Montag, August 15, 2022
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Nur nukleare Sicherheit "Spekulation" Umweltministerium seziert Isar-2-Berichte

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Das bayerische Atomkraftwerk Isar 2 könnte länger am Netz bleiben, um in der Energiekrise einen kleinen Puffer zu schaffen. Technisch kein Problem, erklärt der TÜV Süd. Das Bundesumweltministerium kritisiert sowohl die Methodik als auch das Urteil der Prüforganisation.

Die Energiekrise und die Frage nach dem Weiterbetrieb der verbliebenen deutschen Kernkraftwerke haben in der Politik erhebliche Verwerfungen ausgelöst. Bund und Bayern streiten nun über ein Detail: die Bewertung einer TÜV-Analyse zum Betrieb zweier Atomreaktoren in Bayern. Das Bundesumweltministerium hat die Methodik des Papiers scharf kritisiert und erklärt, es handele sich „nicht um ein Gutachten“. Ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums wies die Vorwürfe zurück und bezeichnete den TÜV Süd als einen der „renommiertesten Sachverständigen mit dem größten Wissen in Kernenergiefragen“.

Der Technische Überwachungsverein (TÜV) Süd hatte in seinem Papier vom April – unter dem Titel „Begutachtung“, nicht als Gutachten – geschrieben, dass er keine sicherheitstechnischen Bedenken gegen den Weiterbetrieb von Isar 2 über das Jahresende hinaus habe. Auch ein Neustart von Block C im bayerischen Gundremmingen sei „aus technischer Sicht möglich“.

Die Stellungnahme erfülle „grundlegende Anforderungen an Gutachten und seriöse Gutachten nicht und dürfe daher nicht zur staatlichen Entscheidungsfindung herangezogen werden“, schreibt das Bundesministerium. Das Papier entspricht nicht den atomrechtlichen Anforderungen.

Der Leiter des Ministeriums für nukleare Sicherheit und Strahlenschutz, Gerrit Niehaus, bemängelte in dem Vermerk, dass die TÜV-Autoren zu weitreichende Schlüsse gezogen und bestimmte Aussagen nicht belegt hätten. An einer Stelle ist von „Spekulation“ die Rede. Ein anderer sagt, dass der Standard einer Bewertung nicht benannt oder „verschleiert“ wird.

Der TÜV wurde zwar nicht mit der „Erstellung einer umfassenden Sicherheitsbeurteilung“ beauftragt, kam aber dennoch zu dem Schluss: „Aus sicherheitstechnischer Sicht bestehen daher keine Bedenken gegen einen weiteren Betrieb.“ Das Bundesumweltministerium hält dies für unzulässig.

Der Sprecher des bayerischen Ministeriums sagte hingegen: „Bei der Bewertung zentraler und entscheidender Fragen sollte die bestmögliche Expertise herangezogen werden.“ Deshalb habe das Ministerium „sowohl ein sicherheitstechnisches als auch ein rechtliches Gutachten“ in Auftrag gegeben. Sicherheitsbedenken stünden daher „einer vorübergehenden Laufzeitverlängerung nicht entgegen“.

Der Vorsitzende des Bayerischen Naturschutzbundes hält den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke in Bayern für ein „unkalkulierbares Risiko“. „Wir haben weltweit 600 Atomkraftwerke, sechs davon sind beschädigt – Harrisburg, Tschernobyl und vier Blöcke in Fukushima“, sagte Richard Mergner den „Nürnberger Nachrichten“. „Wir haben auch kein Endlager. Es ist, als würde man in ein Flugzeug steigen und wir haben keine Landebahn.“

Der Leiter des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (Base), Wolfram König, forderte „insbesondere vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine“ eine „neue Risikobewertung“ der Kernenergie, wie er dem Fachblatt sagte „Tagesspiegel-Hintergrund“. Das von Russland eroberte Kernkraftwerk Saporischschja war zuvor erneut beschossen worden, weshalb die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) besorgt ist. Die Kriegsparteien beschuldigen sich gegenseitig.

Industriepräsident Siegfried Russwurm forderte derweil, Vorkehrungen zu treffen, damit der Betrieb der deutschen Kernkraftwerke über das Jahresende hinaus verlängert werden könne. „Politik und Wirtschaft sollten alles für einen möglichen temporären Weiterbetrieb vorbereiten. Und wenn wir ihn dann nicht brauchen, freuen wir uns“, sagte der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie dpa.

Mit Blick auf den diskutierten Reckbetrieb, also die verlängerte Nutzung des aktuellen Kraftstoffs, warnte der BDI-Chef: „Die Zeit läuft.“ In Erwartung der Ergebnisse des laufenden Stresstests würden weiterhin Kernbrennstäbe verbraucht. „Dann erledigt sich das Thema Stretching in Kürze von selbst.“

Für den Chef des Energiekonzerns Eon, der die Isar 2 betreibt, ist die Weiternutzung „vorerst erledigt“. Dies sei im März erneut mit der Regierung diskutiert worden, die sich dagegen entschieden habe, sagte Leonhard Birnbaum der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Nun sind die Ergebnisse des laufenden Stresstests im Strommarkt abzuwarten. Die Politik muss entscheiden. Komme es auf dieser Grundlage zu einer Neubewertung, „werden wir uns sehr ernsthaft bemühen, den Weiterbetrieb des Kernkraftwerks zu ermöglichen“.

Auf die Frage, ob bereits abgeschaltete Eon-Kernreaktoren wieder in Betrieb genommen werden könnten, sagte Birnbaum: „Die Betriebsgenehmigungen für diese Anlagen sind abgelaufen, und das lässt sich nicht mit einem Federstrich heilen stellen sie irgendwie wieder her.“ Das ist keine relevante Diskussion.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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