Sonntag, Oktober 2, 2022
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Pandemie-Lage im Herbst 2022 Deutschland hat mehr Covid-Todesfälle als im Vorjahr

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Wo steht Deutschland vor dem Beginn des dritten Pandemiewinters? Die Corona-Schutzmaßnahmen sind weitgehend aufgehoben, die Öffentlichkeit sehnt sich nach Normalität. Die nackten Zahlen sprechen jedoch eine ganz andere Sprache.

Deutschland steuert im Kampf gegen das Coronavirus einen schwierigen Kurs zwischen Eindämmung und Öffnung. „Mit dem Virus leben lernen“ lautet das Motto der Befürworter größtmöglicher Lockerungen. Anders als in den Vorjahren führten steigende Fallzahlen nicht mehr zu einer drohenden Überlastung der Krankenhäuser. Die Gefahr für das öffentliche Gesundheitssystem sei weitgehend gebannt, heißt es.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hingegen klingt im Herbst 2022 deutlich vorsichtiger. Mit Blick auf die „Betriebslage im Gesundheitswesen“ zu Beginn des Winterhalbjahres ist nur noch von „Stabilisierung“ die Rede. Das RKI fasst die Lage zusammen, da die Zahl der schweren Covid-Fälle zuletzt nicht weiter gestiegen sei. Allerdings sehen die Experten keinen Anlass, Entwarnung zu geben. „Trotz der aktuell stabilen Fallzahlen bleibt der Infektionsdruck in der Allgemeinbevölkerung in allen Altersgruppen hoch“, heißt es im aktuellen RKI-Wochenbericht.

Ein stichprobenartiger Vergleich der aktuellen Fallzahlen mit der Situation im Herbst 2021 und 2020 wirft tatsächlich ernsthafte Fragen auf. Die Zahl der offiziell gemeldeten Neuinfektionen in der vergangenen Woche liegt deutlich über dem Niveau des Vorjahres. In den sieben Tagen bis Sonntag, 18. September 2022, verzeichneten die Landesbehörden in Deutschland insgesamt 233.940 Coronavirus-Fälle. Das sind dreieinhalb Mal mehr offiziell bekannte Infektionen als in der 37. Kalenderwoche des vergangenen Jahres. Dies dauerte bis zum 19. September 2021. In diesem Zeitraum wurden nur 62.682 neue Fälle erfasst. Im ersten Jahr der Pandemie gab es zu diesem Zeitpunkt nur 12.338 Neuinfektionen.

Die nackten Zahlen geben nur einen ersten Hinweis auf die Pandemiesituation. Die Angaben sind nicht direkt und uneingeschränkt vergleichbar. So standen der Allgemeinheit zu Beginn der Coronavirus-Pandemie deutlich weniger PCR-Testmöglichkeiten zur Verfügung als im Herbst 2021. Zudem sei die Sommerwelle im vergangenen Jahr deutlich schwächer ausgefallen als im laufenden Jahr. Gleichzeitig führen nicht alle positiven Schnelltests zu einem zuverlässigen Nachweis im Labor. Und: Das Risiko, unter omicron-Bedingungen geimpft und immunisiert zu werden, ist nach allen bisherigen Erkenntnissen deutlich geringer als im Herbst 2020, an Covid schwer zu erkranken oder gar zu sterben.

Was aber, wenn sich deutlich mehr Menschen anstecken? Die Coronavirus-Pandemie ist jedenfalls noch nicht vorbei, wie ein Blick auf die Zahl der gemeldeten Covid-Todesfälle im Jahresvergleich zeigt. In der aktuellen Wochenbilanz der Kalenderwoche 37 summiert sich die Zahl der innerhalb von sieben Tagen registrierten Personen, die im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion verstorben sind, auf 641. Im Durchschnitt der vergangenen vier Wochen gab es deutschlandweit 84 Todesmeldungen pro Tag.

Zum Vergleich: Im Herbst 2021 mussten die Behörden der Bundesländer in der Vergleichswoche 351 Todesfälle in die Sterbestatistik aufnehmen. Im Vorjahr waren es in der entsprechenden Woche bundesweit nur 41 Todesfälle – allerdings nach einem vergleichsweise infektionsarmen Sommer. Sicherlich gab es während der Höhepunkte früherer Winterwellen Perioden, in denen die Zahl der gemeldeten Todesfälle viel höher war. Aber so oder so: Aktuell sterben pro Woche deutlich mehr Covid-Patienten als im Herbst der beiden Vorjahre.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus dieser groben Einordnung der Gesamtsituation ableiten? Zunächst einmal: nicht viel. Der aktuelle Zwischenstand bezieht sich auf Vergleichswochen, in denen Deutschland zwischen stärkeren Infektionswellen in den dunklen Wintermonaten 2020/21 und 2021/22 vorübergehende Atempausen erlebte. Es bleibt abzuwarten, wie Deutschland in der nächsten Herbst- oder Winterwelle abschneiden wird.

Die genannten Zahlen sind daher nur als erste Anhaltspunkte geeignet, um die aktuelle Pandemielage mit der Situation in den Vorjahren zu vergleichen. Fest steht: Von einer Rückkehr zur Normalität kann angesichts der hohen Zahl gemeldeter Todesfälle keine Rede sein. Das Virus und der Infektionsverlauf sind offenbar noch alles andere als harmlos.

Reichen diese Erkenntnisse für eine Neubewertung der deutschen Pandemiepolitik aus? Der viel gepriesene Schutz von Risikogruppen, darunter alle älteren Menschen in Deutschland, scheint unter den gegebenen Bedingungen eines schwelenden Infektionsgeschehens – gemessen an der Zahl der Todesfälle – nicht besser zu funktionieren als 2021. Der Durchimpfungsgrad der Bevölkerung und die erzielten Fortschritte bei der Behandlung von Covid-Patienten haben offenbar nicht ausgereicht, um die Zahl der Covid-Todesfälle unter das Niveau der Vorjahre zu drücken.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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