Donnerstag, Juni 30, 2022
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Pariser Terrorprozess: "Du hast die Bestie gefüttert"

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Im Prozess um die Terroranschläge von Paris im November 2015 hat sich die Staatsanwaltschaft für hohe Strafen ausgesprochen. Für den Hauptangeklagten Abdeslam forderte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft mit unbefristeter Sicherungsverwahrung.

Als Staatsanwältin Camille Hennetier ans Rednerpult trat, hatten sie und ihre beiden Kollegen bereits mehr als zwölf Stunden miteinander gesprochen. „Jetzt komme ich zum Schluss“, sagt die zierliche Frau im roten Gewand. „Die Strafen, die wir fordern werden, werden hart sein, sehr hart.“ Und für alle 20 Angeklagten.

Die Staatsanwälte fordern zwischen fünf Jahren Gefängnis für einen, den sie als Komplizen ansehen, und lebenslange Haft mit unbefristeter Sicherungsverwahrung für den Hauptverdächtigen Salah Abdeslam.

„Das ist ein hartes, aber sehr ausgewogenes Urteil“, sagt Didier Seban, einer von 300 Anwälten der Nebenklägerin. „Die Staatsanwälte haben die Rolle jedes Angeklagten bei der Planung und Ausführung der Anschläge vom 13. November 2015 offengelegt. Und jeder von ihnen sollte für das Verbrechen, das er begangen hat, bestraft werden.“

Salah Abdeslam, der einzige Überlebende der Terrorgruppe vom 13. November, beteiligte sich aktiv an der Ermordung von 130 Menschen vor dem Stade de France, vor Terrassen und Cafés und in der Konzerthalle Bataclan, sagen Staatsanwälte. Er war fasziniert von der Gewalt der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS).

Staatsanwalt Hennetier sagt, Abdeslam sei immer noch von der radikal-islamistischen Ideologie verzehrt. Trotz seiner Entschuldigung bei den Hinterbliebenen und Hinterbliebenen, trotz seiner Aussage, dass er seinen Sprengstoffgürtel bewusst nicht gezündet habe – aus Menschlichkeit.

„Ich sehe das genauso wie der Staatsanwalt“, sagt Sahbi Hemana. Er verlor seinen Sohn am Abend des 13. November vor dem Bistro „La Bonne Bière“. Er kam für den Prozess aus Algerien nach Paris und stand mehr als 100 Verhandlungstage vor Gericht. Er wirkt müde, er sagt, sein Rücken schmerze von den Holzbänken in der Halle. Trotzdem nimmt er sich Zeit.

„Abdeslam hat sich widersprüchlich verhalten. Er hat sich während des gesamten Prozesses als Mitglied des IS bezeichnet und die Terrororganisation verherrlicht. Und dann entschuldigt er sich plötzlich und weint“, sagt Hemana. „Nein, ich glaube ihm nicht.“

Hemana glaubt zusammen mit Staatsanwälten, dass Abdeslams Sprengstoffgürtel defekt war. Staatsanwalt Nicolas Le Bris argumentiert, dass dies für das Urteil irrelevant sei. Abdeslam trieb drei Angreifer ins Stade de France. Wie die toten Terroristen im Kommando hat auch er Blut an den Händen.

„Das muss das Gericht jetzt klären“, sagt Hemana. Er hofft, dass das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft bis Ende des Monats folgen wird. Das würde ihm wenigstens etwas Ruhe verschaffen. „Lebenslang im Gefängnis zu sein ist schlimmer als der Tod. Und ich hoffe, das gibt ihm Zeit zum Nachdenken.“

Neben Abdeslam, für den die Staatsanwaltschaft die härteste Strafe fordert, sollen drei weitere Angeklagte lebenslang mit teils jahrzehntelanger Sicherungsverwahrung inhaftiert werden. Die Staatsanwaltschaft stellt alle 20 Angeklagten für mitschuldig an den Anschlägen vom 13. November 2015.

Aus Überzeugung, aus Freundlichkeit, aus Profitgier oder aus Feigheit fütterten sie alle das Tier. Ohne sie, so schließt Staatsanwalt Le Bris seinen Teil des Plädoyers ab, wären die Anschläge nicht möglich gewesen.



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