Dienstag, August 9, 2022
StartNACHRICHTENNeue Studie: Wie Biogas die Gaskrise entschärfen könnte

Neue Studie: Wie Biogas die Gaskrise entschärfen könnte

- Anzeige -


Experten gehen davon aus, dass bis zu 46 Prozent der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken durch Biogas gedeckt werden können. Insgesamt könnte sich der Anteil von Biomethan am deutschen Gasmarkt verdreifachen.

Bisher hat Biomethan, also aufbereitetes Biogas, am deutschen Gasmarkt lediglich einen Anteil von einem Prozent. Dieser Anteil könnte aber mittelfristig auf rund drei Prozent steigen, wie eine Kurzstudie des Deutschen Biomasseforschungszentrums in Leipzig und des Wuppertal Instituts zeigt.

Auch ohne die Verarbeitung zu Biomethan kann Biogas bei der Verstromung vor Ort zu einer flexiblen Stromerzeugung beitragen. Laut der Studie könnten bis zu 46 Prozent der derzeit von Gaskraftwerken erzeugten Stromproduktion aus Biogas gedeckt werden. Auftraggeber waren das Leipziger Energieunternehmen Energy2market und das Berliner Beratungsunternehmen DWR eco.

Die Bundesregierung strebt in der Gaskrise einen stärkeren Beitrag erneuerbarer Energien an, um Erdgas aus dem Stromsektor zu verdrängen. „Insbesondere die Biogasproduktion soll ausgebaut werden, indem unter anderem die vorgegebene Jahreshöchstproduktion der Anlagen ausgesetzt wird“, kündigte das Wirtschaftsministerium vor knapp zwei Wochen an.

Sandra Rostek, Leiterin des Bioenergiebüros der Hauptstadt, begrüßte die Äußerungen des Bundeswirtschaftsministers als „ermutigendes und positives Signal“, wies aber auch auf zahlreiche Umsetzungshemmnisse hin. Um möglichst viele Hemmnisse aus dem Weg zu räumen, sind aus Sicht des Biogasverbandes Vereinfachungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie im Bau- und Genehmigungsrecht erforderlich.

Werden diese umgesetzt, könnten kurzfristig rund 20 Prozent des aktuellen Biogasanlagenbestands mobilisiert werden, was laut Verband insgesamt 19 Milliarden Kilowattstunden Gas oder sieben Milliarden Kilowattstunden Strom plus Wärmeerzeugung entspricht.

Auch die Kurzstudie des Deutschen Biomasseforschungszentrums Leipzig und des Wuppertal Instituts verdeutlicht die hohen Hürden für den erweiterten Einsatz von Biogasanlagen. Die Kapazität der Anlagen müsste um ein Vielfaches erhöht werden, um sie flexibel einsetzen zu können.

„Die notwendige Flexibilität im Energiemanagement würde Anlagenbetreiber vor schwer zu realisierende technische und wirtschaftliche Herausforderungen stellen“, sagt Jakob Medick von DWR eco. Staatliche Anreize sind daher notwendig, damit Biogas die Funktion von Erdgas im zukünftigen Stromsystem teilweise übernehmen kann.

Diese Anreize könnten vor allem mittelfristig wirken. Die Autoren der Studie halten es für möglich, dass Biogasanlagen im Jahr 2035 mit Erdgas betriebene Ersatzkraftwerke ersetzen können, wenn der Strom in Deutschland fast vollständig aus erneuerbaren Energien kommen soll. Diese Kraftwerke sollen flexibel und kurzfristig eingesetzt werden, wenn beispielsweise zu wenig Wind- und Solarstrom zur Verfügung steht.

Nach Angaben der Bioenergiewirtschaft gibt es in Deutschland knapp 10.000 Biogasanlagen, die jährlich rund 95 Terawattstunden (TWh) Biogas produzieren. Davon werden rund 85 TWh vor Ort in Strom und Wärme umgewandelt und rund 10 TWh ins Gasnetz eingespeist. Laut Hauptstadtamt für Bioenergie produzieren die meisten Anlagen aufgrund verschiedener Restriktionen nicht die technisch maximal mögliche Menge an Biogas.

Greenpeace kritisierte zuletzt den verstärkten Einsatz von Biogasanlagen. „Biogas ist keine Alternative zu Erdgas. Denn der Anbau von Energiepflanzen verdrängt die Nahrungsmittelproduktion und jeder weitere Druck auf natürliche Ökosysteme gefährdet die Biodiversität“, beklagte die Nichtregierungsorganisation kürzlich in einer Stellungnahme.



Quelllink

Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare