat sich an ihre Berufsvertretung gewandt. Und beide haben ihr öffentlich gesagt, dass sie so nicht spielen soll, sie will sich nur wichtig machen.“

„Dass Betroffene von solchen Drohungen dann auch noch beschuldigt werden, sich zu sehr damit auseinanderzusetzen, ist eine besonders erschreckende Komponente des Ganzen“, fasst Brodnig die Situation zusammen.

Hier findet eine Täter-Opfer-Umkehrung statt, die leider häufiger vorkommt, sagt Pia Lamberty. „Das ist sehr schwierig, weil es letztlich dazu führen würde, dass demokratische Stimmen den öffentlichen Raum immer mehr verlassen, weil dort aggressive Menschen dominieren. Das kann nicht die Lösung sein.“ Im Gegenteil, eigentlich sollte es darum gehen, demokratische Räume zu stärken.

Während wenige Tage nach Kellermayrs Freitod Tausende Menschen des Arztes gedachten, gab es aus dem Querdenkermilieu wenig Empathie oder Einsicht. Ganz im Gegenteil.

Strobl machte öffentlich, was sie nach Kellermayrs Tod hasste. In einer Nachricht an sie hieß es unter anderem: „Du schäbige Hure! wann machst du endlich den Kellermayr?

Seit Beginn der Pandemie sind insbesondere Menschen aus dem Gesundheitswesen und der Wissenschaft von massiven Drohungen sowie verbalen und körperlichen Angriffen betroffen. Das Bundeskriminalamt stuft „Impfgegner oder Corona-Leugner“ nun als „relevantes Risiko“ im Zusammenhang mit Angriffen auf Impfstellen oder Arztpraxen ein.

Auf Telegram gibt es Gruppen, deren einziger Zweck es ist, die Namen von impfenden Ärzten zu verbreiten. Auf diese Weise werden Ärztinnen und Ärzte als Individuen für ihre medizinische Arbeit öffentlich an den Pranger gestellt und als Feinde gebrandmarkt. „Und dann hagelt es plötzlich negative Bewertungen bei Google, oder man bekommt Anrufe und wird beleidigt und niedergemacht“, erklärt Lamberty. Wer sich zum Beispiel für Impfungen einsetzt, könnte plötzlich zur Zielscheibe werden.

Kellermayr geriet auch in den Fokus radikaler Impfgegner und Rechtsextremisten. Ein Tweet von ihr über Impfgegner, die den Haupteingang und Rettungsausgang einer Klinik im oberösterreichischen Alpenvorland in Wels blockierten, bezeichnete die oberösterreichische Polizei als „Falschmeldung“ – es gebe einen weiteren Eingang zum Krankenhaus, hieß es . Kellermayrs Tweet mit der Antwort der Polizei verbreitete sich rasant in einschlägigen Telegram-Gruppen – über den Arzt brach eine Flut von Beleidigungen, Verleumdungen und Drohungen los. Die oberösterreichische Polizei ist der Aufforderung zur Löschung des Tweets noch nicht nachgekommen.

Die Querdenker-Szene ist im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv. Auch wenn es einige regionale Besonderheiten und Akteure gebe, könne man nicht von einem rein deutschen oder rein österreichischen Phänomen sprechen, erklärt Brodnig.

Die Grenzen der Querdenker-Szene verschwimmen. „Wir sehen es immer wieder: Die Täter sitzen dann in einem anderen Land oder die rechte Webseite, die es übertreibt, kommt aus einem anderen Land.“ Das Schwierige ist, dass grenzüberschreitende Hassreden oft eine Hürde für die Strafverfolgung darstellen. „Es besteht die Gefahr, dass die Gerichtsbarkeit endet oder das Verfahren überraschend schnell einfach eingestellt wird.

Obwohl die Corona-Maßnahmen zurückgenommen und die Impfpflicht in Österreich ausgesetzt wurde, ist der Hass geblieben. „Dieses Milieu, diese Menschen und ihre Feindbilder sind immer noch da. Es ging nie wirklich um Corona. Es geht darum, Demokratien zu zerstören, Menschen zum Schweigen zu bringen, sie zu bedrohen“, sagt Sozialpsychologe Lamberty.

„Ich finde es ziemlich naiv zu glauben, dass das jetzt einfach weg ist – auch der Ansatz in Österreich, dass man die Impfpflicht abschafft, um Gräben zu füllen.“ Indem Sie auf die Impfgegner reagieren, erreichen Sie das Gegenteil. Das Milieu fühlt sich dadurch aufgewertet und hat das Gefühl, einen politischen Erfolg erzielt zu haben. „Wenn ich in den Herbst blicke, bereitet mir das Kopfzerbrechen, weil ich nicht nur mit einer Mobilmachung rechne, sondern meist auch mit einer erhöhten Bedrohungslage einhergeht.“

Derzeit gibt es weder in Deutschland noch in Österreich genügend Schutzkonzepte, um angemessen auf die Verrohung der Gesellschaft reagieren zu können. Es ist immens wichtig, dass Politiker und Sicherheitsbehörden die Strategien der Szene erkennen, verstehen und ernst nehmen. Rechtsextreme Ideologien müssen klar ausgesprochen werden, man kann hier nicht von „normalen Menschen“ sprechen, die sich nicht impfen lassen wollen. „Das sind Akteure, die dieses Thema nutzen, um ihre eigenen Ziele voranzutreiben“, warnt Lamberty.



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Abgel T
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Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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