Samstag, Mai 21, 2022
StartNACHRICHTENNS-Bezüge weg, Städtenamen zurück DIN veröffentlicht neue Rechtschreibtabelle

NS-Bezüge weg, Städtenamen zurück DIN veröffentlicht neue Rechtschreibtabelle

- Anzeige -


A wie Aachen. Der neu gestaltete Standard zum „Ansagen und Diktieren von Texten und Zeichen“ verwendet fast ausschließlich die Namen bekannter Städte. Damit löst sich das Deutsche Institut für Normung (DIN) von alten Konventionen aus der NS-Zeit.

Stuttgart hat es nicht geschafft, auch Augsburg blieb auf der Strecke. Und Bremen ist das einzige Bundesland, das nicht dabei ist. Künftig werden Buchstaben von A wie Aachen bis Z wie Zwickau geschrieben. Nach intensiven Beratungen hat das Deutsche Institut für Normung (DIN) die neue Rechtschreibtabelle in B für Berlin veröffentlicht. Die DIN 5009 für „Ansagen und Diktat von Texten und Schriftzeichen“ verwendet mittlerweile fast immer Städtenamen. Bisher wurden Vornamen verwendet, wie C für Caesar oder E für Emil. 16 Männernamen standen sechs Frauennamen gegenüber. Einschließlich des X für den negativen Namen Xanthippe. Die Frau des griechischen Philosophen Sokrates ist – ohne historische Belege – der Inbegriff einer streitsüchtigen Frau. Es wurde durch Xanten in Nordrhein-Westfalen ersetzt.

Aus Sicht des Instituts entspreche die ungleiche Namensverteilung „nicht der heutigen Lebenswirklichkeit“. Gleichzeitig schien es nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen geschlechtergerecht darzustellen. Städtenamen sollten ein guter Kompromiss sein. „Städtenamen sind sehr einprägsam und im Gegensatz zu Vornamen keiner Modeerscheinung unterworfen“, sagt das DIN-Team. Jungen Menschen etwa oder einer zunehmend von Migranten geprägten Gesellschaft dürfte K wie Köln eher vertraut sein als die bisherige K wie Konrad.

Es gibt also kein Zurück zum alten N wie Nathan. Die Nationalsozialisten hatten den jüdischen Vornamen durch Nordpol ersetzt, das sie als Herkunftsort der Arier betrachteten. Der Buchstabe N steht künftig für Nürnberg. Im Laufe der Diskussion kündigte das Institut jedoch an, symbolisch eine weitere Tafel zu veröffentlichen, die auf die Weimarer Republik zurückgeht und jüdische Vornamen enthält.

Anstoß für die Neugestaltung der Rechtschreibtabelle war auch ein Tipp des baden-württembergischen Antisemitismusbeauftragten Michael Blume. Während der NS-Zeit wurden alle jüdischen Namen auf der Tafel ersetzt. Feuerwehrleute, Sekretärinnen, kaufmännische und andere Berufe, die noch die Rechtschreibtafel für ihre Kommunikation nutzen, wünschten sich laut Institut nun etwas aus ihrem Lebensumfeld. Dazu gehören deutsche Städte.

Aber auch die Auseinandersetzung mit einer möglichen Überarbeitung der Rechtschreibtabelle hatte Diskussionen ausgelöst. Die Anwendung des Standards und der Alphabettabelle sei freiwillig, hieß es in einer Mitteilung. Es ist in erster Linie für Wirtschaft und Verwaltung gedacht. International wird sowieso anders geschrieben, basierend auf Englisch.

Gegenüber einem ersten Entwurf hat die eingesetzte Kommission neun weitere Städtenamen ersetzt. So musste Augsburg Aachen weichen, um den Doppellaut „Au“ zu Beginn zu vermeiden. Ein ähnliches Schicksal ereilte Stuttgart mit seinem „St“. Jetzt heißt es: S wie Salzwedel. Andere Großstädte wie Berlin, Hamburg und München setzten sich durch. Die Umlaute Ä, Ö, Ü haben keine Städte bekommen. Wenn Sie beispielsweise ein Ü buchstabieren möchten, können Sie jetzt „Umlaut Unna“ eingeben.

Also jetzt nur Städte? Fast. Für das Y nutzt das DIN-Team weiterhin das Y. Yach- oder Yorck-Gebiet wäre auch möglich gewesen. Allerdings hätte das kleine Dorf im Schwarzwald oder der Kreis Chemnitz in der um Klarheit bemühten Rechtschreibtabelle die eine oder andere Forderung erhoben.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare