Donnerstag, Januar 20, 2022
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PCR-Tests bald Mangelware? Wenn Prüflabore an ihre Grenzen stoßen

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Die Corona-Testlabore arbeiten auf Hochtouren und analysieren im Gleichtakt PCR-Tupfer. Allerdings könnte die Omicron-Welle bald die Kapazitäten überfordern. Ein Grund dafür ist, dass es zu wenig Fachkräfte gibt. Ab wie vielen Neuinfektionen wird es kritisch?

Bioscientia ist eines der größten Testunternehmen in Deutschland. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist das Unternehmen in seinen 19 Laboren rund um die Uhr mit PCR-Tests beschäftigt. Insgesamt werden täglich knapp über 20.000 PCR-Tests untersucht. Bioscientia hat seine Testkapazität im Laufe der Pandemie bereits verdoppelt. Allerdings kann das Laborunternehmen seine Kapazitäten nicht unbegrenzt weiter erhöhen. „Wir bauen an den Standorten kontinuierlich aus, aber nicht in Riesenschritten, denn dann würde man eine Produktionskapazität schaffen, die man nach der Pandemie definitiv nicht mehr braucht“, erklärt Bioscientia-Chef Oliver Harzer im ntv-Podcast „Neu gelernt“.

Die technische Ausstattung ist teuer und Fachpersonal rar. Dort, wo Universitäten in der Nähe sind, sei es einfacher, Mitarbeiter zu finden, sagt Harzer. Medizin- und Biologiestudenten sind in der Regel bereits mit den Testverfahren vertraut und können in der Regel auch an Wochenenden oder Feiertagen flexibel arbeiten.

Neben Bioscientia übermitteln fast 200 weitere Labore jede Woche ihre Testnummern an das Robert-Koch-Institut. Bundesweit gibt es etwa 1 bis 1,5 Millionen PCR-Tests pro Woche, Ende letzten Jahres wurde sogar die Zwei-Millionen-Marke gekratzt.

Aber es geht noch mehr: Pro Woche dürfen laut Bundesgesundheitsministerium maximal 2,4 Millionen Labortests durchgeführt werden. Auf eine Sieben-Tage-Woche gerechnet, könnten täglich durchschnittlich 350.000 Tests durchgeführt werden. Unter der Woche wird natürlich mehr getestet als am Wochenende. Es ist also wahrscheinlicher, dass es rund 450.000 tägliche Tests geben wird, meist verteilt auf Montag bis Freitag.

Schwierig wird es, wenn immer mehr PCR-Tests positiv ausfallen. In der vergangenen Woche ist die Positivquote bei PCR-Tests auf über 23 Prozent gestiegen. Steigt sie bald auf 30 Prozent, weil sich immer mehr Menschen anstecken, könnten bei maximaler Laborkapazität maximal 150.000 Neuinfektionen pro Tag nachgewiesen werden. In dieser Woche meldete das RKI erstmals über 80.000 Neuinfektionen an einem Tag in Deutschland. Das Land Berlin schlägt deshalb schon jetzt Alarm, was die PCR-Testkapazitäten betrifft. Gesundheitssenatorin Ulrike Gote spricht von einem „bundesweiten Problem“.

Bioscientia-Chef Oliver Harzer rechnet mit anstrengenden Wochen für die Labore, sieht Deutschland aber insgesamt gut vorbereitet. „Wenn wir wieder in eine Situation wie bei Delta im November kommen, dann wird es wieder im Gerüst ächzen. Das ist so, wir müssen uns nicht belügen. Insgesamt ist es aber immer noch so.“ dass wir sehr gut aufgestellt sind.“

Bioscientia untersucht die einzelnen Proben in der Regel innerhalb von 24 Stunden auf Coronaviren. Nur in der Blütezeit der Delta-Variante sei das nicht immer möglich gewesen, sagt Oliver Harzer. Vermutlich wird es im Laufe der omicron-Welle länger dauern, den einen oder anderen PCR-Test auszuwerten.

24 Stunden bis zum Ergebnis bedeutet nicht, dass die auf PCR getesteten Personen ihr Ergebnis genau einen Tag nach dem Abstrich erhalten. Vielmehr muss die Probe zunächst vom Testzentrum ins Labor gebracht werden. Die Wartezeit ist so lang. Tatsächlich dauert es heute oft 48 Stunden oder sogar länger. Zumal einige wichtige Proben vorgezogen werden. Zunächst würden Eingaben von Krankenhäusern und Gesundheitsämtern bearbeitet, erklärt Harzer im Podcast. Auch das Alter der Testpersonen wird bei der Priorisierung berücksichtigt. „Es gab eine Zeit, in der Reiseunternehmen darauf bestanden haben, dass Leute, die in den Urlaub fahren wollten, innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis bekommen bevorzugte Behandlung.“

Hauptsorge ist nun die immer schnellere Verbreitung der omicron-Variante. Und weil Schnelltests Omikron nicht immer zuverlässig nachweisen, sind PCR-Tests die bessere Wahl. Aus diesem Grund hat der Marburger Bund kürzlich davor gewarnt, dass PCR-Tests in Deutschland bald nur noch „eingeschränkt“ verfügbar sein könnten. Deutschlands größte Ärztekammer schlägt vor, dass statt eines PCR-Tests künftig zwei Antigen-Schnelltests durchgeführt werden können. Die bald in Kraft tretende neue Freitestverordnung der Bundesregierung belässt es sogar bei einem „hochwertigen“ Schnelltest als PCR-Alternative.

„Wenn man regelmäßig Antigen-Schnelltests durchführt, erhöhe ich natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, Infizierte zu finden. Das ist also eine Option, die man nutzen kann“, sagt Harzer. Sie können auch Schnelltests im Labor überprüfen, um zuverlässigere Ergebnisse zu erhalten, aber gleichzeitig die PCR-Kapazitäten ein wenig entlasten. „In diesem Fall wird der Abstrich fast wie ein PCR-Test genommen, die Kontrolle erfolgt dann auf Geräten, mit denen wir sonst Hormone oder andere Infektionsparameter messen. Aber keiner dieser Antigen-Tests ist auch nur annähernd so sensitiv wie die PCR man muss es einfach wissen“, stellt Harzer klar.

Die baldigen kostenlosen Testmöglichkeiten würden „unweigerlich zu Mehraufwand für die Labore führen“. Die Labore müssten dem Ansturm „weitgehend unvorbereitet“ entgegentreten, kritisiert der Laborverband ALM. Um die hohe Nachfrage nach Tests weiterhin bedienen zu können, fordert Verbandschef Michael Müller eine stärkere Ausrichtung auf die nationale Teststrategie. Das bedeutet vor allem, dass nur Personen mit eindeutigen Covid-19-Symptomen PCR-getestet werden sollten. Priorität zwei haben Personen, die keine Symptome haben, aber Kontakt zu einer infizierten Person hatten. Priorität drei alle Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder Unterkünften arbeiten oder leben, bei denen ein positiver Fall vorliegt.

Um es dort schneller zu machen, werden Pooltests immer häufiger. Zunächst werden mehrere Proben gemeinsam untersucht. Fällt der Pooltest positiv aus, werden alle Personen einzeln getestet. Allerdings sei der Aufwand bei den Pooltests nicht unbedingt geringer, sagt Oliver Harzer. „Wenn der Anteil positiver Tests generell sehr hoch ist, wird es irgendwann sehr ineffizient, weil dann in jedem Pool ein Infizierter steckt und dann hat man sozusagen die doppelte Arbeit, und das bindet wieder Kapazitäten.“

Harzer ist optimistisch, dass es eine Reihe von Maßnahmen gibt, um der gestiegenen Testnachfrage gerecht zu werden. „Wenn die Situation sehr schwierig wird, muss man sich überlegen, was die nächste Eskalationsstufe ist und welche Schwächen wir in Kauf nehmen, um diese Krisensituation zu überbrücken.“

Es gibt keine perfekte Teststrategie. Klar ist, dass Omikron die Testlabore an ihre Grenzen bringen wird. Testkapazitäten können nicht unbegrenzt erhöht werden. Irgendwann während dieser vierten Welle müssen noch mehr Prioritäten gesetzt werden. Denn Testlabore wie die von Bioscientia prüfen nicht nur Corona-Tests, sondern haben auch andere Aufgaben. Einschließlich Grippetests, Hepatitistests und HIV-Tests.

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