Dienstag, Dezember 6, 2022
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Nationalisten tief gespalten Putin steckt laut ISW-Experten in einem Dilemma

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Die Rückschläge für die russische Armee in der Ukraine sorgen nun für viel Streit zwischen Putin-Anhängern: Militär, Hardliner und Propagandisten sind sich uneins darüber, wie die Kriegsstrategie optimiert werden soll. Experten zufolge könnte dies auch Putins Machtbasis schaden.

Nach den militärischen Misserfolgen in Lyman und Charkiw und der chaotischen Mobilisierung ist offenbar ein Machtkampf zwischen russischen Militärs, Hardlinern und Propagandisten entbrannt. Laut der US-amerikanischen Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) hat Russlands Präsident Wladimir Putin es aus gutem Grund vermieden, Partei zu ergreifen. Der Kreml-Chef steckt Experten zufolge in einem Dilemma. Er kann keine der Gruppen entfremden, ohne seine Machtbasis zu gefährden.

Wie die ISW berichtet, gibt es mittlerweile drei Lager: Auf der einen Seite die Hardliner der Silowiki-Gruppe um den tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow und den Chef der Wagner-Söldner, Jewgeni Prigoschin, die vor allem für die militärische Führung um General Alexander verantwortlich sind Lapin für die Niederlage in Lyman sorgen. Zweitens das militärische Establishment um Verteidigungsminister Sergej Schoigu, das die institutionalisierte Basis für die Fortsetzung des Krieges bildet. Und drittens die Milblogger, die die russische Öffentlichkeit für den Krieg schlagen.

Während Siloviki und die Mehrheit der Milblogger eine radikalere Kriegsführung fordern, drängen Militärbeamte und Kriegsveteranen laut Experten auf eine Umstrukturierung des Militärkommandos und des Verteidigungsministeriums hin zu einer konventionelleren und traditionelleren Kriegsbasis. Allerdings kann es sich Putin nicht leisten, der Führung von Schoigu die Macht zu entziehen – ohne zu riskieren, dass sich das Militär gegen ihn wendet. Gleichzeitig will er die Hardliner nicht vor den Kopf stoßen, weil er die „Kadyrowiten“ und die Wagner-Söldner für den Kampf in der Ukraine braucht.

Diese Zersplitterung unter den Putin-Anhängern könne „innenpolitische Auswirkungen haben und sogar die Stabilität von Putins Regime beeinträchtigen“, schreiben die Experten. „Putin wird die sich gegenseitig ausschließenden Forderungen der verschiedenen Gruppen nicht erfüllen können.“ Auch deshalb versucht der Kreml derzeit, die Verantwortung für die Niederlage in Lyman auf das Kommando des Wehrkreises West und den bereits abgesetzten Generaloberst Alexander Schuravlew abzuwälzen. Zhuravlev soll bereits durch Roman Berdnikov ersetzt worden sein.

Russische Milblogger verteidigten die vom Kreml ernannten Kommandeure und verteidigten Lapin gegen Kadyrows Angriffe, berichtet ISW. Doch selbst in dieser einflussreichen Community herrscht mittlerweile Uneinigkeit über die richtige Kriegsstrategie. „Milblogger haben damit begonnen, zunehmend die militärischen Qualifikationen der anderen in Frage zu stellen, um Empfehlungen für die russischen Streitkräfte auszusprechen“, sagten die Experten. Im Mittelpunkt ihrer Kritik steht jedoch nach wie vor das Verteidigungsministerium – also die politischen Entscheidungsträger.

„Putin kann es sich nicht leisten, die Unterstützung einer dieser Gruppen zu verlieren, und er kann es sich nicht leisten, sie alle zufrieden zu stellen, während der Krieg weiter tobt und die russischen Truppen weiterhin Verluste erleiden“, fasst der ISW seinen Bericht zusammen. Die Risse in Putins Unterstützerkreis stehen nun allen Russen offen. Es sei nicht auszuschließen, dass bei manchen der Eindruck entsteht, Putin habe seine eigene Basis nicht mehr vollständig im Griff – „mit schwer absehbaren Folgen für sein Regime“, so die Experten.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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