Montag, Januar 30, 2023
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Neue Eskalationsstufe erreicht Vatikanische Brände gegen deutsche Reformwünsche

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Der Synodale Weg setzt sich seit Jahren für mehr Liberalität in den deutschen Kirchen ein. Elementares Ziel ist die Einrichtung eines Konzils, in dem neben Bischöfen auch Laien sitzen sollen. Die mächtigsten Stimmen im Vatikan lehnen diesen Plan nun offenbar entschieden ab.

Der Vatikan und die deutschen Katholiken bleiben auf Konfrontationskurs. Nach der Intervention einiger konservativer deutscher Bischöfe sprach sich die Kirchenleitung in Rom gegen ein Kernelement der in Deutschland angestrebten Reformen aus. Ein Synodalrat als ständiges Leitungsgremium, in dem Kleriker und Nichtkleriker gemeinsam entscheiden, ist daher nicht zulässig. In einem Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, stellten hochrangige Vertreter des Vatikans klar, „dass weder der Synodalweg noch ein von ihm eingerichtetes Gremium noch eine Bischofskonferenz die Befugnis haben, die Synode zu errichten auf Landes-, Diözesan- oder Gemeindeebene“.

Synodaler Weg heißt der seit 2019 laufende Reformprozess, der Anfang März in Frankfurt/Main abgeschlossen werden soll. Die damals zum fünften Mal tagende Synodenversammlung beschloss jedoch, dass Bischöfe, kirchliche Mitarbeiter und sogenannte Laien – die einfachen Gläubigen in den Gemeinden – auch danach weiter miteinander reden sollen. Dazu ist der Synodenrat vorgesehen, der bis 2026 von einem Synodenausschuss vorbereitet werden soll.

Allerdings hatte der Vatikan bereits im vergangenen Sommer deutlich gemacht, dass die Deutschen nicht befugt seien, neue Führungsstrukturen zu schaffen. Nun wandte er sich gezielt gegen den Synodenrat. Der Brief ist von drei der mächtigsten Kardinäle der Kurie unterzeichnet: Pietro Parolin, Luis Francisco Ladaria Ferrer und Marc Ouellet. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass Papst Franziskus ihre Position unterstützt.

Auslöser der Intervention des Vatikans war ein Schreiben des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki und der Bischöfe von Eichstätt, Augsburg, Passau und Regensburg, die alle dem Reformprozess des Synodalen Weges skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Sie hatten den Vatikan gefragt, ob sie sich an den Vorbereitungen des Synodenrats beteiligen müssten.

Die Mehrheit der Bischofskonferenz scheint jedoch nicht nachgeben zu wollen. Dessen Vorsitzender Bätzing bezeichnete die Sorge des Vatikans, der Synodenrat könne sich über die Bischofskonferenz stellen oder die Autorität der einzelnen Bischöfe untergraben, als „unbegründet“. „Niemand stellt die Autorität des Episkopats in Frage“, versicherte er.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das als Laienvertretung gemeinsam mit der Bischofskonferenz den Reformprozess organisiert, unterstützte Bätzing. Wenn die Bischöfe von Köln, Augsburg, Passau, Regensburg und Eichstätt nicht am Synodalausschuss teilnehmen wollten, sei das ihre Entscheidung, sagte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp. Doch die katholische Kirche in Deutschland brauche dringend Strukturreformen: „Wir brauchen mehr Teilhabe, eine gerechte Kirche und ein klares Ja zur Vielfalt.“

Das hält Kirchenrechtler Thomas Schüller nun für eine Illusion. „Die synodal aufblühenden Träume von der Bildung eines Synodenrates auf Ebene der Bischofskonferenz, der sich zu gleichen Teilen aus Bischöfen und Gläubigen zusammensetzen sollte, um gemeinsam zu beraten und zu entscheiden, sind durch das päpstliche Veto zunichte gemacht worden“, sagte Schüller . Da sich der Papst die Entscheidung der drei Kardinäle in der Kurie zu eigen gemacht hat, ist sie nicht mehr anfechtbar.

Synodalität bedeutet in den Augen des Papstes, dass jeder konsultieren kann, aber nur er und die Bischöfe entscheiden können. Der Vorfall zeigt auch, warum Kardinal Woelki trotz aller Vorwürfe gegen ihn noch im Amt ist: „Eine deutsche Phalanx, die allen heiklen Reformbemühungen widersteht“, bleibt mit ihm gesichert. Der synodale Weg strebt Reformen in den Bereichen der Stellung der Frau in der Kirche, dem Umgang mit der Macht, der katholischen Sexualmoral und der vorgeschriebenen Ehelosigkeit der Priester (Zölibat) an. Der Vatikan lehnt die gewünschten Neuerungen ab und sieht sogar die Gefahr einer Kirchenspaltung.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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