Samstag, Oktober 1, 2022
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Nicht auf Impfung warten Immunologe rät Risikopatienten zur BA.1-Auffrischung

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Viele Menschen sind verunsichert: Sollen sie auf den bereits zugelassenen Impfstoff gegen die omicron-Variante BA.1 zurückgreifen? Oder ist es besser, auf den erwarteten Impfstoff gegen BA.4/BA.5 zu warten? Immunologe Watzl rät Risikopatienten, nicht zu lange zu zögern.

Nach der Zulassung eines weiteren omicron-Boosters in der EU rät der Immunologe Carsten Watzl Risikogruppen, nicht auf dessen Verfügbarkeit in Deutschland zu warten. „Wer unter die bisherige Empfehlung der Ständigen Impfkommission für eine zweite Auffrischimpfung fällt, sollte jetzt den an die omicron-Unterlinie BA.1 angepassten Impfstoff nehmen, der dieser Tage bei den Hausärzten eintrifft“, so der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Diese Personen, wie etwa Personen über 60 und/oder Personen mit bestimmten Vorerkrankungen, sollten nicht wegen mehrerer offener Fragen wochenlang auf das etwas neuere Präparat warten.

Ein Expertengremium der EU-Arzneimittelbehörde EMA hat am Montag eine Empfehlung zur Zulassung eines Boosters von Biontech/Pfizer herausgegeben, der an die aktuell kursierenden Unterlinien BA.4/BA.5 angepasst ist. Die Europäische Kommission erteilte daraufhin umgehend die Genehmigung. Anfang September wurden an die Variante BA.1 angepasste Impfstoffe zugelassen. Aber BA.1 spielt in Deutschland schon lange keine Rolle mehr. Sowohl die an BA.1 angepassten als auch die an BA.4/BA.5 angepassten Impfstoffe berücksichtigen auch das ursprüngliche Sars-CoV-2. Das Ziel ist ein breiterer Schutz.

Zu der häufig gestellten Frage, welcher der beiden neuen Impfstoffe besser sei, gebe es keine Daten, sagte Watzl. In Tierversuchen waren die jeweiligen Ergebnisse ähnlich, aber es gab keine direkten Vergleiche. „Insofern ist es für mich offen, wie viel Vorteil der auf BA.4./BA.5 angepasste Impfstoff wirklich bringt.“ Die Wirksamkeit hängt auch davon ab, welche Corona-Varianten in den nächsten Monaten kursieren – aktuell ist aber unklar, in welche Richtung sich das Virus entwickeln wird. Für jüngere, immungesunde Menschen und Menschen, die im Sommer eine Corona-Infektion durchgemacht haben, sehen Experten derzeit keine Notwendigkeit für einen omicron-Booster. „Es wäre überraschend, wenn uns BA.4/BA.5 im Herbst und Winter beschäftigen würden. Irgendwann kommen neue Varianten“, sagt der Dortmunder Immunologe. Bei den beiden derzeit international beobachteten omicron-Sublinien BA.2.75 und BA.4.6 sieht er hierzulande kein Verbreitungspotential.

Für eine bessere Passform des Impfstoffs angesichts der aktuellen Varianten wurden insbesondere zwei Datensätze zur Zulassung herangezogen, wie Watzl beschrieb: Daten aus Studien an Personen mit dem BA.1-Impfstoff und Ergebnisse des BA.4/BA.5 Impfstoff aus Studien mit Mäusen zur Immunantwort. Dass gerade für den neusten Impfstoff nur Daten von Mäusen, nicht aber von Menschen vorliegen, dürfe nicht überbewertet werden, sagte Watzl. „Dies ist weder ein riesiges Menschenexperiment noch ein experimenteller Impfstoff.“ Der BA.4/BA.5-Impfstoff ist gegenüber dem BA.1-Impfstoff und letztlich auch gegenüber dem Originalpräparat minimal verändert. Zudem seien sehr seltene Nebenwirkungen auch in klinischen Studien mit mehreren hundert Probanden nicht zu erfassen, sagte Watzl. „Neue, antigenspezifische Nebenwirkungen sind in diesem Fall aber nicht zu erwarten. Sonst müssten sie auch bei Infektionen mit dem Virus auftreten.“

Watzl bekräftigte seinen Wunsch nach einer baldigen STIKO-Empfehlung zu den angepassten Impfstoffen. „Die Leute wollen wissen, was zu tun ist.“ Er hofft, dass das Gremium nicht auf Bewerbungsdaten aus den USA (BA.4/BA.5) und Großbritannien (BA.1) warten wird.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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