Donnerstag, Januar 27, 2022
StartNACHRICHTENNummer unterdrückte oft Beschwerden über Verkaufsanrufe, die ihren Höhepunkt erreichten

Nummer unterdrückte oft Beschwerden über Verkaufsanrufe, die ihren Höhepunkt erreichten

- Anzeige -


Telefonische Werbung ist illegal, es sei denn, die angerufene Person hat vorher ihr Einverständnis gegeben. Dennoch erhalten zahlreiche Verbraucher solche Anrufe. Im vergangenen Jahr haben sich mehr Menschen darüber beschwert als je zuvor. Höhere Bußgelder sollen das Problem eindämmen.

Laut Statistik haben Werbeanrufe in Deutschland noch nie so viel Ärger gemacht wie im vergangenen Jahr. Bei der Bundesnetzagentur gingen nach Angaben der Bonner Behörde 79.702 Beschwerden wegen unerlaubter Telefonwerbung ein, ein Viertel (26 Prozent) mehr als im Vorjahr. Der bisherige Höchststand von 63.273 Beschwerden wurde im Jahr 2020 verzeichnet.

Bei den unerwünschten Anrufen ging es um Versicherungen, Finanzprodukte und Energieverträge. Auch Werbung für Gewinnspiele und Zeitschriftenabonnements verärgerte die Verbraucher. Telefonwerbung ist nur zulässig, wenn der Verbraucher zuvor zugestimmt hat. Die Rufnummer muss übermittelt werden. Die Bundesnetzagentur geht den Beschwerden nach und verhängt gegebenenfalls Bußgelder. Im vergangenen Jahr wurden Unternehmen mit insgesamt 1,435 Millionen Euro ausgezeichnet, das waren 84.000 Euro mehr als 2020.

Künftig können die werbenden Unternehmen noch stärker als bisher zur Kasse gebeten werden, da die Bußgelder im Dezember 2021 bei unterdrückten Rufnummern von maximal 10.000 Euro auf 300.000 Euro gestiegen sind. Anrufe ohne Nummer auf dem Display waren im vergangenen Jahr besonders häufig – dem wird nun mit den drohenden Bußgeldern stärker entgegengewirkt.

Auffällig war auch, dass einige Werbetreibende unterschiedliche Telefonnummern verwendeten. Behördenchef Jochen Homann betonte, dass die Täter auch in diesem Jahr „mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln“ verfolgt würden. „Wir gehen weiterhin energisch gegen Unternehmen vor, die sich an illegaler Kundenwerbung beteiligen.“ Werbeanrufe mit unterdrückter Nummer seien „inakzeptabel“.

Im vergangenen Jahr hatte die Behörde deutlich mehr Beschwerden registriert. Zuvor war allerdings ein Rückgang kritischer Äußerungen zu verzeichnen – der Trend ist also nicht ganz eindeutig. In jedem Fall ist die Anzahl der Beschwerden nur ein Hinweis auf Probleme. Möglicherweise ist der Anstieg zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass die Möglichkeit der Beschwerde bei der Bundesnetzagentur bekannter geworden ist – viele Verbraucher waren vorher wohl verärgert, wenden sich aber erst jetzt an die Bonner Behörde.

In der Politik wurde die Zahl der Beschwerden mit Sorge zur Kenntnis genommen. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben wies darauf hin, dass die illegalen Werbeanrufe häufig auf Festnetznummern geführt würden, die im Telefonbuch stehen. „Das ist ein großes Problem für ältere Menschen, die noch viel Festnetztelefon nutzen.“ Er appellierte an die Netzagentur, mit aller Härte gegen die Unternehmen vorzugehen. Die im verschärften Gesetz vorgesehenen Möglichkeiten „sollten auch in diesem Jahr zu deutlich höheren Bußgeldern führen, wenn die aufdringlichen Werbeunternehmen einfach so weitermachen wie bisher“. Die unerlaubten Telefonate seien „ein großes Ärgernis, dessen Ursache konsequent bekämpft werden müsse“.

Auch über eine andere Art des unerwünschten Kontakts hatte die Bundesnetzagentur vermehrt Beschwerden registriert. Im vergangenen Jahr ging es beispielsweise um Faxwerbung für Corona-Tests und -Masken sowie betrügerische SMS mit der Masche „Smishing“, bei der Verbraucher dazu verleitet werden sollen, auf einen Link zu klicken und dann unwissentlich Schadsoftware herunterzuladen. Die Bundesnetzagentur reagierte und ließ unter anderem 1110-Nummern wegen Missbrauchs abschalten.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare