Dienstag, August 9, 2022
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Noch nicht in Russland will sich Scholz die Gasturbine anschauen

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Normalerweise verlaufen die Wartungsarbeiten an der Nord Stream 1-Pipeline lautlos, aber mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und westlichen Sanktionen wird eine reparierte Turbine zum Politikum. Auf dem Weg von Kanada nach Russland sitzt sie derzeit in Mülheim an der Ruhr fest. Bundeskanzler Scholz ist auf dem Weg dorthin.

Im Gasstreit mit Russland will Bundeskanzler Olaf Scholz heute die Turbine für die Pipeline Nord Stream 1 begutachten, die in Mülheim an der Ruhr auf dem Weg von Kanada nach Russland gelagert wird. Das teilte der Energietechnikkonzern Siemens Energy mit. Die Turbine sei bereit für den Weitertransport nach Russland, hieß es.

In einem Interview mit der kanadischen Zeitung „The Globe and Mail“ verteidigte Scholz die wegen der Umgehung von Sanktionen umstrittene Lieferung. „Durch die Lieferung der Turbine haben wir Putins Bluff entlarvt“, sagte er. „Er kann diesen Vorwand nicht mehr verwenden und keine technischen Gründe mehr für die fehlenden Gaslieferungen vorbringen.“ Scholz verteidigte den wegen der Turbinenlieferungen unter Druck geratenen kanadischen Premierminister Justin Trudeau. „Für mich ist die Kritik an Justin Trudeau und seiner Regierung völlig unbegründet“, sagte er. „Die Entscheidung, die Turbine zu liefern, ist kein Gefallen für Gazprom, sondern ein starkes Zeichen der Unterstützung für Deutschland und Europa.“

Nach der Turbinenbesichtigung der Bundeskanzlerin wird Außenministerin Annalena Baerbock am Mittwoch ihren Antrittsbesuch in Kanada machen – ausnahmsweise nicht in der Hauptstadt Ottawa, sondern in Montreal, der Heimatstadt von Außenministerin Melanie Joly. Die Turbine wurde in der Metropole der Provinz Québec gewartet, ein Besuch des Ministers im dortigen Werk von Siemens Energy ist jedoch nicht geplant.

Die Wartung und Verschiffung der Nord Stream 1-Turbine hatte in den vergangenen Wochen in Kanada für Aufregung und Druck bei Premierminister Justin Trudeau gesorgt. Mit der Auslieferung umging Ottawa seine eigenen Sanktionen gegen Moskau und verärgerte damit auch die ukrainische Führung. Der parlamentarische Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten untersucht derzeit den Vorgang – dort soll am Donnerstag unter anderem Außenministerin Joly aussagen. Auch die deutsche Botschafterin Sabine Sparwasser hat sich zu einer Stellungnahme bereit erklärt. Der einflussreiche Weltkongress der Ukrainer, der Ukrainer in aller Welt vertritt, kündigte Mitte Juli sogar an, die Regierung auf Rückgabe der Turbine zu verklagen.

Seit Juni hat Russland die Gaslieferungen über Nord Stream 1 gedrosselt. Der Energiekonzern Gazprom begründete dies mit der fehlenden Turbine. Laut dem russischen Energiekonzern Gazprom ist es wichtig, um den Druck aufzubauen, der nötig ist, um das Gas durchzupumpen. Gazprom hat seinem Vertragspartner Siemens Energy wiederholt vorgeworfen, nicht die notwendigen Unterlagen und Informationen zur Reparatur der Maschine geschickt zu haben. Siemens Energy hatte die Vorwürfe von Gazprom zurückgewiesen.

Russland hofft laut Kreml angesichts der reduzierten Gaslieferungen durch die Pipeline auf eine baldige Rückgabe der reparierten Gasturbine. Laut Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck ist sie seit dem 18. Juli in Deutschland.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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