Sonntag, Mai 22, 2022
StartNACHRICHTENParagraph 219a des Bundestages: Abtreibungen: So ist die Lage in Deutschland

Paragraph 219a des Bundestages: Abtreibungen: So ist die Lage in Deutschland

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Der Bundestag berät heute über das „Werbeverbot“ für Schwangerschaftsabbrüche. Doch wie oft werden Schwangerschaften in Deutschland abgebrochen – und warum? Eine grafische Übersicht.

Seit Jahren umstritten: Art. § 219a StGB „Werbung zum Schwangerschaftsabbruch“. Laut einer Ampelvorlage muss sie nun komplett abgeschafft werden, denn dann müssten Ärzte mit einem Strafverfahren rechnen, „wenn sie öffentlich sachlich über Ablauf und Methoden des Schwangerschaftsabbruchs (z. B. auf ihrer Homepage) informieren“. Für Patienten ist es schwierig, den richtigen Arzt zu finden.

„Unangemessene oder gar löbliche Werbung“ soll künftig verboten bleiben. Die Ampel will es durch das Arzneimittelwerbegesetz regeln.

Auch die Linke befürwortet die Abschaffung des §219a, während Union und AfD dagegen sind.

Etwa ein Drittel der Schwangerschaften in Deutschland sind ungewollt und knapp ein Sechstel explizit ungewollt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2016. Knapp 44 Prozent der ungewollten Schwangerschaften werden abgebrochen oder mehr als die Hälfte ausgetragen. Laut der Studie treiben gut 8 % der Frauen (mindestens) einmal in ihrem Leben ab.

Die Abtreibungsrate ist zwischen 25 und 29 Jahren am höchsten, gefolgt von denen zwischen 30 und 34 Jahren.

58 % der Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen, sind ledig, 38 % sind verheiratet. 59 Prozent haben bereits mindestens ein Kind geboren.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist in Deutschland eigentlich strafbar. Die Ausnahmen:

Frauen, die sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, nennen in der BZgA-Studie fünf Hauptgründe:

Einen Arzt für einen Schwangerschaftsabbruch zu finden, ist in Deutschland nicht so einfach. Betroffene und Experten berichten unisono. So begrüßt etwa Prof. Daphne Hahn, Gesundheitswissenschaftlerin an der Hochschule Fulda, die geplante Abschaffung des §219a. „Es erleichtert betroffenen Frauen den Zugang zu Informationen. An der generellen Problematik von Frauen bei der Suche nach Abtreibungsärzten ändert dies jedoch nichts“, sagte sie dem Deutschen Ärzteblatt. Die Zahl der Abtreibungskliniken und -operationen ist seit 2003 um fast die Hälfte zurückgegangen. Und das Problem wird noch schlimmer, da viele Ärzte in Rente gehen.

Das gemeinnützige Forschungszentrum „Correctiv“ hat eine Datenbank erstellt, in der Sie bundesweit nach Kliniken suchen können, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Und es stellte sich heraus, dass nur 60 Prozent aller öffentlichen Krankenhäuser mit Gynäkologie dies tun, einige nur, wenn ein medizinischer Grund vorliegt oder wenn die Frau vergewaltigt wurde.

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